Der russische Videospielmarkt wird für 2025 auf rund 200 Mrd. Rubel geschätzt, umgerechnet 2,2 Mrd. Euro. Damit bewegt sich Russland im internationalen Vergleich im Mittelfeld: Der globale Games-Markt erreichte 2025 knapp 167 Mrd. Euro, Russland trug damit rund 1,5% des weltweiten Umsatzes bei. Der deutsche Gaming-Markt ist wesentlich größer als der russische und hatte 2025 einen Umsatz von rund 9 Mrd. Euro, mehr als 5% des weltweiten Umsatzes.
Nach dem Einbruch 2022 stabilisierte sich der russische Markt ab 2023 schrittweise. Das Volumen lag 2023 bei rund 176 Mrd. Rubel, nach aktuellem Umrechnungskurs 1,9 Mrd. Euro, 2024 bei etwa 187 Mrd. Rubel, 2,07 Mrd. Euro. Für 2026 wird ein weiterer Zuwachs um 5% erwartet.
Restart 2022, Expansion 2025
Das Jahr 2022 markierte einen Bruch für die russische Spieleindustrie. Internationale Anbieter und Plattformen schränkten ihre Aktivitäten ein, der internationale Zahlungsverkehr wurde komplizierter. In der Folge verlagerte sich der Fokus auf lokale Infrastruktur. Plattformen wie VK Play und RuStore gewannen an Bedeutung, große Unternehmen investierten in eigene Vertriebsmodelle.
Ab 2023 setzte eine Phase der Neuorganisation ein. Der Markt wuchs wieder moderat und erreichte 2024 das Vorkrisenniveau.
2025 zählen in Russland vor allem etablierte Online-Titel und langlebige Service-Games zu den meistgespielten Spielen. Dazu gehören World of Tanks, Counter-Strike 2, Dota 2, Minecraft sowie EA Sports FC 2026 im Konsolen- und PC-Segment. Mobile-Spiele haben zwar die größte Reichweite nach Nutzerzahlen, PC- und Konsolentitel dominieren jedoch bei den Umsätzen.
Payments als Endboss: Spielekauf trotz Sanktionen
Seit 2022 sind für russische Nutzer zentrale internationale Zahlungswege im Gaming eingeschränkt oder nur noch über Umwege nutzbar, da Plattformen wie Steam, Google Play oder App Store die direkte Zusammenarbeit mit russischen Banken eingestellt haben. Der Spielekauf erfolgt seither häufiger über Drittanbieter, ausländische Karten oder alternative Zahlungsdienstleister, was den Prozess komplexer und teils teurer macht.
Laut Daten des Zahlungsdienstleisters YuKassa stieg 2025 die Zahl der Gaming-Transaktionen in Russland um 19% gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Zahlungsbetrag um neun Prozent auf 508 Rubel, rund 5,50 Euro.
Auch bei Geldüberweisungen auf die weltweit führende Spieleseite Steam verdoppelte sich bis Ende 2025 die Transaktionszahl. Der durchschnittliche Betrag allerdings sank um 4% auf 782 Rubel, umgerechnet 8,50 Euro.
Eine Befragung von mehr als 2000 Spielern ergab, dass 79% der Zoomer, geboren von 1997-2010, 61% der Millennials, geboren 1981 bis 1996, und 65% der Generation X, geboren 1965 bis 1980, Spiele über offizielle Stores kaufen. Die Generation Alpha, geboren ab 2010, weist die höchste tägliche Spieleaktivität auf: 75% spielen nach eigenen Angaben täglich.
Staat spielt mit
Der russische Staat hat seine Rolle im Gaming-Sektor seit 2022 deutlich ausgebaut. Das „Institut für die Entwicklung des Internets“ plant zwischen 2026 und 2027 Investitionen von rund 3,4 Mrd. Rubel, rund 40 Mio. Euro, in Spieleprojekte.
Seit 2022 wurden insgesamt etwa fünf Milliarden Rubel, 55 Mio. Euro, für knapp 50 Projekte bereitgestellt. In einer Branchenumfrage unter mehr als 200 Entwicklerstudios nannten 47,2% Steuervergünstigungen, 45,1% Entwicklungszuschüsse als wichtigste Fördermittel.
Die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor ist Regulator digitaler Plattformen. 2024 wurde der unter Gamern beliebte Kommunikationsdienst Discord blockiert, Ende 2025 folgte die offizielle Sperrung von Roblox. Roblox ist eine internationale Online-Plattform, auf der Nutzer eigene Spiele erstellen und die Projekte anderer spielen können. Vor der Sperrung zählte Russland zu den größeren Märkten in Europa, Schätzungen gingen von mehreren Millionen aktiven Nutzern aus, vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Die Blockade durch Roskomnadzor Ende 2025 führte dazu, dass die Plattform offiziell nicht mehr erreichbar ist.
Russlands Antwort auf PlayStation
Das umsatzstärkste russische Spielestudio war in den vergangenen Jahren Lesta Games, das das Spiel World of Tanks in Russland verlegt hat, das 2024 rund 24,8 Mrd. Rubel, umgerechnet 300 Mio. Euro Umsatz, erzielte. Im April 2025 ließ das Moskauer Taganski-Bezirksgericht auf Antrag der russischen Generalstaatsanwaltschaft die Vermögenswerte von Lesta-Games arrestieren.
Weitere große Entwicklungsstudios sind Astrum Entertainment mit 100 Mio. Euro Umsatz, Krista Games mit 40 Mio. und Innova mit 32 Mio. Euro. Insgesamt existieren in Russland mehrere hundert Entwicklerstudios, überwiegend kleine und mittelgroße Unternehmen.
Im Zuge von westlichen Exportbeschränkungen für Spielekonsolen wird seit 2024 die Entwicklung einer eigenen russischen Spielekonsole diskutiert. Der Elektronikhersteller Fplus stellte mehrere Prototypen einer portablen Konsole vor, jedoch gibt es noch keine Massenproduktion.
Eine Umfrage des staatlichen Marktforschungsinstituts VZIOM zeigt, dass 82% der russischen Spieler primär auf dem PC spielen, 63% auf Smartphones, 24% auf PlayStation-Konsolen und neun Prozent auf Xbox-Systemen. Nur 27% der Befragten hatten von der Initiative für eine russische Konsole gehört.
Dieser Beitrag erschien zuerst im exklusiven Newsletter der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer

