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Trotz Ölpreisanstieg stagnieren die Wachstumsprognosen bei 1%
Russland · 16.03.2026

Trotz Ölpreisanstieg stagnieren die Wachstumsprognosen bei 1%

Neue Prognosen zeigen: Höhere Energiepreise reichen bislang nicht aus, um Russlands Wirtschaft deutlich zu beschleunigen.


Autor: Klaus Dormann


Die fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute veröffentlichten am 12. und 13. März ihre „Frühjahrsprognosen“ für Deutschland und die Weltwirtschaft. Im Vergleich mit ihren Mitte Dezember veröffentlichten „Winterprognosen“ haben sie trotz des aktuellen starken Anstieges der Energiepreise ihre Erwartungen für das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2026 kaum angehoben. Die Spanne der Prognosen der Institute reichte vor drei Monaten von 0,6 Prozent bis 0,9 Prozent, jetzt von 0,8 bis 1,3 Prozent.

Auch bei der in der letzten Woche veröffentlichten Analysten-Umfrage der russischen Zentralbank rechneten die Teilnehmer im Mittelwert damit, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr wie bereits 2025 nur um 1,0 Prozent wächst. Im nächsten Jahr erwarten sie eine leichte Beschleunigung des Wachstums auf 1,6 Prozent. Von den deutschen Instituten hält nur das Münchner ifo Institut ein ähnliches Anziehen des Wachstums im Jahr 2027 für wahrscheinlich.

Werden sich Russlands Budgeteinnahmen 2026 erholen?

Eine der schwierigsten Fragen bei der Erstellung von Konjunkturprognosen dürfte derzeit sein, wie sich die Energiepreise entwickeln. Wie lange wird der vom Iran-Krieg ausgelöste aktuelle starke Anstieg der Öl- und Gaspreise anhalten?

2025 sind Russlands Haushaltseinnahmen aus dem Öl- und Gasbereich um fast ein Viertel auf rund 8,5 Billionen Rubel gesunken. Wird ein ausreichend starker Preisanstieg im Jahr 2026 eine Erholung der Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich bewirken?

Haushaltseinnahmen Russlands aus dem Öl- und Gasbereich
in Billionen Rubel

euromaidanpress.com; Peeter Helme:
 Russia’s oil revenues collapse 24% as global prices slide further (INFOGRAPHICS), 02.02.26

Laut einem Bericht der Zeitung Izvestia schätzen Experten, dass die Haushaltseinnahmen 2026 um rund 2 Billionen Rubel steigen dürften, wenn der Urals-Ölpreis im Jahresdurchschnitt auf 70 Dollar je Barrel steigt, so ein dpa-Bericht. BR24 zeigte in einer Sendung dazu folgende Abbildung.

Schätzung von Experten
zum Anstieg der Haushaltseinnahmen aus dem Öl- und Gasbereich
um 2 Billionen Rubel bei einem Anstieg des Ölpreises auf 70 $/b im Jahr 2026

BR24: Öl und Gas: So profitiert Putin vom Iran-Krieg; 13.03.26

Steigen die Haushaltseinnahmen aus dem Öl-und Gasbereich in diesem Jahr tatsächlich auf rund 10,5 Billionen Rubel wären sie immer noch etwas niedriger als 2024 mit 11,1 Billionen Rubel. Ina Ruck, ARD-Korrespondentin in Moskau, kommentierte Russlands Haushaltsentwicklung in der BR24-Sendung ab Minute 8.

Auch die Einnahmen aus dem Energieexport haben viel Aufholbedarf

Russlands Einnahmen aus dem Export fossiler Brennstoffe sind ähnlich stark wie die staatlichen Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich eingebrochen. Nach Angaben des finnischen Thinktanks CREA sanken die Einnahmen aus dem Export von Öl, Gas, Kohle und Raffinerieprodukten in den zwölf Monaten vor dem 24. Februar 2026 um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gegenüber der Zeit vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine waren sie sogar um rund 27 Prozent niedriger. Das berichtet Tagesschau.de.

Die folgende Abbildung aus dem Ende Februar veröffentlichten „Russia Chartbook“ des Instituts der „Kyiv School of Economics“ zeigt, dass Russlands Einnahmen aus dem Export von Rohöl und Mineralölprodukten nach Schätzung des Instituts im Jahr 2025 auf 160 Milliarden $ gesunken sind (- 15 % zum Vorjahr). Die Einnahmen aus dem Erdgasexport sanken gleichzeitig voraussichtlich auf rund 40 Milliarden $ (- 13 %). Insgesamt waren diese Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport mit rund 200 Mrd. US-Dollar um rund 15 Prozent niedriger als 2024 (235 Mrd. $).

Export von Rohöl und Mineralölprodukten sowie Erdgas
in Mrd. US-Dollar

KSE institute: Russia Chartbook, February 2026; 27.02.26

Das Institut der Kiewer Wirtschaftshochschule rechnete in seinem am 27. Februar veröffentlichten Bericht im Jahr 2026 mit einem weiteren starken Rückgang der Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport um rund ein Viertel auf nur noch rund 150 Mrd. US-Dollar. Das Institut vermutet in dem Bericht zwar, dass die Weltmarktpreise für Energie wegen „geopolitischer Spannungen“ im Februar und März steigen könnten. Fundamentale Faktoren auf dem Ölmarkt lassen nach Einschätzung des Instituts im Rest des Jahres für Russland aber ein „herausforderndes Preisumfeld“ erwarten.

IfW: Die Preisreaktion auf das „worst case-Szenario“ war „noch moderat“

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft kommentiert den aktuellen Anstieg der Energiepreise t in seinem Konjunkturbericht „Weltwirtschaft im Frühjahr 2026“ ausführlich. Das IfW sieht mit der effektiven Sperrung der Straße von Hormus im Hinblick auf die Entwicklung der Ölpreise zwar die denkbar schlechteste Entwicklung eingetreten. Das „worst case-Szenario“ habe sich realisiert. Die darauffolgende Reaktion der Ölpreise sei aber „noch moderat“ gewesen.

Das IfW beschreibt die Preisentwicklung beim Rohöl so:

„Bereits seit Ende des vergangenen Jahres war der Ölpreis aufwärtsgerichtet, obwohl die Produktion schneller stieg als der Verbrauch und die Internationale Energieagentur für das Jahr 2026 einen Angebotsüberschuss von annähernd 3,5 Millionen Barrel pro Tag erwartete. Grund hierfür waren neben verschärften US-Sanktionen für russisches Öl zunehmende Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran.

Mit Ausbruch des Krieges realisierte sich mit der effektiven Sperrung der Straße von Hormus das „worst case“-Szenario vergangener Nahostkrisen. Angesichts dessen war die Reaktion des Marktes noch moderat. Zunächst sprang der Preis um rund 10 US-Dollar auf reichlich 80 US-Dollar pro Barrel Brent, dann kletterte er kurzzeitig bis über 100 US-Dollar; zuletzt notierte er mit rund 90 US-Dollar auf einem Niveau, das in den Jahren 2023 und 2024 gerade noch in der üblichen Preisspanne gelegen hätte.“

Die folgende Abbildung des SRF, die stündlich aktualisiert wird, zeigt, dass der Brent-Preis bis zum 13. März weiter auf rund 102 US-Dollar gestiegen ist.

SRF: Sanktionslockerung wegen Iran? Trump gibt den Ölflüsterer – der Kreml hört genau hin; 10.03.26

Zur Preisentwicklung von verflüssigtem Erdgas (LNG) meint das IfW:

„Erheblich waren auch die Wirkungen auf den LNG-Markt. Hier verdoppelten sich die Preise in Europa in etwa; noch stärker war der Anstieg in Asien, wohin der größte Teil (rund 80 Prozent) der aus dem Persischen Golf gelieferten Flüssiggasmengen geliefert wird. Hingegen hat sich Erdgas auf dem amerikanischen Markt kaum verteuert.“

Prognose des IfW: Die Ölpreise werden zügig auf ihr Vorkriegsniveau sinken

Das Kieler Institut erwartet aber keine lang anhaltende Phase hoher Energiepreise. Im Gegenteil: Es verweist darauf, dass die meisten Beobachter derzeit davon ausgehen, dass sich die Ölversorgung aus dem Persischen Golf in wenigen Wochen wieder normalisiert. Das Institut legt seiner Prognose ein Szenario zugrunde, in dem die Ölpreise allenfalls drei Monate auf dem derzeitigen hohen Niveau verbleiben und ab dem Sommer rasch wieder sinken. 

„Wir rechnen mit einer zeitnahen Wiederaufnahme der Energieexporte aus dem Golf und einem zügigen Rückgang der Preise auf das Vorkriegsniveau.Die militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten und Israels macht es wahrscheinlich, dass die sichere Passage durch die Straße von Hormus in absehbarer Zeit wiederhergestellt werden kann und die Unterbrechung der Verschiffung von Rohöl und Ölprodukten sowie LNG aus dem Persischen Golf allenfalls wenige Wochen andauert. In diesem Fall dürften die Preise für Energierohstoffe bald wieder sinken.“

Das Kieler Institut rechnet damit, dass der Preis für Rohöl Ende 2026 wieder in etwa so niedrig sein wird wie vor dem Krieg. Bis Ende 2027 werde der Ölpreis auf das Niveau sinken, das im zweiten Halbjahr 2025 verzeichnet wurde.

Zu einer Entspannung der Marktsituation werde auch beitragen, dass die in der OPEC+ organisierten Förderländer eine Erhöhung der Förderquoten beschlossen hätten und die Vereinigten Staaten offenbar bereit seien, die Sanktionen auf russisches Öl zu lockern, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Beim LNG wird der Preisrückgang laut dem IfW voraussichtlich etwas langsamer erfolgen. Die Lager auf der Nordhalbkugel seien nach dem Winter weitgehend leer. Die Wiederbefüllung über den Sommer hinweg lasse eine hohe Nachfrage erwarten.

Ganz sicher ist sich das Kieler Institut bei seiner obigen Prognose der Entwicklung des Ölmarktes aber nicht:

„Sollte sich herausstellen, dass eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus auf längere Zeit unmöglich bleibt oder sollten Produktionsanlagen in den Anrainerstaaten in größerem Umfang beschädigt werden, so dass über einen längeren Zeitraum Produktion ausfällt, die nicht durch zusätzliche Förderung an anderer Stelle ausgeglichen werden kann (der größte Teil der kurzfristig verfügbaren Reservekapazitäten beim Rohöl liegt in Saudi-Arabien), wäre freilich mit nochmals deutlich höheren Preisen für längere Zeit zu rechnen.“

IfW: 2025 verlangsamte sich Russlands Wirtschaftswachstum deutlich

Als einziges der fünf deutschen Institute bietet die Frühjahrsprognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auch einige Hinweise zur aktuellen Konjunkturentwicklung in Russland. Das IfW erklärt die deutliche Verlangsamung des russischen Wirtschaftswachstums auf 1,0 Prozent im Jahr 2025 so:  .

„Zum einen operiert die Wirtschaft wohl an den Grenzen ihrer Kapazität. Hier macht sich der Verlust an Arbeitskräften durch den Krieg gegen die Ukraine und Auswanderung bemerkbar, zunehmend aber wohl auch die sanktionsbedingten Probleme bei der Erhaltung und Modernisierung des Kapitalstocks, der nach und nach zu erodieren droht. Die Priorisierung von Produktion für den militärischen Bedarf wird durch hohe Realzinsen unterstützt, die den privaten Konsum und nicht kriegsnotwendige Investitionen zurückdrängen. Zum anderen hatten sich die finanziellen Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges im vergangenen Jahr mit rückläufigen Ölpreisen und verschärften Sanktionen verschlechtert.“

IfW: Die höheren Energiepreise erleichtern die Finanzierung des Ukraine-Krieges

Angesichts des aktuellen Anstiegs der Energiepreise werden sich die Möglichkeiten Russlands zur Finanzierung des Ukraine-Krieges nach Einschätzung des IfW in den kommenden Monaten erheblich verbessern:

„Nicht nur erzielt Russland nun wieder deutlich mehr als jene 59 US-Dollar je Barrel, die bei der Erstellung des russischen Staatshaushalts zugrunde gelegt wurden. Offenbar sollen auch die US-Sanktionen gelockert werden, die Ende des vergangenen Jahres verschärft worden waren, um Verkäufe russischen Öls zu erschweren. In der Folge hatten sich die Preisabschläge für russisches Öl gegenüber westlichen Sorten wie Brent merklich ausgeweitet, derzeit sind sie hingegen praktisch verschwunden.

Christof Rühl: Wenn jemand vom Iran-Krieg „profitiert“ ist es Russland

Ganz ähnlich wie das Kieler Institut argumentiert in einem vom englischen Dienst der Deutschen Welle veröffentlichten Interview Christof Rühl, Senior Research Scholar am Center on Global Energy Policy der Columbia University (The Dip-Podcast ab Minute 11). Rühl war als Mitarbeiter der Weltbank von 1998 bis 2005 u.a. Leiter der Weltbank-Repräsentanz in Moskau und anschließend bis 2014 Chefvolkswirt des Mineralölkonzerns BP.

Rühl weist darauf hin, dass sich Russland bisher in einer schwierigen Lage befunden habe, weil die Ölpreise deutlich sanken. Nach der Verschärfung der Sanktionen durch die USA habe Russland außerdem nur noch sehr viel weniger Öl nach Indien liefern können. Die Tanker der russischen „Schattenflotte“ hätten für enorme Ölmengen keine Abnehmer finden können. Jetzt hätten die USA wegen des starken Anstiegs des Ölpreises die Sanktionen aber gelockert. Russisches Öl finde wieder Abnehmer – und zwar zu viel höheren Preisen, selbst wenn es weiterhin Preisabschläge für russisches Öl gebe. Statt für 50 oder 55 Dollar könne Russland sein Öl jetzt zu 95 Dollar verkaufen. Das sei ein sehr großer Unterschied.

Drei Szenarien des ifo-Instituts für die Ölpreisentwicklung und das Wachstum der russischen Wirtschaft bis 2027

Das Münchner ifo Institut betont in seiner „Frühjahrsprognose“, dass  es vollkommen offen ist, wie sich der Konflikt im Nahen Osten in den kommenden Tagen und Wochen entwickelt und auf die Förderung von Rohöl und Erdgas sowie auf die Lieferketten auswirken wird. Es entwickelte für die weitere Konjunkturentwicklung ein „Deeskalationsszenario“ und ein „Eskalationsszenario“. Diese Szenarien vergleicht das Institut mit einem „Vorkriegsszenario“, das sich ohne die „kriegerischen Handlungen“ ergeben hätte.

Im „Deeskalationsszenario“ wird mit einem schnellen Ende des Konflikts nach vorübergehenden Anstiegen der Rohöl- und Erdgaspreise auf durchschnittlich 80 US-Dollar je Barrel bzw. 55 Euro je MWh in den Monaten März bis Mai gerechnet. Nach Beilegung des Konflikts sinken die Rohölpreise in diesem Szenario wieder zügig, bleiben aber höher als vor Ausbruch des Krieges. Diese Annahmen zur Energiepreisentwicklung entsprechen laut ifo weitgehend den Markterwartungen am 4. März 2026.

Im „Eskalationsszenario“ wird davon ausgegangen, dass der Konflikt deutlich länger dauern wird und mit einem schärferen und anhaltenderen Anstieg der Energiepreise einhergeht. Das ifo Institut nimmt aber auch in diesem Szenario einen im Vergleich zu anderen Prognosen moderaten Anstieg des Ölpreises um lediglich rund 21 Prozent im Jahresvergleich 2026/2025 an.

Um die konjunkturellen Auswirkungen des Iran-Krieges zu beziffern, stellt ifo diese Szenarien einem „Vorkriegsszenario“ gegenüber. Die Annahmen des Vorkriegsszenarios entsprechen den Markterwartungen für den Verlauf der Energiepreise vor Ausbruch des Krieges Ende Februar.

Szenarien des ifo-Instituts vom 12.03.26
für die Brent-Ölpreisentwicklung
und das Wachstum der russischen Wirtschaft

Auch im „Eskalationsszenario“ beschleunigt sich das BIP-Wachstum nur wenig

Im „Deeskalationsszenario“ wird angenommen, dass der Brent-Rohölpreis im Jahresdurchschnitt 2026 nur um rund 5 Prozent steigt, wenn er von 68,4 $/Barrel im Jahr 2025 auf 71,9 $/Barrel im Jahr 2026 zunimmt. Bei dieser Ölpreisentwicklung geht das ifo-Institut davon aus, dass Russlands reales Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 wie im Jahr 2025 um 1,1 Prozent wächst. Im Jahr 2027 erwartet das ifo-Institut bei einem rund 1 Prozent niedrigeren Ölpreis von 70 Dollar eine leichte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 1,4 Prozent.

Im „Eskalationsszenario“ prognostiziert das Institut für das Jahr 2026 bei einem Anstieg des Ölpreises um rund 21 Prozent, dass Russlands Wirtschaft um 1,3 Prozent wächst, also etwas stärker als im „Deeskalstionsszenario“ mit einem Wachstum um 1,1 Prozent. 2027 werde der Ölpreis im „Eskalationsszenario“ nur auf 75 Dollar sinken. Das Wirtschaftswachstum werde dann auf 1,5 Prozent anziehen, kaum stärker als im „Deeskaltationsszenario“ (+ 1,4 Prozent).

Laut dem „Vorkriegsszenario“ – also ohne den Krieg – würde der Ölpreis 2026 auf 65,9 Dollar sinken und 2027 weiter auf 64,5 Dollar. Bei dieser Abnahme des Ölpreises würde Russlands Wirtschaftswachstum 2026 auf 0,9 Prozent fallen und würde sich 2027 nur auf 1,2 Prozent erholen.  

Deutsche Institute heben ihre Wachstumsprognosen nur wenig an

Beim Vergleich der Winter- und Frühjahrsprognosen der fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute zeigt sich: Ihre Prognosen für das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2026 blieben unverändert (RWI Essen: 0,8 %) oder wurden lediglich auf rund 1 Prozent angehoben.

Am stärksten erhöhte das IfW Kiel seine Prognose (von 0,5 % auf 1,0 %). Das DIW Berlin erwartet jetzt 0,9 Prozent Wachstum in Russland (bisher: 0,6 %), das IWH Halle 1,1 Prozent (bisher: +0,7 %).

Das Münchner ifo Institut rechnete bisher im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Dabei wäre das Institut geblieben, wenn es zu keinem Krieg im Iran und dem Anstieg der Energiepreise gekommen wäre. In seinem neuen „Deeskalationsszenario“ mit einem baldigen Ende des Krieges und einem schwachen Ölpreisanstieg erwartet das ifo Institut jetzt für 2026 in Russland ein etwas höheres Wachstum von 1,1 Prozent. In einem „Eskalationsszenario“ mit einem Ölpreisanstieg um rund 20 Prozent geht das ifo Institut von einem noch etwas stärkeren BIP-Anstieg von 1,3 Prozent aus.

Auch im Jahr 2027 erwarten das DIW, das IWH und das RWI in Russland einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion um rund 1 Prozent. Das IfW Kiel bleibt hingegen bei seiner Einschätzung, dass Russlands BIP nur halb so stark um 0,5 Prozent steigt. Demgegenüber erhöht das ifo Institut seine Wachstumsprognose für 2027 in seinem „Deeskalationsszenario“ von 0,5 auf 1,4 Prozent und in seinem „Eskalationsszenario“ noch etwas stärker auf 1,5 Prozent.

BIP-Prognosen 2024 bis 2027
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

Ergebnisse der Zentralbank-Umfrage für Inflation, Leitzins und Wachstum

Die russische Zentralbank führte im Vorfeld ihrer nächsten Leitzinsentscheidung am 20. März wieder eine Analysten-Umfrage durch (Survey Calendar). Die Umfrage wurde vom 06. bis 10. März durchgeführt, also nur wenige Tage nachdem die Angriffe der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar begannen.

Die Teilnehmer erwarteten in der Umfrage nach einer Stagnation des Wachstums des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 im nächsten Jahr eine leichte Beschleunigung des Anstiegs der gesamtwirtschaftlichen Produktion von 1,0 % auf 1,6 %. Der Anstieg der Verbraucherpreise werde sich dabei von 8,7 % im Jahresdurchschnitt 2025 auf 5,3 % im Jahresdurchschnitt 2026 vermindern und 2027 weiter auf 4,4 % sinken.

Für das Jahr 2026 erwarten die rund 30 Teilnehmer u.a. folgende Entwicklung:

Der jährliche Anstieg des Indexes der Verbraucherpreise wird sich im Dezember 2026 auf 5,3 Prozent abschwächen. Im Dezember 2025 ist die jährliche Inflationsrate bereits auf 5,6 Prozent gesunken. Ende 2024 hatte sie 9,5 Prozent erreicht.

Im Jahresdurchschnitt 2026 wird die jährliche Inflationsrate auf nur noch 5,3 Prozent sinken. Im Jahresdurchschnitt 2025 war sie mit 8,7 Prozent noch etwas höher als 2024 (+8,4 Prozent).

Der Leitzins wird im laufenden Jahr im Jahresdurchschnitt mit 14,0 Prozent um gut 5 Prozentpunkte niedriger sein als 2025 (19,2 Prozent).

Das jährliche Wirtschaftswachstum stagniert 2026 mit 1,0 Prozent. 2025 war es von 4,9 auf 1,0 Prozent gesunken.

Ergebnisse der Zentralbank-Umfrage vom 06. bis 10.03.2026 
(in Klammern Ergebnisse der Februar-Umfrage)

Russische Zentralbank: Macroeconomic survey of the Bank of Russia, 11.03.26 (Auszug)

Umfrage: Die Inflation überschreitet Ende 2026 das 4%-Ziel noch deutlich

Die folgende Abbildung zeigt die voraussichtliche Entwicklung der Inflationsrate laut der Analysten-Umfrage. Die von der Zentralbank angestrebte Inflationsrate von 4,0 Prozent wird im Mittelwert der Einschätzungen der Umfrage-Teilnehmer Ende 2026 noch nicht erreicht (schwarze Linie). Im Dezember 2026 werden die Verbraucherpreise laut der Umfrage noch um 5,3 Prozent steigen (also die in der mittelfristigen Prognose der Zentralbank genannte Spanne von 4,5 bis 5,5 Prozent etwas überschreiten). Ende 2027 wird das Inflationsziel laut der Umfrage mit einem Preisanstieg von 4,1 Prozent fast erreicht.

Verbraucherpreisindex
Anstieg Dezember gegenüber Dezember des Vorjahres in %

Skeptische Wachstumsprognose für 2026: Das BIP steigt nur um rund 1 Prozent

Die Erwartungen der Umfrage-Teilnehmer zum Wirtschaftswachstum haben sich seit der Februar-Umfrage geringfügig weiter verschlechtert. Nach einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,0 Prozent im Jahr 2025 wird im Jahr 2026 eine Stagnation der Produktion auf diesem Niveau erwartet. 2027 werde sich der BIP-Anstieg zwar auf 1,6 Prozent und 2028 auf 1,8 Prozent beschleunigen. Damit bleiben die Wachstumsprognosen der Analysten ab 2027 aber weit unter den Prognosen der Regierung, die 2027 und 2028 mit Wachstumsraten von 2,8 Prozent und 2,5 Prozent rechnet.

Reales Bruttoinlandsprodukt
Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent

Russische Zentralbank: Macroeconomic survey of the Bank of Russia, 11.03.26

Mögliche Auswirkungen des Iran-Krieges auf Ölpreis und Rubel-Kurs

Der Ende Februar begonnene Iran-Krieg dürfte sich bei der Umfrage vermutlich vor allem auf die Einschätzung der Entwicklung des Ölpreises und des Rubel-Kurses ausgewirkt haben.

Die Prognosen für den jahresdurchschnittlichen Ölpreis (für Steuerzwecke) wurden im Durchschnitt für 2026 um rund 10 Prozent von 50 $/Barrel auf 55 $/Barrel angehoben.

In den nächsten beiden Jahren erwarten die Analysten aber etwas niedrigere Ölpreise als bisher. So fiel ihre Ölpreis-Prognose für 2027 von 56 $/Barrel auf 55 $/Barrel und für 2028 von 60 $/Barrel auf 59 $/Barrel.

Die Analysten erwarten in den nächsten drei Jahren eine etwas schwächere Abwertung des Rubels gegenüber dem US-Dollar als bei der letzten Umfrage. Sie haben ihre Prognosen für den durchschnittlichen jährlichen Rubel/US-Dollarkurs wie folgt gesenkt:

Für 2026 auf 84,0 Rubel – von zuvor 85 Rubel/US-Dollar,
für 2027 auf 92,3 Rubel – von zuvor 94,5 Rubel/US-Dollar,
für 2028 auf 97,8 Rubel – von zuvor 98,9 Rubel/US-Dollar.


Lesetipps:

Irankrieg, Energieversorgung und Russland

Ölpreise und Staatshaushalt

Frühjahrsprognosen der deutschen Institute:

Monatliche und wöchentliche Konjunkturberichte:

Weitere Konjunkturdaten und -prognosen:

Russische Wirtschaft Prognose
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Klaus Dormann
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Klaus Dormann

Autor bei ostwirtschaft.de. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Russland und den GUS-Staaten.

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