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Wie stark und wie lange profitiert Russland vom Energiepreisboom?
Russland · 30.03.2026

Wie stark und wie lange profitiert Russland vom Energiepreisboom?

Profitiert Russland wirklich vom Energiepreisanstieg? Neue Prognosen zeigen: Wachstumseffekte bleiben überraschend schwach.


Autor: Klaus Dormann


Nach dem Beginn des Iran-Krieges vor rund einem Monat sind die Öl- und Gaspreise weltweit stark gestiegen. Analysten entwickeln Szenarien, wie sich die höheren Energiepreise auf Wirtschaftswachstum und Inflation in Russland auswirken könnten. Oft wird Russland als eigentlicher „Profiteur“ des Iran-Krieges gesehen, weil seine stark gesunkenen Exporterlöse und Staatseinnahmen kräftig steigen dürften.

Das Forschungsinstitut BOFIT der finnischen Zentralbank betont in seinem Wochenbericht jedoch, dass eine nur kurze Zeit anhaltender Anstieg der Energiepreise die Lage der russischen Wirtschaft auch nur begrenzt verbessern könnte. BOFIT wird am 30. März seine neue Russlandprognose für den Zeitraum 2026–2028 veröffentlichen.

Bereits am letzten Mittwoch hat die Pariser „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)“ in ihrem „Economic Outlook Interim Report“ neue Prognosen für die weltweite Entwicklung von Wachstum und Inflation vorgelegt. Die OECD geht davon aus, dass die Preise für Öl, Gas und Düngemittel „ab Mitte 2026 wieder allmählich sinken werden“.

Dass ein allzu langer und allzu starker Anstieg der Energiepreise für Russland auch Risiken bringt, gibt der britische Analyst Timothy Ash zu bedenken. Die Nachfrage könnte dann weltweit einbrechen und auch in Russland zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen meint Ash in der Kyiv Post.

In der Eurozone bremst die teurere Energie das Wachstum und treibt die Inflation

Angesichts des bisherigen weltweiten Anstiegs der Energiepreise erwartet die OECD in den Ländern der Eurozone jetzt bei mehr Inflation auch weniger Wachstum, denn:

„Der sprunghafte Anstieg der Energiepreise und der schwer kalkulierbare Verlauf des Konflikts im Nahen Osten werden die Kosten erhöhen und die Nachfrage dämpfen.“

Die OECD senkte ihre Wachstumsprognose für die Länder der Eurozone merklich um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent. Auch für die beiden größten EU-Volkswirtschaften, Deutschland und Frankreich, erwartet sie nun nur noch 0,8 Prozent Wachstum. Ihre Inflationsprognose für die Eurozone verschärfte die OECD gleichzeitig um 0,7 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent im Jahr 2026.

Russland bringt der Energiepreisschub laut OECD kaum mehr Wachstum

Trotz des kräftigen weltweiten Anstiegs der Energiepreise hob die OECD ihre Prognose für das Wachstum der energiereichen russischen Wirtschaft nur geringfügig an. Sie erwartet jetzt für das Gesamtjahr 2026 in Russland einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent. Das sind nur 0,1 Prozentpunkte mehr als vor drei Monaten im Dezember. Ihre Prognose für Russlands BIP-Anstieg im nächsten Jahr erhöhte die OECD um 0,2 Prozentpunkte auf 0,8 %.

Russland wird demnach vom starken Anstieg der Energiepreise offenbar nur relativ schwache Wachstumsimpulse erhalten, obwohl das Land einer der weltweit führenden Energieexporteure ist (bpb; Statistical Review of World Energy). Dabei sollte man allerdings berücksichtigen: Ohne den exportstarken russischen Energiesektor würde das Wirtschaftswachstum in Russland aufgrund der aktuellen Verteuerung von Energie wohl ähnlich stark beeinträchtigt werden wie zum Beispiel das Wachstum in den energiearmen Staaten der Euro-Zone.

Die Verteuerung der Energie durch den Iran-Krieg wird auch Russland laut der OECD mit einem beschleunigten Anstieg der Verbraucherpreise zu spüren bekommen. Russlands Inflationsrate wird merklich höher bleiben als die OECD bisher erwartete. Sie wird, so die neue OECD-Prognose, nur von 8,7 Prozent im Jahr 2025 auf 6,4 Prozent im Jahr 2026 sinken. Im Dezember hatte die OECD für 2026 noch einen Rückgang der Inflationsrate auf 5,4 Prozent prognostiziert.

BOFIT: Das Wachstum der russischen Wirtschaft kam zum Stillstand

Nach Einschätzung des Forschungsinstituts BOFIT der finnischen Zentralbank hat sich die Lage der russischen Wirtschaft 2026 deutlich verschlechtert. Ein kurzfristiger Ölpreisanstieg reiche nicht aus, um diese Entwicklung zu korrigieren. Auch der fiskalische Handlungsspielraum der Regierung habe sich bisher nicht wesentlich vergrößert.

Zur Entwicklung der Produktion in den fünf „Kernbereichen“ der russischen Wirtschaft und den darauf basierenden Schätzungen des russischen Wirtschaftsministeriums zur Entwicklung der Produktion der Gesamtwirtschaft veröffentlichte BOFIT die folgende Abbildung. Sie zeigt, dass sowohl das jährliche Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (blaue Linie) als auch das jährliche Wachstum der Produktion der Kernbereiche der Wirtschaft (grüne Linie) im Januar 2026 im gleitenden 3-Monats-Durchschnitt auf rund null Prozent gesunken sind.

Das Wachstum der russischen Produktion ist zum Stillstand gekommen

BOFIT, BOFIT Weekly: Higher oil prices bring at least temporary relief for the Russian economy, 27.03.26

Die Regierung will ihre Wachstumsprognose von 1,3 Prozent für 2026 senken

Zur Konjunkturentwicklung im Februar berichtete das Statistikamt Rosstat, dass die Industrieproduktion im Zeitraum Januar bis Februar 2026 im Vergleich zu den beiden ersten Monaten des Vorjahres um 0,8 % gesunken ist. Bereinigt um saison- und kalenderbedingte Faktoren wuchs die russische Industrie laut Rosstat im Februar 2026 gegenüber dem Vormonat um 0,3 %, nachdem sie im Januar stagniert hatte (Finmarket.ru).

Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow teilte am Rande einer Wirtschaftskonferenz in der letzten Woche mit, dass die Regierung ihre bisherige Prognose für das diesjährige Wachstum der russischen Wirtschaft von 1,3 Prozent im April senken wird. Reschetnikow erklärte: „Wir hatten mit einem schwierigen ersten Halbjahr gerechnet. Und genau so ist es gekommen.“ Der Minister betonte außerdem, dass die geldpolitische Lockerung der Zentralbank keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werde. „Es ist klar, dass die Zinssenkung eine verzögerte Wirkung hat und die Lage im Jahr 2026 kaum beeinflussen wird“, erklärte er (vz-nn.ru).

Unternehmensbefragungen zeigen die verschlechterte Lage der Wirtschaft

BOFIT weist darauf hin, dass sich die verschlechterte Lage der russischen Wirtschaft auch bei Umfragen unter russischen Unternehmen zeigte:

In der monatlichen Umfrage der russischen Zentralbank hat sich die Einschätzung der Unternehmen zur wirtschaftlichen Lage in diesem Jahr deutlich verschlechtert. Im März bewerteten die Unternehmen die aktuelle Situation nahezu so schwach wie im Frühjahr 2022, unmittelbar nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine (siehe auch Politkom.ru-Wochenbericht).

Auch in anderen Unternehmensumfragen gab die Mehrheit der Teilnehmer an, dass sich die Lage ihres Unternehmens im ersten Halbjahr verschlechtert habe oder sich in den kommenden Monaten verschlechtern werde.

Zu den von den Unternehmen genannten Problemen zählen steigende Kosten und Zahlungsrückstände. So waren beispielsweise in einer Umfrage des Industrieverbandes RSPP von Ende 2025 Zahlungsrückstände das am häufigsten genannten Problem. Mehr als 40 % der Unternehmen, also mehr als während der Corona-Pandemie, gaben an, dass Zahlungsrückstände ihr Geschäft beeinträchtigen.

Steigende Ölpreise bringen höhere Einnahmen und geben Wachstumsimpulse

Immerhin meint BOFIT aber, dass sich die Lage der russischen Wirtschaft am Beginn des Jahres 2026 angesichts des starken Anstiegs der weltweiten Ölpreise „zumindest vorübergehend entspannt hat“. Durch den Anstieg der Weltmarktpreise sei die Entwicklung der russischen Ölexporte begünstigt worden. Außerdem seien auch die US-Sanktionen gegen russische Ölexporte gelockert worden.

BOFIT weist darauf hin, dass höhere Ölpreise in der Regel das russische Wirtschaftswachstum ankurbeln und die Exporterlöse und Staatseinnahmen steigen lassen. Öl und Gas machten laut BOFIT 2025 noch mehr als die Hälfte der russischen Warenexporte und fast ein Viertel der Einnahmen des Bundeshaushalts aus.

Der Urals-Ölpreis ist im März gegenüber Februar um rund zwei Drittel gestiegen

Zur Ölpreisentwicklung nennt BOFIT folgende Daten:
Der Durchschnittspreis für ein Barrel Brent-Öl stieg im März 2026 auf rund 96 US-Dollar.
Der Preis für ein Barrel russisches Urals-Öl ist in den letzten Wochen laut Bloomberg-Schätzungen ebenfalls deutlich auf rund 60 US-Dollar gestiegen.

Die folgende Abbildung aus dem Wochenbericht des Forschungsinstituts der staatlichen russischen Entwicklungsgesellschaft VEB.RF vergleicht den starken Anstieg der Ölpreissorten Urals und Brent. Demnach übertraf der Preis von russischem Urals-Öl laut den Angaben von Cbonds mit 111 US-Dollar je Barrel am 19. März sogar den Preis für Brent-Öl von 109 US-Dollar je Barrel knapp (Das Forschungsinstitut merkt dazu allerdings an, dass die Angaben von Cbonds von den Preisangaben anderer Quellen abweichen).

Entwicklung der Ölpreise vom 19. September 2025 bis 19. März 2026
blaue Säulen: Abschlag von Urals gegenüber Brent in %

VEB.RF-Wochenbericht: Weltwirtschaft und Märkte, 20.03.26

Siehe zur tagesaktuellen Ölpreisentwicklung auch: Trading Economics: Urals Oil . Laut Trading Economics stieg der Urals-Preis im letzten Monat gegenüber dem Vormonat um 66,5 Prozent (Stand: 25.03.26).

Die Öl- und Gaseinnahmen im Bundeshaushalt halbierten sich 2026 bisher

Zur Entwicklung des russischen Bundeshaushalts am Jahresanfang 2026 berichtet BOFIT:

Russlands Haushaltsplan für 2026 basiert auf der Annahme eines durchschnittlichen Exportpreises von 59 US-Dollar pro Barrel. Im Januar und Februar dieses Jahres lag der durchschnittliche Exportpreis für russisches Öl laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) bei lediglich 46 US-Dollar pro Barrel, verglichen mit 65 US-Dollar pro Barrel im Vorjahr. Der durchschnittliche Abschlag für russisches Öl gegenüber Referenzsorten erreichte im Januar und Februar 23 US-Dollar pro Barrel, während er 2025 nur 13 US-Dollar pro Barrel betrug. Die IEA schätzt zudem, dass die Ölexportmengen, insbesondere im Februar, zurückgegangen sind (weitere Infos: IEA Oil Market Report).

Die Einnahmen im russischen Bundeshaushalt sanken im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr laut vorläufigen Daten des russischen Finanzministeriums Insgesamt um rund 10 Prozent.

Besonders stark beeinträchtigt wurde die Entwicklung der Gesamt-Einnahmen durch einen drastischen Rückgang der Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich, die fast 50 Prozent niedriger als im Vorjahr waren. Hauptgrund hierfür war der deutliche Rückgang des Exportpreises für russisches Öl.

Die Einnahmen des Bundeshaushalts ohne die Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich stiegen im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 4 %. Dieser Anstieg ist auf die Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte zurückzuführen, die zu Jahresbeginn in Kraft trat. Infolge der Erhöhung stiegen die Mehrwertsteuereinnahmen im Jahresvergleich um 11 %, während die übrigen Einnahmen um 5 % sanken.

Die „Economic Expert Group“, ein Forschungsinstitut, das eng mit dem russischen Finanzministerium zusammenarbeitet, veröffentlichte zur Entwicklung von Einnahmen, Ausgaben und Defizit des russischen Bundeshaushaltes in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 u.a. folgende Tabelle (Auszug).

Entwicklung des Bundeshaushalts im Januar-Februar 2026

Economic Expert Group: Wirtschaftsanalyse März 2026 (Auszug), 25.03.26

Die Ausgaben des Bundeshaushalts stiegen im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 6 %. Sie wuchsen etwas schneller als für das Gesamtjahr geplant ist, während die Einnahmen hinter den Erwartungen zurückblieben.

Das Defizit im Bundeshaushalt erreichte im Januar und Februar fast das für das für das gesamte Jahr 2026 veranschlagte Niveau. Es belief sich auf rund 3.400 Milliarden Rubel (1,5 % des BIP).

Das diesjährige Haushaltsdefizit soll, so BOFIT, hauptsächlich durch die Aufnahme von Schulden mit Staatsanleihen finanziert werden. Allerdings wurden im Januar und Februar insgesamt rund 400 Milliarden Rubel aus dem „Nationalen Wohlfahrtsfonds“ entnommen, um das Defizit zu decken. Ende Februar verfügte der Fonds noch über liquide Mittel im Wert von rund 4 Billionen Rubel.

Vasily Astrov: „Der Irankrieg kam für Russland genau zum richtigen Zeitpunkt“

Mit dieser Schlagzeile macht die österreichische Zeitung „Die Presse“ auf die jüngste Ausgabe ihres Podcasts zur russischen Wirtschaft aufmerksam. Der langjährige Russland-Korrespondent Eduard Steiner diskutierte mit Vasily Astrov, dem Russland-Experten des „Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche“, am 25. März u.a., wie sich der russische Staatshaushalt entwickelt hat und welche Perspektiven sich angesichts des Anstiegs der Energiepreise für die russische Wirtschaft ergeben (Minute 19 bis 31).

Astrov sieht die Haushaltsentwicklung zusammengefasst so:

Russland verdient jetzt mit seinen Ölausfuhren natürlich viel mehr als noch vor einem Monat. Zum einen sind die globalen Ölpreise kräftig gestiegen. Außerdem hat sich der Preisabschlag für russisches Öl gegenüber der Ölsorte Brent stark verringert.

Allerdings geht es für Russland zunächst darum, mit den höheren Einnahmen Löcher im Haushalt zu stopfen. Vor dem Beginn des Iran-Krieges war die Haushaltslage aus russischer Sicht nämlich „wirklich besorgniserregend“. Für das Gesamtjahr 2026 war ein Budget-Defizit von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geplant. Das Defizit war aber bereits nach den ersten zwei Monaten des Jahres 2026 so hoch, dass die für das Gesamtjahr 2026 angestrebte Defizitquote erreicht wurde. So gesehen kam der Iran-Krieg und der plötzliche Anstieg der globalen Ölpreise und teilweise auch der Gaspreise aus russischer Sicht zum richtigen Zeitpunkt.

Es ist jetzt aber nicht so, dass Russland plötzlich „im Geld schwimmt“. Die russische Regierung wird die zusätzlichen Einnahmen verwenden, um die Löcher im Staatsbudget zu stopfen. Sie muss sich dann weniger verschulden.

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung wird natürlich sehr viel davon abhängen wie lange die hohen Energiepreise überhaupt bestehen bleiben.

Pauschale Ausgabenkürzungen um 10 Prozent sind vorläufig „vom Tisch“

Astrov berichtete auch über angekündigte Ausgabenkürzungen:

Drei Tage vor Beginn des Iran-Krieges hat der russische Finanzminister eine Kürzung aller Staatsausgaben um zehn Prozent angekündigt. Davon ausgenommen werden sollten nur die Ausgaben für das Militär, die Sozialausgaben und auch die Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Sektor.

Jetzt wurden diese Sparpläne jedoch vorläufig „auf Eis gelegt“. Die Ausgabenkürzungen werden verschoben, wahrscheinlich auf das Jahr 2027 (siehe auch Moscow Times).

Dem Wirtschaftswachstum helfen die hohen Energiepreise „eher wenig“

Vasily Astrov ist zwar der Meinung, dass die mit den Energiepreisen wachsenden staatlichen Einnahmen auf jeden Fall zu niedrigeren Haushaltsdefiziten beitragen können. Die Auswirkungen der höheren Energiepreise auf „die Wirtschaft als Ganzes“ hält er aber für „eher gering“. Er meint u.a.:

Momentan steckt die russische Wirtschaft in einer Stagnation, es gibt sogar Anzeichen einer Rezession. Laut einer Schätzung des Wirtschaftsministeriums ging das BIP im Januar im Vorjahresvergleich um rund zwei Prozent zurück.

Laut einer Unternehmens-Umfrage der russischen Zentralbank ist das Geschäftsklima im März auf den niedrigsten Wert seit Oktober 2022 gesunken. Das Geschäftsklima ist also wieder so schlecht wie zu der Zeit als die russische Wirtschaft unter dem Schock der Verhängung der Sanktionen litt.

Die allgemeine Wirtschaftslage ist aus russischer Sicht also „nicht rosig“. Hauptursache dafür sind die weiterhin hohen Zinsen. Der Anstieg der Energiepreise und die zusätzlichen Einnahmen Russlands helfen „nicht unbedingt“, diese Probleme zu lösen.

Timothy Ash: Den Energiepreisanstieg braucht Russland dringend. Langfristig bringt der Iran-Krieg Russland aber Risiken

Der britische Ökonom Timothy Ash, „Associate Fellow in the Russia and Eurasia programme at Chatham House“ und „Senior Sovereign Strategist at RBC Bluebay Asset Management“ in London, analysierte in einem von der „Kyiv Post“ veröffentlichten Meinungsbeitrag mögliche Folgen des Iran-Krieges für Russland.

Er kommt zu dem Schluss, dass „der dritte Golfkrieg“ Russland kurzfristig zwar finanzielle Vorteile bringe. Langfristig berge er aber auch Risiken. Nachstehend eine Zusammenfassung, was Ash zum bisherigen Rückgang der russischen Erlöse aus dem Ölexport und zum bisherigen Rückgang der staatlichen Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich schreibt:

Der „dritte Golfkrieg“ hat die Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe getrieben.

In Verbindung mit der Entscheidung der USA, die Sanktionen gegen Russland zu lockern, werden deswegen Russlands Exporteinnahmen steigen. Die russischen Staatskassen werden sich füllen. Der Krieg gegen die Ukraine und Europa kann so länger fortgesetzt werden, als es sonst der Fall gewesen wäre.

Russlands Ölexporterlöse sanken im Februar auf ein Vier-Jahres-Tief

Im Laufe des Jahres 2025 sind die Sanktionen gegen Russland weiter verschärft worden. In den ersten Monaten des Jahres 2026 sanken Russlands Einnahmen aus dem Export von Energie und die Einnahmen aus dem Energiebereich im russischen Staatshaushalt deutlich.

Die Erlöse aus dem Export von Öl und Erdölprodukte sanken im Februar 2026 laut IEA-Angaben beispielsweise um 1,5 Milliarden US-Dollar auf nur noch 9,5 Milliarden US-Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022.

Der Rückgang der Erlöse spiegelte zum einen Anstieg des Preisabschlags auf russisches Öl auf über 30 %. Außerdem sanken im Februar die russischen Ölexportmengen auf 6,6 Millionen Barrel pro Tag, ein Rückgang um 850.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vormonat und ebenfalls der niedrigste Wert seit 2022. Die Exportmengen scheinen sowohl aufgrund der westlichen Sanktionsmaßnahmen als auch aufgrund der erfolgreichen ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur gesunken zu sein.

Russlands Handelsbilanzüberschuss sank im Januar 2026 um über 10 % gegenüber dem Vorjahresmonat auf nur noch 6,5 Milliarden US-Dollar.

Die staatlichen Einnahmen aus dem Öl und Gasbereich sanken drastisch

Im Bundeshaushalt gingen die Öl- und Gaseinnahmen in den ersten beiden Monaten des Jahres um 44 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Das Haushaltsdefizit stieg auf 1,5 % des BIP, obwohl die Regierung zum Jahresbeginn die Mehrwertsteuer von 20 % auf 22 % angehoben hatte. Die Medien berichteten, dass Ausgabenkürzungen um 10 % geplant würden.

Russlands Regierung sah sich also mit einer zunehmend angespannten Haushaltslage konfrontiert. Den sinkenden Einnahmen standen steigende Ausgaben für das Militär gegenüber. Da die Rücklagen im „Nationalen Wohlfahrtsfonds“ aufgebraucht waren, musste die Regierung ein größeres Haushaltsdefizit durch höhere Inlandsverschuldung decken.

Diese Maßnahme bedeutete höhere Zinsen, eine weitere Verdrängung des zivilen Sektors und voraussichtlich eine steigende Inflation, was wiederum die Leitzinsen hochhalten und das Wachstum dämpfen würde.

Die russische Wirtschaft stand bereits am Rande einer Rezession

Das reale Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in den ersten Monaten des Jahres 2026. Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr lagen nahe null.

Die Wirtschaft präsentierte sich zunehmend als Zweiklassengesellschaft: Der militärisch-industrielle Sektor profitierte weiterhin von erhöhten Verteidigungsausgaben und deren Priorisierung, während der Rest unter hoher Inflation, Arbeitskräftemangel, hohen Lohnkosten, hoher Verschuldung und hohen Zinsen litt.

Ash: Der Iran-Krieg der USA hat Putin zunächst einen „großen Sieg beschert“

Die Entscheidung der US-Regierung den Iran anzugreifen, bewertet Ash so:

„Gerade als der wirtschaftliche Abschwung Putin zu schwierigen Entscheidungen zu zwingen schien – etwa zu Zugeständnissen in den Ukraine-Friedensgesprächen –, hat Trump Putin mit seiner bizarren Entscheidung, den Iran ohne erkennbare, durchdachte Strategie anzugreifen, einen großen Sieg beschert. Kurzfristig wird dies Putin als Freifahrtschein dienen. Höhere Öl- und Energiepreise sowie die Entscheidung der USA, die Sanktionen gegen russisches Öl zu lockern, werden Russlands Haushalt und Zahlungsbilanz stärken.“

Letztendlich könnte es aber zu einem Einbruch der Öl- und Rohstoffpreise kommen

Ash schätzt, dass sich Russlands Öl- und Energieeinnahmen zunächst um bis zu 10 Milliarden US-Dollar pro Monat erhöhen könnten. Gleichzeitig gibt er aber zu bedenken, dass die langfristigen Folgen eines anhaltend hohen Ölpreises noch unklar seien. Vermutlich werde ein anhaltend hoher Ölpreis zu einem Nachfrageeinbruch und einem geringeren globalen Wachstum führen, ähnlich wie in der Zeit um COVID-19 oder während der globalen Finanzkrise 2008. Dann werde Russland als Leidtragender dastehen. Langfristig höhere Ölpreise könnten für die russische Wirtschaft „eine Katastrophe“ auslösen.


Lesetipps:

Irankrieg, Energieversorgung und Russland

Finanzpolitik: Staatshaushalt und Ölpreise

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Monatliche und wöchentliche Konjunkturberichte:

Industrieproduktion im Februar 2026:

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Klaus Dormann
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Klaus Dormann

Autor bei ostwirtschaft.de. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Russland und den GUS-Staaten.

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