Eine Untersuchung slowakischer Investigativjournalisten wirft der Regierung vor, den Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) kurz vor dessen Börsengang mit milliardenschweren Aufträgen begünstigt zu haben. Ziel könnte es gewesen sein, Investoren ein positives Signal zu senden und den Aktienkurs zu stützen.
Das in Bratislava ansässige Ján-Kuciak-Recherchezentrum (ICJK) veröffentlichte am 19. Februar entsprechende Recherchen. Demnach könnte das außergewöhnlich hohe Vertragsvolumen zwischen dem Verteidigungsministerium und CSG den Börsenwert des Unternehmens beeinflusst haben. CSG-Eigentümer Michal Strnad stieg infolge des Börsengangs laut Bloomberg zum drittreichsten Mann der Welt unter 40 Jahren auf. Sowohl CSG als auch das Verteidigungsministerium weisen die Vorwürfe zurück.
60 Milliarden Euro an Verträgen
Seit der Rückkehr von Ministerpräsident Robert Fico und seiner Partei Smer im Jahr 2023 habe das Verteidigungsministerium Verträge im Gesamtwert von 60,36 Milliarden Euro mit CSG abgeschlossen, so ICJK. Das liege rund 60 Milliarden Euro über dem Vertragsvolumen der vier vorherigen Regierungen zwischen 2016 und 2023.
Den größten Anteil daran habe ein siebenjähriger Rahmenvertrag über 58 Milliarden Euro zur Lieferung großkalibriger Artilleriemunition. Der Vertrag wurde im Dezember 2025 mit ZVS Holding geschlossen, einem Joint Venture zwischen dem slowakischen Staat und CSG.
ICJK zufolge besteht der Großteil dieser Summe aus Rahmenvereinbarungen, die nicht zwingend vollständig abgerufen werden müssen. Kritiker bezweifeln zudem, dass die Produktionskapazitäten ausreichen.
Zweifel an Produktionskapazitäten
Nach Angaben des Recherchezentrums lag die Produktionskapazität des ZVS-Werks in Dubnica nad Váhom 2025 bei rund 100.000 Einheiten 155-mm-Munition jährlich. Durch eine neue, 100 Millionen Euro teure Abfüllanlage soll sie auf maximal 280.000 Einheiten steigen. ICJK äußert Zweifel, ob selbst mit dieser Kapazität die vertraglich vereinbarten Mengen realistisch erfüllt werden können, insbesondere wenn parallel andere Kunden beliefert werden.
Ein Sprecher von CSG erklärte, der Börsengang sei ein streng regulierter Prozess. Die Absicht, an die Börse zu gehen, sei am 14. Januar 2026 offiziell bekanntgegeben worden, der Handelsstart an der Euronext Amsterdam folgte am 23. Januar.
Das Unternehmen betont, die Rahmenvereinbarung sei mit den aktuellen und geplanten Produktionskapazitäten abgestimmt. Zudem spiele die Verteidigungsindustrie eine wachsende Rolle für die slowakische Wirtschaft. Die Zahl der Beschäftigten bei ZVS Holding sei seit 2021 deutlich gestiegen. Auch Verteidigungsminister Robert Kaliňák bestreitet, im Vorfeld über den Börsengang informiert gewesen zu sein.
Größter Verteidigungs-IPO weltweit
Der Börsengang von CSG wurde von Euronext als weltweit größter IPO eines Verteidigungsunternehmens bezeichnet – gemessen am Emissionsvolumen und an der Marktkapitalisierung. Mit rund 32 Milliarden Euro Börsenwert ist CSG inzwischen das wertvollste tschechische Unternehmen.
Internationale Banken wie JPMorgan, BNP Paribas, Jefferies und UniCredit begleiteten die Transaktion.
Zusätzlich sieht sich CSG neuen Vorwürfen im Zusammenhang mit Tatra-Fahrzeuglieferungen an die tschechische und slowakische Armee ausgesetzt. Ein Oppositionspolitiker behauptet, Fahrzeuge seien über Zwischenfirmen mit Preisaufschlägen weiterverkauft worden. CSG weist auch diese Anschuldigungen zurück.
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