Der tschechische Maschinenbau- und Verteidigungskonzern Czechoslovak Group (CSG) steigt in die ungarische Rüstungsindustrie ein. Das Unternehmen erwirbt eine Beteiligung von 49 Prozent an der ungarischen 4iG Space & Defence Technologies.

Über die Beteiligung erhält CSG indirekt auch einen Anteil von rund 37 Prozent an der Rába Automotive Holding. Geplant sind unter anderem die Produktion und Lieferung mehrerer tausend Militärfahrzeuge für die ungarischen Streitkräfte. Zudem könnte CSG künftig am ungarischen Himars-Programm beteiligt sein, teilte das Unternehmen mit.

Ausbau der Rüstungsproduktion

CSG-Eigentümer und CEO Michal Strnad sieht in der Kooperation eine Chance, die industrielle Basis der Region auszubauen.

„In Kombination mit Rábas industrieller Tradition und der strategischen Unterstützung der 4iG Group können wir Produktionskapazität, technologische Kompetenz und Exportpotenzial der ungarischen und europäischen Verteidigungsindustrie deutlich steigern“, erklärte Strnad.

Die Zusammenarbeit umfasst auch ein Exportprogramm für Rába im Wert von rund einer Milliarde Euro, das mittlere taktische Fahrzeuge für internationale Märkte vorsieht.

Perspektive Himars-Systeme

Ungarn prüft derzeit die Anschaffung von Himars-Raketensystemen aus den USA. Nach Angaben von CSG könnten diese künftig auf Tatra-Fahrgestellen des Unternehmens montiert werden, die bei Rába integriert würden.

CSG spricht von einer „bedeutenden Gelegenheit“, die transatlantische industrielle Zusammenarbeit zu vertiefen und die Beteiligung an internationalen Lieferketten auszubauen.

Für die ungarische 4iG Group markiert die Kooperation einen wichtigen Schritt im Ausbau der nationalen Verteidigungsindustrie.

„Die heute angekündigten Vereinbarungen sind der bislang größte Schritt in unserer Verteidigungsindustriestrategie“, erklärte 4iG-Chef Gellért Jászai. Ziel sei es, in Ungarn entwickelte und produzierte Verteidigungstechnologien auch international exportfähig zu machen.

Rasanter Aufstieg von CSG

CSG zählt inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Rüstungskonzernen Europas. Beim Börsengang im Januar an der Euronext in Amsterdam erreichte das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von rund 32 Milliarden Euro und wurde damit zum wertvollsten Unternehmen Tschechiens.

Das Vermögen von Firmenchef Michal Strnad schätzt Bloomberg auf etwa 37 Milliarden Dollar. Damit gehört er zu den reichsten Unternehmern unter 40 Jahren weltweit.

Politische und wirtschaftliche Verflechtungen

Die Kooperation bringt die tschechische und ungarische Rüstungsindustrie enger zusammen. Ungarn ist bereits am tschechischen Flugzeughersteller Aero Vodochody beteiligt.

Kritiker sehen die ungarische Technologiegruppe 4iG jedoch seit Jahren in enger Verbindung mit der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán. Investigativjournalisten und unabhängige Medien beschreiben das Unternehmen als stark von staatlicher Unterstützung geprägt.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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