Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheit vorerst nicht weiter gesenkt. Der geldpolitische Ausschuss beschloss am 12. März, den einwöchigen Repo-Satz bei 37 Prozent zu belassen.
Noch wenige Tage zuvor hatten viele Marktteilnehmer eine Zinssenkung erwartet. Doch die Eskalation im Nahen Osten veränderte die Einschätzung der Investoren abrupt. Steigende Energiepreise und eine sinkende Risikobereitschaft an den internationalen Finanzmärkten erhöhten den Druck auf die türkische Geldpolitik.
In ihrer Erklärung verwies die Zentralbank darauf, dass die geopolitischen Entwicklungen neue Unsicherheiten für Inflation und Wirtschaftswachstum geschaffen hätten.
Straffere Geldpolitik durch die Hintertür
Parallel zu der Entscheidung setzte die Notenbank mehrere technische Maßnahmen ein, um die Finanzierungskosten im Bankensystem effektiv zu erhöhen.
Bereits Anfang März wurden die regulären Repo-Auktionen ausgesetzt – ein Instrument, das die Zentralbank gelegentlich nutzt, um Banken stärker auf kurzfristige Kreditfazilitäten zu verweisen. Dadurch stieg der durchschnittliche Refinanzierungssatz der Banken zeitweise auf rund 40 Prozent.
Der Zinskorridor der Zentralbank blieb ebenfalls unverändert. Der Übernachtzinssatz liegt weiterhin bei 40 Prozent, während der Einlagensatz bei 35,5 Prozent verharrt. Im Extremfall könnte die Notenbank Banken auch auf das sogenannte späte Liquiditätsfenster verweisen, bei dem der Zinssatz noch höher liegt.
Milliarden zur Stabilisierung der Lira
Um Turbulenzen am Devisenmarkt einzudämmen, griff die Zentralbank zudem massiv in den Markt ein. Schätzungen zufolge verkaufte sie zwischen dem 2. und 10. März rund 22 Milliarden Dollar aus ihren Reserven.


Tweets: Die Interventionen schlagen sich mit einem Tag Verzögerung im Kontostand der Zentralbank nieder. Daten deuten auf eine starke Devisennachfrage am ersten Handelstag (Montag, 2. März) und am letzten Handelstag der ersten Interventionswoche (Freitag, 6. März) hin.
Die Interventionen folgten auf deutliche Kapitalabflüsse: Allein in den Tagen nach Beginn der geopolitischen Eskalation zogen Investoren mehr als acht Milliarden Dollar aus türkischen Finanzanlagen ab.
Trotzdem blieb die Landeswährung relativ stabil. Der Dollar verteuerte sich gegenüber der Lira nur moderat und bewegte sich zuletzt um die Marke von 44 Lira.
Auch die Risikoprämien für türkische Staatsanleihen blieben vergleichsweise ruhig. Die sogenannten Credit Default Swaps stabilisierten sich bei rund 250 Basispunkten.
Inflation bleibt hoch
Parallel dazu verharrt die Inflation weiterhin auf hohem Niveau. Laut Statistikamt stiegen die Verbraucherpreise im Februar um mehr als 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders stark wirken sich steigende Energiepreise aus. Der Anstieg der Kraftstoffpreise beschleunigte sich zuletzt deutlich.
Um die Belastung für Verbraucher zu begrenzen, reaktivierte die Regierung einen Steuermechanismus für Kraftstoffe. Ein Großteil der Preiserhöhungen wird dadurch zunächst über eine Reduzierung der Verbrauchssteuer abgefedert.
Dieser Spielraum ist allerdings begrenzt: Sollte der Ölpreis weiter steigen, könnten Preisanstiege bald vollständig an Verbraucher weitergegeben werden.
Zinspolitik bleibt unsicher
Der weitere Kurs der Geldpolitik hängt stark von der Entwicklung der Energiepreise und der geopolitischen Lage ab.
Die nächste Zinssitzung der Zentralbank ist für den 22. April angesetzt. Sollte sich die Lage stabilisieren, könnte die Notenbank ihren Zinssenkungspfad wieder aufnehmen. Bleibt die Unsicherheit hoch, ist auch eine erneute Straffung der Geldpolitik nicht ausgeschlossen.
Schon jetzt rechnen viele Ökonomen damit, dass die Inflation in diesem Jahr deutlich über den bisherigen Prognosen liegen wird.

