Chinas Einfluss in Zentralasien wächst – nicht durch Militärbasen, sondern durch Kredite. Während sich die Staaten der Region zunehmend in Pekings wirtschaftlichem Orbit bewegen, präsentiert sich China als zentraler Kapitalgeber für Infrastruktur und Entwicklung. Der Internationale Schuldenbericht (IDR) der Weltbank vom Dezember 2025 betont, dass hohe Schulden Risiken bergen, zugleich aber langfristiges Wachstum ermöglichen können – sofern die Mittel produktiv eingesetzt werden. Genau hier setzt Peking an.

Über die Export-Import-Bank Chinas und Projekte der Neuen Seidenstraße ist das Land zum wichtigsten bilateralen Gläubiger mehrerer zentralasiatischer Staaten aufgestiegen. Anders als bei kurzfristiger Budgethilfe fließen die Kredite überwiegend in konkrete Infrastrukturprojekte: Autobahnen, Eisenbahnkorridore, Kraftwerke, Pipelines. Sie schließen Lücken, die seit dem Zerfall der Sowjetunion Handel und industrielle Entwicklung behindert haben – und binden die Region enger an chinesische Lieferketten.

In Kirgisistan und Tadschikistan verbesserten chinesisch finanzierte Projekte die Verkehrsanbindung und reduzierten Stromengpässe. Zugleich entstehen neue wirtschaftliche Abhängigkeiten. Binnenstaaten werden stärker in eurasische Handelsachsen integriert – mit China als zentralem Knotenpunkt.

Kirgisistan und Tadschikistan: Hohe Schulden, hohe Abhängigkeit

Kirgisistans Auslandsschulden beliefen sich Ende 2025 auf rund 55 bis 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein erheblicher Anteil entfällt auf die chinesische Exim-Bank. Der Schuldendienst verschlingt bereits bis zu ein Fünftel der Staatseinnahmen. Da viele Verbindlichkeiten in Fremdwährung denominiert sind, erhöhen Währungsabwertungen die Rückzahlungslast zusätzlich.

Tadschikistan ist ähnlich exponiert. Die Auslandsverschuldung liegt bei knapp 50 Prozent des BIP, mehr als die Hälfte davon gegenüber China. Hinzu kommt eine 2017 begebene Euroanleihe über 500 Millionen US-Dollar zur Finanzierung des Rogun-Wasserkraftwerks. Mit dem Heranrücken der Fälligkeit in den frühen 2030er-Jahren wächst der Refinanzierungsdruck. Schon jetzt fließt rund ein Fünftel der Staatseinnahmen in den Schuldendienst.

Usbekistan und Kasachstan: Diversifizierter, aber nicht unabhängig

Usbekistan hat seine staatlich garantierte Auslandsverschuldung seit 2017 deutlich ausgeweitet. Zwar ist die Gläubigerbasis breiter als in Kirgisistan oder Tadschikistan, doch auch hier spielen chinesische Banken eine Schlüsselrolle – insbesondere in Energie-, Chemie- und Transportprojekten. Mit dem Auslaufen von Nachfristen steigen die Tilgungszahlungen spürbar.

Kasachstan steht fiskalisch vergleichsweise stabil da. Die öffentliche Auslandsverschuldung liegt unter 25 Prozent des BIP. Allerdings weisen staatliche Unternehmen erhebliche externe Verbindlichkeiten auf, darunter auch gegenüber chinesischen Kreditgebern. Im Falle wirtschaftlicher Turbulenzen könnten diese Risiken auf den Staat übergehen.

Turkmenistan wiederum bleibt ein Sonderfall. Verlässliche Daten sind rar. Bekannt ist jedoch, dass chinesische Kredite maßgeblich die Gasinfrastruktur finanziert haben. Da China zugleich wichtigster Abnehmer turkmenischen Gases ist, entsteht eine doppelte wirtschaftliche Abhängigkeit – als Kreditgeber und als Markt.

In der gesamten Region wachsen die Schulden schneller als Wirtschaftsleistung und Staatseinnahmen. Ein steigender Anteil der Haushalte fließt in den Schuldendienst – zulasten von Sozialausgaben, Bildung oder Klimaanpassung. Pekings Engagement hat unbestreitbar Infrastruktur geschaffen. Doch mit jedem Kredit vertieft sich die finanzielle Verflechtung.

Ob diese Beziehung langfristig Stabilität bringt oder neue Verwundbarkeiten schafft, wird sich erst zeigen. Für Länder wie Kirgisistan und Tadschikistan ist China längst nicht mehr nur Entwicklungspartner, sondern zentrale Säule der Staatsfinanzierung. Erfahrungen aus Sri Lanka oder Laos mahnen zur Vorsicht: Infrastrukturprojekte können Wachstum bringen – aber auch politische und wirtschaftliche Abhängigkeit.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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