Indien intensiviert seine Diplomatie in Zentralasien – nicht aus bloßer Höflichkeit, sondern aus strategischem Kalkül. Während die Staaten der Region ihre Beziehungen zu Pakistan ausbauen und neue Handelsrouten Richtung Arabisches Meer ins Auge fassen, versucht Neu-Delhi, seinen Einfluss zu sichern und wirtschaftlich Schritt zu halten.
Der Handel zwischen Indien und den fünf zentralasiatischen Republiken erreichte 2025 zwar knapp 2,5 Milliarden US-Dollar und lag damit deutlich über dem Niveau Pakistans. Doch in Neu-Delhi wächst die Sorge, dass Islamabad seinen geografischen Vorteil ausspielen könnte: Zentralasien sucht seit Jahren nach besseren Zugängen zu Seehäfen – und Pakistan kann genau das bieten.
Neue Konkurrenz um Zentralasien
In den vergangenen Wochen hat Indien seine Kontakte in der Region sichtbar verdichtet. Vertreter aus Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan führten Gespräche mit indischen Beamten, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit über klassische Bereiche wie Energie und Pharma hinaus auszuweiten.
Besonders wichtig dürfte dabei Usbekistan werden. In Taschkent soll im April die gemeinsame Regierungskommission für Handel tagen. Schon jetzt laufen Vorbereitungen für Wirtschaftsforen in Taschkent und Samarkand, die neue Projekte anschieben sollen.
Auch in Turkmenistan bemüht sich Indien um eine breitere Agenda. Neben Energiefragen geht es dort inzwischen auch um Chemie, Düngemittel, Transport und Telekommunikation. Dahinter steht nicht zuletzt die Hoffnung, dass die seit langem diskutierte TAPI-Pipeline doch noch Realität werden könnte – jene Verbindung, die turkmenisches Gas über Afghanistan nach Pakistan und Indien bringen soll.
Energie, Strom, Uran
Parallel dazu sondiert Indien neue Partnerschaften im Stromsektor. Mit Tadschikistan und Kirgisistan spricht Neu-Delhi über Kooperationen bei Energie und Netzinfrastruktur. In Tadschikistan könnte der indische Konzern Tata Power beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Modernisierung des Stromnetzes eine Rolle spielen.
Kirgisistan wiederum hofft auf indisches Interesse am Projekt Casa-1000. Die seit Jahren geplante Stromverbindung soll Elektrizität aus Zentralasien nach Afghanistan, Pakistan und perspektivisch auch nach Indien transportieren.
Von besonderem Gewicht ist zudem Kasachstan. Das Land ist bereits heute einer der wichtigsten Partner Indiens in Zentralasien. Nun steht ein mögliches Großgeschäft über Uranlieferungen im Raum, das ein Volumen von mehr als drei Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Sollte das Abkommen zustande kommen, wäre das nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern auch ein strategisches Signal.
Pakistan wird zum Faktor
Hinter Indiens neuer Aktivität steht vor allem ein geopolitischer Impuls: Pakistan rückt für Zentralasien als Transitland und Handelspartner stärker in den Fokus. In den vergangenen Monaten reisten die Präsidenten Kasachstans, Kirgisistans und Usbekistans nach Islamabad. Usbekistan will seinen Handel mit Pakistan bis 2030 sogar massiv ausbauen.
Für die Staaten Zentralasiens ist das mehr als Symbolpolitik. Der Zugang zu pakistanischen Häfen könnte der Region neue Handelswege eröffnen und die Abhängigkeit von bestehenden Transitkorridoren verringern.
Indien sieht deshalb zu, dass aus geografischer Nähe kein strategischer Vorsprung Pakistans wird. Neu-Delhi versucht, mit Diplomatie, Energieprojekten und Investitionszusagen gegenzuhalten. Der Wettbewerb um Zentralasien hat damit eine neue Phase erreicht.
