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Indien und Usbekistan: Neue Annäherung im Herzen Asiens
"Steppe Ahead" · 09.06.2025

Indien und Usbekistan: Neue Annäherung im Herzen Asiens

Indiens Exporte nach Usbekistan stiegen 2024 auf über 477 Millionen US-Dollar – ein Rekordwert.


Thorsten Gutmann Zentralasien

Kolumne Steppe Ahead

Autor: Thorsten Gutmann


Im Mai 2025 richtete Usbekistan einen klaren Appell an Indien: Es sei an der Zeit, die lange vernachlässigte Zentralasienpolitik neu zu beleben. Auf dem Termez Dialogue – einem neuen multilateralen Forum mit über 200 Teilnehmern – forderte Taschkent sichtbares indisches Engagement. Während China mit Infrastrukturausbau Fakten schafft und Russland seinen historischen Einfluss pflegt, bleibt Indiens Rolle bislang begrenzt.

Doch es gibt Bewegung.

Vertrauensbildung auf rechtlicher Grundlage

Bereits im Herbst 2024 legten Indien und Usbekistan ein wichtiges Fundament: Mit dem bilateralen Investitionsschutzabkommen (BIT), das am 27. September in Taschkent unterzeichnet wurde, sichern sich beide Staaten gegenseitige Investitionsgarantien zu. Das Abkommen schützt vor Enteignung, garantiert transparente Verfahren und erlaubt Streitbeilegung über internationale Schiedsstellen. Es gilt als vertrauensbildende Maßnahme – nicht nur zwischen den Regierungen, sondern auch gegenüber der Privatwirtschaft.

Handelsdaten mit neuer Dynamik

Auch wirtschaftlich intensiviert sich die Beziehung. Laut UN COMTRADE-Daten stiegen Indiens Exporte nach Usbekistan 2024 auf über 477 Millionen US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders gefragt sind pharmazeutische Produkte, Fahrzeuge, Fleischwaren, Maschinen und Nahrungsmittel. Die Investitionssumme indischer Unternehmen in Usbekistan liegt bei über 60 Millionen US-Dollar, vor allem in IT, Bildung, Logistik und Gesundheitswirtschaft.

Kultur als strategisches Bindeglied

Indien genießt in Usbekistan eine kulturelle Präsenz, die weit über ökonomische Interessen hinausreicht. Bollywood-Filme, Yoga, klassische Musik und Ayurveda sind aus dem öffentlichen Leben nicht wegzudenken. Das Lal Bahadur Shastri Centre for Indian Culture in Taschkent erreicht jährlich tausende Menschen. Hindi wird an Schulen unterrichtet. Kultur wird hier zur geopolitischen Ressource.

Gemeinsame Interessen – und Sicherheitsfragen

In multilateralen Foren wie der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), bei BRICS oder im India-Central Asia Dialogue arbeiten beide Länder eng zusammen. Auch sicherheitspolitisch zeigen Formate wie das Militärmanöver „DUSTLIK“ wachsende Kooperationsbereitschaft – insbesondere mit Blick auf Afghanistan und regionale Stabilität.

Fazit: Usbekistan als Zukunftsmarkt – wenn Indien es will

Indien beginnt, sich klarer in Zentralasien zu positionieren – nicht durch große Gesten, sondern durch konkrete Maßnahmen. Mit rechtlich stabilen Rahmenbedingungen, wachsendem Handel und kultureller Soft Power entstehen Voraussetzungen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Usbekistan bietet dabei mehr als günstige Bedingungen. Das Land ist strategisch gelegen, reformbereit und offen für Kooperation. Für Indien ergibt sich hier die Chance, langfristig wirtschaftlich und geopolitisch Fuß zu fassen – in einer Region, die zunehmend zum Schauplatz globaler Einflussnahme wird.

Ob Delhi diese Chance nutzt, hängt nicht von symbolischen Gesten ab, sondern von der Bereitschaft, Zentralasien als echten Zukunftsmarkt und außenpolitischen Raum mit Eigenwert zu begreifen.

Quellen:

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Thorsten Gutmann
Der Autor
Thorsten Gutmann

Autor bei ostwirtschaft.de und Steppe Ahead. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Zentralasien.

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