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Kasachstans neue Investorenlandschaft: Russland im Aufwind, Europa im Schatten und neue Signale aus Asien
"Steppe Ahead" · 27.05.2025

Kasachstans neue Investorenlandschaft: Russland im Aufwind, Europa im Schatten und neue Signale aus Asien

Deutschland, einst Hoffnungsträger als Technologiepartner Kasachstans, investiert aktuell nur rund 500 Millionen Euro in Direktinvestitionen.


Thorsten Gutmann Zentralasien

Kolumne Steppe Ahead

Autor: Thorsten Gutmann


Wenn es um Zentralasien geht, denken viele an Energie, Geopolitik und strategische Transitkorridore. Doch wer heute in Kasachstan investiert – und wer es lässt – sagt mehr über die Weltlage aus als so manche Gipfelerklärungen. 2024 zeigt: Russland ist zurück, China agiert vorsichtig, die USA bleiben fokussiert – und Europa verliert an Gewicht.

Russland: Rückkehr als Investitionsmacht

Mit 4,05 Milliarden US-Dollar und einem Anteil von 23,6 % an allen ausländischen Direktinvestitionen ist Russland 2024 der größte Einzelinvestor in Kasachstan. Das ist bemerkenswert: Noch vor wenigen Jahren stagnierte der russische Anteil. Jetzt aber investieren russische Unternehmen verstärkt in Transportinfrastruktur, Energie, Industrie und Banken.

Warum? Moskau verfolgt eine Doppelstrategie:

Mit Blick auf westliche Investitionszurückhaltung nach dem Ukraine-Krieg nutzt Russland das entstandene Vakuum – strategisch und entschlossen.

USA: Konstant, aber selektiv


Die USA zählen weiterhin zu den bedeutendsten Investoren – vor allem im Energiesektor. Die US-Firma Chevron bleibt Hauptakteur im Joint Venture Tengizchevroil, das das Tengiz-Ölfeld erschließt – eines der größten der Welt.

Doch anders als Russland oder China agieren die Amerikaner punktuell und strategisch, nicht breitflächig. Sie konzentrieren sich auf:

Die USA bleiben präsent – aber sie erweitern ihr Engagement nicht im selben Tempo wie Russland oder China.

China: Viel Symbolik, weniger Kapital

China ist in Kasachstan allgegenwärtig – politisch, rhetorisch, infrastrukturell. Doch bei den Investitionen bleibt Peking zurückhaltend: Nur 4,3 % der ausländischen Direktinvestitionen kamen 2023 aus China.

Gründe für das vorsichtige Vorgehen:

Fazit: Chinas Präsenz ist größer als es die Zahlen vermuten lassen – aber sie ist anders strukturiert: weniger Kapitalbeteiligungen, mehr Infrastrukturkredite und Einfluss über Staatsunternehmen.

Deutschland: Erstaunlich schwache Bilanz

Deutschland, einst Hoffnungsträger als Technologiepartner Kasachstans, spielt bei den Direktinvestitionen eine untergeordnete Rolle. Laut GTAI liegt der Bestand deutscher Investitionen bei nur 536 Millionen Euro – das entspricht nicht einmal 0,5 % der Gesamtsumme.

Warum?

Während deutsche Exporte nach Kasachstan zulegen, bleibt das Kapital zögerlich. Ein Widerspruch – und eine verpasste Chance.

Ein neuer Trend: Investitionen in Verarbeitung statt Rohstoffe

Ein Lichtblick für alle Beteiligten: Kasachstan setzt 2024 verstärkt auf Industrialisierung und Diversifizierung. Laut EY wurden 49 neue Investitionsprojekte gestartet – davon viele in:

Dieser Shift weg vom reinen Rohstoffexport hin zu lokaler Wertschöpfung könnte für europäische Unternehmen, insbesondere aus Deutschland, die echte Chance zur Rückkehr auf die Investorenbühne sein.

Fazit: Die Geopolitik spricht Kasachisch

2024 zeigt: Kasachstan ist kein „Rohstoffland“ mehr, sondern ein geopolitisches Scharnier mit wachsendem Selbstbewusstsein.

Wer die wirtschaftliche Zukunft Zentralasiens gestalten will, sollte nicht auf die Karte schauen, sondern auf die Kapitalflüsse.
Und vielleicht auch auf die nächste Einladung zu einem kasachischen Investitionsforum.

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Thorsten Gutmann
Der Autor
Thorsten Gutmann

Autor bei ostwirtschaft.de und Steppe Ahead. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Zentralasien.

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