Aserbaidschan treibt den Ausbau sowohl fossiler Energieträger als auch erneuerbarer Energien voran, um seine Position als verlässlicher Energielieferant für Europa und aufstrebende Märkte weiter zu stärken. Das erklärte Energieminister Parviz Shahbazov auf dem 31. Baku Energy Forum.
In mehreren Diskussionsrunden stellte Shahbazov eine umfassende Strategie vor, die neue Förderprojekte, internationale Stromkorridore und Energiepartnerschaften von Südostasien bis Nordafrika umfasst. Angesichts anhaltender Unsicherheiten auf den globalen Energiemärkten gewinne Versorgungssicherheit zunehmend an Bedeutung.
Wachsende Bedeutung für Europas Energieversorgung
Nach Angaben des Ministers deckte Aserbaidschan im vergangenen Jahr 8,1% der Pipelinegasimporte der Europäischen Union ab. Zusammen exportierte das Land im Jahr 2025 und in den ersten vier Monaten 2026 rund 16,7 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa sowie 12,8 Milliarden Kubikmeter in die Türkei. Weitere 3,3 Milliarden Kubikmeter gingen nach Georgien und 800 Millionen Kubikmeter nach Syrien.
Insgesamt liefert Aserbaidschan inzwischen Öl in mehr als 20 Länder und Erdgas in 16 Staaten. Diese breite geografische Präsenz mache das Land zu einem der bedeutendsten Pipeline-Energieexporteure weltweit, so Shahbazov.
Die aktuellen Störungen auf wichtigen internationalen Energierouten hätten die strategische Rolle Aserbaidschans zusätzlich gestärkt. Das Kaspische Meer entwickle sich zunehmend zu einem zentralen Energiekorridor zwischen Asien und Europa.
Neue Förderprojekte und Ausbau der Gasproduktion
Im Bereich der fossilen Energieträger hat die Förderung aus dem Begleitgasprojekt im Azeri-Chirag-Gunashli-Feld (ACG) bereits begonnen. Das Karabach-Ölfeld soll 2027 in Betrieb gehen. Weitere Großprojekte, darunter die vollständige Entwicklung des Absheron-Gasfeldes, Shah Deniz Phase 3, Umid Phase 2 und das Babek-Gasfeld, sind für die kommenden Jahre geplant.
Parallel dazu baut der staatliche Energiekonzern SOCAR seine Aktivitäten im Nahen Osten, in Zentralasien und Afrika aus, um die langfristige Versorgungssicherheit und Marktpräsenz des Landes zu stärken.
Shahbazov warnte zudem vor möglichen Auswirkungen neuer EU-Vorschriften zu Methanemissionen. Diese könnten nach seiner Einschätzung einen erheblichen Teil der weltweiten Öl- und Gasproduktion vor regulatorische Herausforderungen stellen und damit das Risiko von Versorgungsengpässen erhöhen.
Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien
Gleichzeitig verfolgt Aserbaidschan ambitionierte Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien. Bis 2035 soll deren Anteil an der installierten Stromerzeugungskapazität auf rund 43% steigen.
Geplant ist der Aufbau von insgesamt 8 Gigawatt neuer Kapazitäten aus erneuerbaren Energien bis 2032. Davon sollen bereits bis Ende kommenden Jahres 2 Gigawatt in das nationale Stromnetz integriert werden.
Darüber hinaus arbeitet das Land an mehreren internationalen Stromverbindungen. Die Machbarkeitsstudie für den Grünen Energiekorridor zwischen dem Kaspischen Meer, dem Schwarzen Meer und Europa soll noch im Juli abgeschlossen werden. Das Projekt könnte ab 2032 schrittweise bis zu 3,9 Gigawatt Strom nach Europa transportieren.
Ein weiterer Energiekorridor zwischen Zentralasien und Aserbaidschan wird von der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) und der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) unterstützt. Die entsprechende Machbarkeitsstudie soll 2027 vorliegen.
Neue Energiepartnerschaften außerhalb Europas
Neben Europa intensiviert Aserbaidschan auch seine Energiekooperationen mit den D-8-Staaten, einem Zusammenschluss großer Entwicklungsländer.
Zwischen 2022 und 2025 lieferte SOCAR rund 2,5 Millionen Tonnen Rohöl nach Indonesien. Darüber hinaus besteht seit dem vergangenen Jahr ein dreijähriger LNG-Liefervertrag mit der ägyptischen Egyptian General Petroleum Corporation (EGPC). Im Rahmen dieser Vereinbarung wurden bislang mehr als 1,3 Millionen Tonnen Flüssigerdgas nach Ägypten geliefert.
Auch die Verhandlungen über LNG-Lieferungen nach Bangladesch wurden inzwischen abgeschlossen. Darüber hinaus sieht Baku weiteres Potenzial für Kooperationen mit Malaysia im Technologiebereich sowie mit Nigeria als bedeutendem Erdgasproduzenten.

