Die Zentralbank Aserbaidschans hat ihre Prognose für das BIP-Wachstum im Jahr 2026 deutlich gesenkt. Statt der im Februar erwarteten 2,4 Prozent rechnet sie nun nur noch mit einem Wachstum von 1,1 Prozent. Gleichzeitig hob sie ihre Prognose für den Leistungsbilanzüberschuss fast auf das Doppelte an – von zuvor 2,8 bis 3,0 Milliarden US-Dollar auf nun 5,5 Milliarden US-Dollar. Das erklärte Zentralbankchef Taleh Kazimov am 7. Mai.
Die niedrigere Wachstumsprognose spiegelt die Folgen erhöhter globaler Unsicherheit für Handel und Lieferketten wider. Gleichzeitig profitiert Aserbaidschan bei seinen Rohstoffexporten von höheren Preisen. Die schwächere Dynamik im Nicht-Öl-Sektor deutet jedoch auf eine nachlassende Binnennachfrage hin. Die Zentralbank reagiert darauf bislang nicht mit einer lockereren Geldpolitik, da weiterhin Inflationsrisiken bestehen.
Schwächeres Wachstum außerhalb des Ölsektors
Für den Nicht-Öl- und Gassektor erwartet die Zentralbank 2026 nun ein Wachstum von 3,2 Prozent. Im Februar hatte die Prognose noch bei 4,0 Prozent gelegen. Für 2027 rechnet die CBA dagegen mit einer leichten Verbesserung: Das gesamte BIP soll um 3,2 Prozent wachsen, der Nicht-Öl-Sektor um 4,7 Prozent. Zuvor hatte die Bank 2,9 Prozent beziehungsweise 4,3 Prozent erwartet.
Die unterschiedlichen Prognosen zeigen ein gemischtes Bild: Außenwirtschaftlich steht Aserbaidschan stärker da als zuvor angenommen, während die inländische Wirtschaftsdynamik schwächer ausfällt.
Leistungsbilanz profitiert von höheren Energiepreisen
Die bessere Leistungsbilanzprognose beruht vor allem auf einer starken Außenhandelsposition. Im ersten Quartal 2026 erzielte Aserbaidschan laut Zollstatistik einen Handelsüberschuss von 1,4 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 93,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch für 2027 hob die Zentralbank ihre Prognose an. Sie erwartet nun einen Leistungsbilanzüberschuss von 4,4 Milliarden US-Dollar, nach zuvor 2,7 bis 2,8 Milliarden US-Dollar.
Die neuen Annahmen zu Öl- und Gaspreisen liegen deutlich über den Schätzungen vom Februar. Die CBA rechnet nun mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 84,5 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2026 und 78 US-Dollar im Jahr 2027. Zuvor hatte sie für beide Jahre 65 US-Dollar angesetzt. Beim Erdgas erwartet die Bank 324 US-Dollar je 1.000 Kubikmeter im Jahr 2026 und 290 US-Dollar im Jahr 2027, nach zuvor 269 beziehungsweise 254 US-Dollar.
Die Devisenreserven stiegen in den ersten vier Monaten des Jahres um 10,2 Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar. Grund dafür waren der Überschuss am Devisenmarkt und Kaufinterventionen der Zentralbank im April.

