Aserbaidschan senkt die Prognose fürs Nicht-Öl-Wachstum auf 3,1%
Aserbaidschans Finanzministerium senkt die Wachstumsprognose für das Nicht-Öl-und-Gas-BIP 2026 von 5,0% auf 3,1%. Gleichzeitig hebt es die Inflationsprognose von 4,8% auf 5,7% an. Beide Korrekturen stehen im Halbjahresbericht zur Haushaltsausführung, den das Ministerium am 18. August veröffentlichte.
Das Gesamtwachstum bleibt unverändert bei 1,7%. Das BIP soll 2026 auf 138,0 Mrd. Manat steigen, rund 81 Mrd. US-Dollar. Auf den Nicht-Ölsektor entfallen davon 100,0 Mrd. Manat.
Bau und Tourismus bremsen
„Die relativ geringeren Wachstumsraten im Bau- und Tourismussektor haben die Prognosen für den Nicht-Öl- und Gassektor insgesamt beeinflusst“, heißt es im Bericht des Finanzministeriums. Nominal liegt die neue Prognose für den Nicht-Ölsektor 1,7 Mrd. Manat unter der alten.
Die Inflationskorrektur folgt den Ist-Zahlen. Von Januar bis Juli 2026 stiegen die Verbraucherpreise um 5,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, meldet das State Statistical Committee, Aserbaidschans Statistikamt. Lebensmittel, Getränke und Tabak verteuerten sich um 6,7%, Nichtlebensmittel um 3,8%, Dienstleistungen um 5,7%.
Damit läuft die Teuerung am oberen Rand des Zielkorridors der Zentralbank von 4% plus/minus 2 Punkten. Als Treiber nennt das Ministerium die globalen Rohstoff- und Lebensmittelpreise, deren Wirkung auf die Importpreise sowie Änderungen bei regulierten Tarifen.
Der Haushalt bleibt komfortabel
Die Einnahmen des Staatshaushalts sollen 39,365 Mrd. Manat erreichen, 2% mehr als im beschlossenen Plan. Die Staatsverschuldung sieht das Ministerium zum Jahresende bei 27,6 Mrd. Manat. Die staatliche Auslandsverschuldung sank um 7,5%. Die strategischen Währungsreserven nähern sich 87 Mrd. US-Dollar.
Für deutsche Unternehmen verschiebt sich die Nachfragestruktur. Die Energieseite läuft: Von Januar bis Juli 2026 lieferte Aserbaidschan 360.300 Tonnen Rohöl und Ölprodukte im Wert von 210,9 Mio. US-Dollar nach Deutschland, meldet das State Customs Committee, die aserbaidschanische Zollbehörde. Seit Anfang 2026 fließt zudem aserbaidschanisches Gas direkt nach Deutschland und Österreich.
Schwächer wird es dort, wo deutsche Zulieferer sonst verdienen. Bau und Tourismus tragen die Korrektur. Wer Baumaschinen, Baustoffe oder Hotelausstattung nach Aserbaidschan verkauft, sollte die Absatzplanung für 2027 nach unten anpassen. Die Aufträge kommen weiter überwiegend aus staatlichen Infrastrukturprogrammen, nicht aus privater Investition.
Quellen: APA-Economics (EN), AzerNews (EN), State Statistical Committee (EN/AZ), State Customs Committee (EN/AZ)
SK, Frankfurt