4,8 Mrd. US-Dollar beim KGIR: Kasachstans Investitionsgipfel schrumpft um ein Drittel
Beim Investitionsforum KGIR in Schymkent unterzeichnete Kasachstan 22 Abkommen über 4,8 Mrd. US-Dollar, ein Drittel weniger als 2025.
Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“
22 Dokumente über 4,8 Mrd. US-Dollar: So lautet die Bilanz des 9. Kazakhstan Global Investment Roundtable (KGIR) vom 22. Oktober in Schymkent. Beim Vorgängerforum 2025 in Astana kamen laut der englischsprachigen kasachischen Zeitung Astana Times noch 49 Abkommen über 7,5 Mrd. US-Dollar zusammen. Das Volumen sank damit um 36 %, die Zahl der Abschlüsse um mehr als die Hälfte. Die Regierung wirbt trotzdem für einen neuen Investitionszyklus jenseits des Öls. Das Forum fand erstmals in der südkasachischen Millionenstadt Schymkent statt, bisher tagte es in der Hauptstadt.
Windkraft, Hafen Kuryk, Rechenzentrum: die größten Posten
Mehr als 500 Investoren aus über 40 Ländern kamen laut dem Pressedienst der kasachischen Regierung nach Schymkent, darunter Boeing-Chef Kelly Ortberg, Masdar-Chef Mohamed Jameel Al Ramahi und der Präsident der Islamischen Entwicklungsbank, Muhammad Al Jasser. Größter verbindlicher Abschluss ist ein Investitionsabkommen über 730 Mio. US-Dollar. Das Energieministerium und Turan Wind Energy wollen damit ein Windkraftwerk mit 1.000 MW Leistung und Energiespeicher im Gebiet Kostanai bauen. Dazu kommen 249,6 Mio. US-Dollar für ein intelligentes Straßenüberwachungssystem der Firma Freedom Lab und 150 Mio. US-Dollar für ein Glasbehälterwerk in Aktobe.
Die größten Summen stehen allerdings in Absichtserklärungen. Die Staatsholding Baiterek und die chinesische Guoyou Materials Group planen für 1 Mrd. US-Dollar ein Mehrzweckterminal im Kaspi-Hafen Kuryk, einem Knoten des Middle Corridor. Ein Netz aus 20 inklusiven Schulen soll ebenfalls 1 Mrd. US-Dollar kosten. Shoval Kazakhstan will für 650 Mio. US-Dollar eine internationale Medizinstadt errichten. Amsa Digital plant für 500 Mio. US-Dollar ein Rechenzentrum mit 250 MW im Data Center Valley bei Ekibastus. Kleinere Memoranden betreffen einen Fleischcluster über 111,1 Mio. US-Dollar und einen Universitätscampus der Coventry University in Astana über 40,8 Mio. US-Dollar. Ministerpräsident Olschas Bektenow erklärte laut Pressedienst: „Kasachstan bleibt ein offenes und berechenbares Land für langfristige Investitionen.“
Investitionswerbung gegen das Ölminus
Das Forum fällt in eine Phase sinkender Ölförderung. Von Januar bis September förderte Kasachstan 69,4 Mio. Tonnen Öl, 8,3 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Das berichtete die kasachische Wirtschaftszeitung Kursiv unter Berufung auf Vize-Energieminister Jerlan Akbarow. Am größten Feld Tengiz betrug das Minus rund 12 %, am Feld Karatschaganak rund 18 %. Die Regierung stellt deshalb andere Branchen in den Vordergrund. Bektenow nannte verarbeitende Industrie, Chemie, Agrarverarbeitung, Transportmaschinenbau und IT-Infrastruktur als Prioritäten des Investitionskonzepts bis 2030. Zum Umfeld verwies er auf über 300 Mrd. US-Dollar Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 und 6,5 % Wachstum.
Als Beleg für Investorenvertrauen führte Bektenow Bestandszahlen an. Seit der Unabhängigkeit flossen demnach fast 500 Mrd. US-Dollar an Direktinvestitionen ins Land, davon über 100 Mrd. US-Dollar in den letzten fünf Jahren. Die Ratingagentur S&P hob die Bonität laut Regierung erstmals seit einem Jahrzehnt an, auf „BBB“ mit stabilem Ausblick. Im Global Investment Risk and Resilience Index stieg Kasachstan laut Bektenow um 17 Plätze auf Rang 53. Die kasachische Nachrichtenagentur Kazakhstan Today verweist zudem auf laufende Projekte internationaler Konzerne: Carlsberg eröffnete am 1. Oktober zusammen mit PepsiCo ein Getränkewerk für 344 Mio. US-Dollar bei Almaty, mit 230 festen Stellen. Stadler Rail fertigt Waggons in Astana, Mars baut ein Tiernahrungswerk, Air Liquide steigt in die Wasserstoffproduktion ein.
Viele Memoranden, wenig Verbindliches
Der Bilanz fehlt Bindungskraft. Von den aufgeschlüsselten Abschlüssen entfallen über 3,3 Mrd. US-Dollar auf Memoranden und ein Rahmenabkommen. Als verbindliche Investitionsabkommen weist die Regierung nur rund 1,1 Mrd. US-Dollar aus. Ob aus den Absichtserklärungen finanzierte Projekte werden, bleibt offen. Eine Umsetzungsquote früherer KGIR-Zusagen nennt die Regierung nicht. Auch in der Zahlungsbilanz wird sich erst in Jahren zeigen, wie viel Kapital tatsächlich fließt. Als Schaufenster dienen derweil zwei Großvorhaben: das Data Center Valley bei Ekibastus und die geplante Hightech-Stadt Alatau City, für die Bektenow in Schymkent gezielt Investoren suchte.
Der Rückgang zeigt zugleich den härteren Wettbewerb um Auslandskapital in der Region. Usbekistan meldete vergangene Woche Abkommen mit US-Konzernen über 12 Mrd. US-Dollar. Kasachstan hält mit Planbarkeit dagegen: englisches Recht am Finanzzentrum AIFC, ein Investorenvisum und über 100 Förderinstrumente. An diesem Freitag folgt bereits die nächste Weichenstellung: Die Nationalbank entscheidet über den Leitzins von derzeit 16,25 %.
Quelle: Pressedienst der Regierung Kasachstans, Kazakhstan Today, Astana Times (KGIR-2025), Kursiv, Astana Times (Leitzins) (alle EN)