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Trotz Dürre 19,9 Mio. Tonnen: Kasachstans Getreideernte läuft schneller als im Rekordjahr
"Steppe Ahead" · 30.09.2026

Trotz Dürre 19,9 Mio. Tonnen: Kasachstans Getreideernte läuft schneller als im Rekordjahr

Kasachstan drischt 19,9 Mio. Tonnen Getreide bei erst 83 % der Fläche und kündigt sechs Verarbeitungsprojekte für 4 Mrd. US-Dollar an.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

19,9 Mio. Tonnen Getreide hat Kasachstan bis zum 29. September gedroschen, bei erst 83 % der Fläche. Der Durchschnittsertrag liegt bei 14,7 Dezitonnen je Hektar, trotz eines trockenen Sommers. In früheren Dürrejahren fiel er laut Agrarministerium auf 8 bis 9 Dezitonnen. Zugleich kündigte die Regierung sechs Getreideverarbeitungsprojekte für 4 Mrd. US-Dollar an.

Drusch läuft schneller als im Rekordjahr 2025

Vize-Landwirtschaftsminister Asat Sultanow legte die Zahlen am 29. September in der Regierungssitzung in Astana vor. Das berichtet das kasachische Online-Magazin Wlast. Abgeerntet sind 13,5 Mio. Hektar, das entspricht 83 % der Getreidefläche. „Die Erntearbeiten wurden rechtzeitig begonnen und laufen schneller als im Vorjahr“, sagte Sultanow laut Wlast. Der Vergleich stützt das: Ende September 2025 meldete das Ministerium erst 15,5 Mio. Tonnen von 10,2 Mio. Hektar. Die damalige Saison endete mit einem Rekord von 27,1 Mio. Tonnen. Allein Weizen stand 2025 für 20,3 Mio. Tonnen, rund 500.000 Tonnen mehr als 2024. Der Ertrag lag 2025 bei 17 Dezitonnen je Hektar, in diesem Jahr sind es 14,7. Der Sommer war in wichtigen Anbauregionen deutlich zu trocken. Die Hitze kostet also Ertrag, aber weniger als in früheren Dürrejahren. Das Ministerium erwartet dennoch ein Ergebnis über dem langjährigen Durchschnitt. Die Region Westkasachstan hat den Drusch bereits komplett abgeschlossen. Auch die übrigen Kulturen liefern: 2,9 Mio. Tonnen Gemüse, 2,5 Mio. Tonnen Kartoffeln und 2,3 Mio. Tonnen Melonen sind eingebracht. Dazu kommen 70.500 Tonnen Rohbaumwolle mit einem Ertrag von 32 Dezitonnen je Hektar. Die Läger füllen sich ebenfalls: 4,9 Mio. Tonnen Getreide sind eingelagert, 20 % mehr als vor einem Jahr. Die Kapazität liegt bei 30,5 Mio. Tonnen, davon 13,1 Mio. bei lizenzierten Getreideempfangsstellen und 17,4 Mio. bei den Betrieben selbst. Die Auslastung beträgt damit erst 34 %, ein Engpass wie in früheren Rekordjahren droht vorerst nicht.

4 Mrd. US-Dollar für die Tiefverarbeitung

Die Anbaufläche umfasst in diesem Jahr insgesamt 24,2 Mio. Hektar. Auf Getreide und Leguminosen entfallen davon 15,6 Mio. Hektar. Parallel zur Ernte treibt Astana die Verarbeitung voran. Sechs Großprojekte sollen bis 2029 Kapazitäten für 5,8 Mio. Tonnen Getreide schaffen. Das Investitionsvolumen beziffert das Agrarministerium laut Trend auf 4 Mrd. US-Dollar. Zu den Vorhaben zählen ein Maiswerk von Kazkrakhmal in der Region Türkistan und ein Werk der chinesischen Fufeng Group in der Region Schambyl. Fufeng verarbeitet Mais zu Stärke, Aminosäuren und Futterzusätzen. Fortschritte meldet Sultanow auch beim Zucker: „In der Verarbeitung von Zuckerrüben läuft eine eigene Arbeit. Die Modernisierung des Zuckerwerks Koksu ist abgeschlossen.“ Der Standort Taras soll nach demselben Muster folgen. Auch der Anbau verschiebt sich. Die Ölsaatenfläche wuchs auf 5,2 Mio. Hektar, ihr Anteil an der Anbaufläche stieg von 13 auf 18 %. Gedroschen sind bisher 2,4 Mio. Tonnen von 2,4 Mio. Hektar. Das Ministerium erwartet erstmals mehr als 5 Mio. Tonnen, nach dem bisherigen Rekord von 4,3 Mio. Tonnen im Jahr 2025. Die Richtung ist klar: weniger Rohweizen, mehr Produkte mit Marge.

Exporte hängen an Usbekistan und Afghanistan

Die abgelaufene Exportsaison zeigt, warum die Ernte die ganze Region betrifft. Von September 2025 bis Juli 2026 führte Kasachstan 13,9 Mio. Tonnen Getreide und Mehl aus, 12,6 % mehr als im Vorjahr. Das berichtet die englischsprachige Regionalzeitung Times of Central Asia unter Berufung auf das Agrarministerium. Größter Abnehmer war Usbekistan mit 5,8 Mio. Tonnen, dahinter folgte Afghanistan mit 2,4 Mio. Tonnen. Zwei Märkte stehen damit für rund 59 % der Ausfuhren. Diese Konzentration bleibt die offene Flanke des Geschäftsmodells. Der Getreidehandel passt zugleich ins Bild der Region: Der Warenaustausch zwischen den fünf zentralasiatischen Staaten wuchs von Januar bis Juli um 25,4 %. Auf Kasachstan entfielen 55,9 % der Lieferungen, so das usbekische Forschungszentrum CERR laut Times of Central Asia. Der Ausbau der Verarbeitung zielt genau auf diese Nachbarmärkte. Verarbeitete Ware erzielt höhere Preise je Tonne und dämpft die Abhängigkeit vom Rohstoffzyklus. Für ein Binnenland mit langen Transportwegen zählt dieses Argument doppelt. Hinzu kommt das Wetter: 17 % der Flächen stehen noch auf dem Halm. Ein Umschwung im Oktober kann Menge und Qualität noch drücken. Premierminister Olschas Bektenow ordnete deshalb an, die Ernte zu sichern und die Frühfinanzierung der Betriebe zu starten. Ob die neuen Werke die Rechnung verbessern, entscheidet sich an der Logistik. Mehl und Stärke brauchen verlässliche Bahnkapazität Richtung Süden. Gelingt das, liefert das Dürrejahr 2026 den Beleg, dass Kasachstans Agrarsektor mehr kann als Rekorde beim Rohgetreide.

Quelle: Trend (Ernte), Trend (Investitionen), Trend (Bilanz 2025), Times of Central Asia (Ernte), Times of Central Asia (Handel), Prime Minister of Kazakhstan (EN) Wlast, Zhaik Press (RU)

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