Eine Eskalation der Spannungen mit dem Iran könnte spürbare wirtschaftliche Folgen für die Staaten des Südkaukasus haben. Besonders Armenien wäre betroffen – vor allem wegen seiner engen Handelsverbindungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts GlobalSource Partners.
Der Ökonom Ivan Tchakarov untersuchte in seinem Bericht die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen dem Iran, Israel und den Ländern des Persischen Golfs auf der einen Seite sowie Armenien, Aserbaidschan und Georgien auf der anderen. Im Fokus standen Handel, Direktinvestitionen, Tourismus und Geldüberweisungen.
Die zentrale Verwundbarkeit Armeniens liegt laut Tchakarov eindeutig im Außenhandel. Rund 14,8 Prozent des gesamten Handelsvolumens des Landes entfällt auf den Iran, Israel und die Golfstaaten zusammen – ein deutlich höherer Anteil als in den beiden Nachbarländern.
Noch wichtiger ist jedoch die Rolle Irans als Transitland für armenische Exporte. Etwa 30 Prozent des armenischen Außenhandels nutzen Transportwege durch den Iran, um internationale Märkte zu erreichen. Sollten diese Routen durch politische Spannungen oder Sanktionen gestört werden, könnte dies die armenische Wirtschaft erheblich treffen.
Für Georgien und Aserbaidschan ist die Abhängigkeit vom Handel mit diesen Ländern deutlich geringer.
Unterschiede zeigen sich auch bei ausländischen Direktinvestitionen. In Aserbaidschan stammen vergleichsweise viele Investitionen aus der Golfregion. Zwar dominieren weiterhin Kapitalzuflüsse aus westlichen Staaten und der Türkei, doch Investitionen aus den Golfstaaten entsprechen dennoch rund 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Eine andere mögliche Schwachstelle liegt im Tourismussektor – vor allem in Georgien. Das Land hat in den vergangenen Jahren Rekordeinnahmen aus dem internationalen Tourismus erzielt. Einnahmen aus Besuchern aus dem Iran, Israel und den Golfstaaten entsprechen zwar nur etwa 2,4 Prozent des BIP, könnten bei einer regionalen Eskalation jedoch empfindlich zurückgehen.
Überweisungen von Arbeitsmigranten aus diesen Ländern spielen dagegen in allen drei Volkswirtschaften eine vergleichsweise geringe Rolle. Sie liegen jeweils bei weniger als einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Studie verweist außerdem darauf, dass frühere Spannungen bislang nur begrenzte wirtschaftliche Folgen hatten. Während einer kurzen militärischen Eskalation im Juni 2025 seien die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in Armenien, Georgien und Aserbaidschan gering geblieben.
Sollte ein Konflikt jedoch länger andauern oder Handelsrouten beeinträchtigen, könnte sich das Bild schnell ändern.

