Armeniens Ausfuhren fallen um 7,9%: Russland sperrt Obst, Fisch und Milch
Armenien führte von Januar bis Juli Waren für 4.035,7 Mio. US-Dollar aus, 7,9% weniger als ein Jahr zuvor. Das meldete das armenische Statistikkomitee am 25. August. Im Juli allein sank der Export um 15,7% gegenüber dem Vorjahresmonat.
Die Einfuhren liefen in die andere Richtung. Sie stiegen um 7,7% auf 7.502,5 Mio. US-Dollar, im Juli um 21,5%. Der gesamte Außenhandel erreichte 11.538,2 Mio. US-Dollar, ein Plus von 1,7%. In Landeswährung entspricht das 4.304,4 Mrd. Dram. Das Defizit im Warenhandel wuchs damit auf rund 3,5 Mrd. US-Dollar.
Moskau sperrt Ware um Ware
Russland beschränkt seit Ende Mai die Einfuhr armenischer Erzeugnisse und beruft sich auf Pflanzenschutzvorschriften. Die Liste wuchs von Blumen, Mineralwasser, Getränken und Spirituosen über Gemüse, Obst, Beeren, Trauben, Kartoffeln und Trockenfrüchte bis zu lebenden Fischen und Fischerzeugnissen. Seit dem 27. Juli gelten die Sperren auch für Milchprodukte. Moskau untersagt zudem den Transit armenischer Waren durch Russland in andere Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion.
S&P Global Ratings beziffert den Schaden in einem Bericht vom 24. August auf rund 2% der Wirtschaftsleistung. Bei den gesperrten Erzeugnissen nimmt Russland zwischen 80% und 98% ab. „Da die Agrarlieferungen in die Erntesaison von Sommer und Herbst fallen, erwarten wir eine Verstärkung dieses Effekts im zweiten Halbjahr 2026, was auf Agrarproduktion, ländliche Einkommen und Exporterlöse drückt“, heißt es in dem Bericht.
Vazgen Poghosyan, Leiter der Abteilung Geldpolitik der armenischen Zentralbank, nannte am 10. August eine engere Spanne. Er schätzte die Wirkung der russischen Maßnahmen auf 1 bis 1,5% der Wirtschaftsleistung.
Die Binnenwirtschaft trägt noch
Der Index der Wirtschaftsaktivität stieg von Januar bis Juli um 7,7%. Die Industrie legte um 9,5% zu, der Bau um 25%. Dienstleistungen ohne Handel wuchsen um 13,2%. Der Binnenhandel kam dagegen nur auf 0,8%. S&P erwartet, dass das Leistungsbilanzdefizit 2026 auf 8,0% der Wirtschaftsleistung sinkt, nach 8,7% im Jahr 2025. Die Zahl der Reisenden stieg im ersten Halbjahr um fast 15%.
Für deutsche Anbieter zählt die Importseite. Armenien kauft 7,7% mehr ein, im Juli sogar 21,5% mehr. Wer Kühltechnik, Sortier- und Verpackungsanlagen oder Ausrüstung für Molkereien verkauft, findet Kunden, die ihre Ware neu ausrichten müssen. Exporteure prüfen ihre Warenwege genauer: Der gesperrte Transit durch Russland verlängert die Lieferwege und verschiebt Mengen auf Georgien und den Iran. Für Investoren bleibt die Rechnung zweigeteilt. Bau und Dienstleistungen wachsen zweistellig, der Agrarexport verliert seinen größten Abnehmer.
Quellen: Statistical Committee of the Republic of Armenia (EN), S&P Global Ratings (EN), Zentralbank Armeniens (EN), ARKA (EN)
SK, Frankfurt