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Armenien greift nach 100% des Stromverteilers ENA: Der Preis steht noch nicht fest
Armenien · 16.10.2026

Armenien greift nach 100% des Stromverteilers ENA: Der Preis steht noch nicht fest

Armenien übernimmt 100% der Anteile am Stromverteiler Electric Networks of Armenia (ENA). Die Regierung erklärte die Beteiligung am 15. Oktober zum überwiegenden öffentlichen Interesse. ENA gehört der Tashir-Gruppe von Samvel Karapetjan. Nach Angaben der Regierung hält Tashir Capital rund 70% der Anteile, Liormand Holdings Limited rund 30%.

Bewertung in mehreren Stufen

Infrastrukturminister Davit Chudatjan legte den Entwurf im Kabinett vor. Sein Ministerium koordiniert die Übernahme. Binnen zwei Monaten nach Inkrafttreten des Beschlusses erstellt es ein Vermögensverzeichnis. Eine einmalige Verlängerung um bis zu zwei Monate ist möglich. Danach organisiert es binnen drei Monaten die Bewertung zum Marktwert.

Die Gutachter berücksichtigen Investitionen, gezahlte Dividenden und Verbindlichkeiten. Dazu zählen auch bedingte und außerbilanzielle Verpflichtungen, Kredite, Garantien und laufende Gerichtsverfahren. Die Aktionäre erhalten den Preisvorschlag. Sie können ihn annehmen oder einen eigenen Gutachter beauftragen. Gegen das Verzeichnis können sie binnen eines Monats beim Ministerium oder vor Gericht Einspruch einlegen. Einen Kaufpreis nennt die Regierung nicht. Die Übertragung der Aktien soll bis zum 1. Mai 2027 beginnen.

Premier Nikol Paschinjan fragte im Kabinett, wie sich der Betrag bestimme. Verbindlichkeiten müssten einfließen, ein hoher Umsatz bedeute nicht automatisch einen hohen Wert. Er kündigte an, auch die Privatisierung von ENA auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen. Beides laufe getrennt: „Wir verknüpfen die beiden Prozesse nicht, weil keiner den anderen behindert oder ausschließt.“

Vorgeschichte und Marktlage

Die Regierung hatte 2025 per Notgesetz die Verwaltung von ENA übernommen und dem Unternehmen Misswirtschaft vorgeworfen. ENA weist den Vorwurf zurück. Die Regulierungskommission für öffentliche Dienstleistungen setzte die Verteillizenz aus. Die Aktionäre durften ihre Anteile dem Staat verkaufen, antworteten aber nicht binnen der Frist. Das Ministerium schreibt in der Begründung, eine Übergangsverwaltung allein sei keine dauerhafte Lösung. Ziel seien eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, Energiesicherheit und der Schutz der Verbraucher.

Das Statistikkomitee Armeniens meldete für Januar bis August eine Stromerzeugung von 6.268,4 Mio. Kilowattstunden. Das sind 5,3% mehr als im Vorjahreszeitraum. Im August sank die Erzeugung auf 819,7 Mio. Kilowattstunden: 4% weniger als im August 2025. Die Wirtschaftsaktivität wuchs von Januar bis August um 7,3%, der Bau legte um 24,7% zu. Die Verbraucherpreise lagen im August um 4,4% über dem Vorjahr.

Konsequenz für deutsche Unternehmen

Deutsche Lieferanten von Netz- und Zählertechnik sollten klären, wer bei laufenden Verträgen Vertragspartner bleibt: der Staat, die Übergangsverwaltung oder ENA. Investoren im armenischen Energiesektor sollten verfolgen, wie das Ministerium Verbindlichkeiten und Schiedsverfahren in den Marktwert einrechnet. Dieser Maßstab dürfte für künftige Beteiligungen gelten.

Quellen: Armenpress zum Kabinettsbeschluss vom 15. Oktober (EN); Statistikkomitee Armeniens zur Wirtschaftsaktivität Januar bis August (EN)

SK, Frankfurt

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