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Tschechiens Zentralbank erhöht Leitzins auf 3,75%
Tschechien · 19.06.2026

Tschechiens Zentralbank erhöht Leitzins auf 3,75%

Erste Zinserhöhung seit 13 Monaten: Die Tschechische Nationalbank verschärft ihre Geldpolitik und warnt vor wachsendem Inflationsdruck.

Die Tschechische Nationalbank (CNB) hat ihren Leitzins am 18. Juni um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 % angehoben. Es ist die erste Änderung der Geldpolitik seit Mai vergangenen Jahres, als die Zentralbank den Zinssatz zuletzt um 0,25 Prozentpunkte gesenkt hatte.

CNB-Gouverneur Aleš Michl begründete den Schritt mit zunehmenden Inflationsrisiken. „Laut der aktualisierten Prognose besteht das Risiko, dass die Inflation gegen Ende des Jahres leicht ansteigen wird“, sagte er auf einer Pressekonferenz. Zugleich betonte er, dass die Zentralbank bei künftigen Entscheidungen „für alle Optionen offen“ bleibe.

Michl verwies zudem auf die anhaltend starke Kreditvergabe sowie die schuldenfinanzierte Ausweitung staatlicher Ausgaben. Beide Faktoren würden das Wachstum der Geldmenge in der Wirtschaft fördern und damit potenziell den Inflationsdruck erhöhen.

Die Inflation in Tschechien lag zuletzt bei 2,1% und gehört damit zu den niedrigsten in Europa. Analysten warnen jedoch, dass die Auswirkungen höherer Energiepreise, insbesondere infolge der Spannungen im Nahen Osten, sowie mögliche Störungen der Lieferketten bislang nur teilweise in den Verbraucherpreisen sichtbar seien.

Für die Zinserhöhung stimmten sechs der sieben Mitglieder des CNB-Rats, während ein Mitglied für eine Beibehaltung des bisherigen Zinssatzes votierte.

„Ziel der heutigen Entscheidung ist es, die Gesamtinflation dauerhaft in der Nähe des Inflationsziels von 2% zu halten“, erklärte die CNB in ihrer Stellungnahme. Voraussetzung dafür sei, dass die Kreditvergabe nicht übermäßig wachse und die Geldmenge in einem angemessenen Rahmen bleibe.

Die Entscheidung fiel trotz öffentlicher Kritik von Ministerpräsident Andrej Babiš. Wenige Stunden vor der Sitzung hatte er erklärt: „Ich verstehe nicht, warum die Tschechische Nationalbank die Zinssätze erhöhen sollte.“ Babiš argumentierte, das aktuelle Zinsniveau sei bereits hoch genug und könne das Wirtschaftswachstum belasten.

Die Möglichkeit einer Zinserhöhung war bereits in den Tagen vor der Sitzung intensiv diskutiert worden. Vertreter der CNB und zahlreiche Analysten hatten auf steigende Inflationsrisiken hingewiesen, die unter anderem durch höhere Energiepreise und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten ausgelöst werden könnten.

Die Zentralbank bezeichnete die Risiken für die Inflationsentwicklung weiterhin als „inflationär“. Insbesondere die anhaltend hohe Kerninflation sowie die möglichen wirtschaftlichen Folgen der Konflikte im Nahen Osten würden aufmerksam beobachtet. Auch nach einer möglichen Entspannung der Lage werde die CNB die makroökonomischen Auswirkungen genau verfolgen.

Bemerkenswert ist die politische Dimension der Debatte: Michl galt lange als enger Vertrauter von Andrej Babiš. Als Babiš 2013 in die Politik einstieg und die Bewegung ANO aufbaute, arbeitete Michl zeitweise in dessen wirtschaftspolitischem Expertenteam. Trotz dieser Verbindung stellte sich die Zentralbank nun offen gegen die Forderungen des Regierungschefs.

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