Die Erzeugerpreise der tschechischen Landwirtschaft lagen im August 11,8% unter dem Vorjahresniveau. Das tschechische Statistikamt ČSÚ veröffentlichte die Zahl am 16. September. Es ist der neunte Rückgang in Folge. Im Juli hatte das Minus 13,0% betragen. Gegenüber Juli stiegen die Preise leicht um 0,3%.
„Die Preise in der Landwirtschaft sind neun Monate in Folge im Jahresvergleich gefallen. Im August betrug dieser Rückgang 11,8%“, erklärte Jiří Šulc am 16. September. Er leitet beim ČSÚ die Abteilung für Preisstatistik in Landwirtschaft, Bauwesen und Dienstleistungen.
Den Ausschlag gibt die Tierhaltung. Dort fielen die Preise um 20,1%. Milch verbilligte sich um 27,3%, Schweine um 26,9%, Eier um 10,0% und Rinder um 9,6%. In der Pflanzenproduktion sanken die Preise um 3,0%, bei Getreide um 6,7% und bei Kartoffeln um 7,7%. Obst verteuerte sich dagegen um 6,0%. Geflügel kostete 0,4% weniger.
Chemie und Holz treiben die Industriepreise
Die Erzeugerpreise der Industrie stiegen im August um 2,0%. Im Juli waren es 1,6%. Gegenüber Juli legten sie um 0,4% zu. Chemische Erzeugnisse verteuerten sich um 12,1%, Holz und Holzwaren um 11,3%, Grundmetalle um 5,6% und Gummi- und Kunststoffwaren um 5,3%.
Zwei Posten bremsen. Strom, Gas und Fernwärme kosteten 4,8% weniger als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verbilligten sich um 5,6%, Milchprodukte sogar um 15,8%. Verarbeitetes Fleisch kostete 6,9% weniger. Ohne Energie stiegen die Industrieerzeugerpreise um 1,5%, nach 1,4% im Juli. Kokerei- und Mineralölerzeugnisse verteuerten sich im Monatsvergleich deutlich.
Bauen wird teurer, Werbung noch mehr
Die Preise für Bauarbeiten lagen 4,4% über dem Vorjahr. Baumaterialien verteuerten sich um 6,8%. Marktdienstleistungen für Unternehmen kosteten 2,7% mehr. Werbung und Marktforschung legten um 12,1% zu, Arbeitsvermittlung um 10,9%.
Im europäischen Vergleich bleibt Tschechien günstig. Laut Eurostat stiegen die Industrieerzeugerpreise in der EU im Juli um 5,6% gegenüber dem Vorjahr. In Tschechien waren es 1,6%, in Deutschland 3,1%, in Polen 3,5% und in der Slowakei 2,7%.
Für deutsche Abnehmer ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Wer tschechische Chemie, Metall oder Holz einkauft, kalkuliert mit zweistelligen Aufschlägen. Wer Milch, Fleisch oder Getreide bezieht, verhandelt aus einer starken Position. Deutsche Molkereien und Fleischverarbeiter zahlen bei tschechischen Lieferanten derzeit deutlich weniger als vor einem Jahr. Investoren, die Werke planen, rechnen dagegen mit Bauarbeiten, die 4,4% mehr kosten. Der Standortvorteil liegt 2026 im Einkauf, nicht im Bau.
Quellen: Český statistický úřad – ČSÚ (CS), Eurostat (EN).
SK, Frankfurt


