Ungarns Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 1,5%: Die Inflation liegt bei 1,6%, der Leitzins bei 5,5%
Ungarns Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2026 um 1,5% zum Vorjahresquartal. Das meldete das Statistikamt KSH am 30. Oktober in seiner ersten Schätzung. Zum zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung um 0,1% zu. In den ersten neun Monaten steigt das BIP um 1,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt 0,2 Prozentpunkte mehr erwartet.
Industrie trägt, Dürre bremst
Die Industrie war laut KSH der wichtigste Wachstumstreiber. Das Amt verweist auf neue Kapazitäten aus Großinvestitionen früherer Jahre und auf eine bessere Auslastung. Besonders stark liefen die Fahrzeugproduktion und die Herstellung von Computern sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen.
Die Landwirtschaft bremste das Wachstum. Eine Dürre ließ die Erzeugung deutlich sinken. Im zweiten Quartal war die Agrarproduktion bereits um 12,4% gefallen, während die Industrie um 3,7% zugelegt hatte. Die Dienstleistungen blieben ein stabiler Wachstumsbeitrag.
Das KSH warnt, dass die erste Schätzung noch korrigiert werden kann. Das gilt vor allem für die Agrardaten. Auch das BIP für 2025 hat das Amt angehoben: auf 87,308 Billionen Forint, ein Plus von 0,3% gegenüber der Märzzahl.
Inflation weit unter dem Ziel, Leitzins weit darüber
Die Verbraucherpreise stiegen im September um 1,6% zum Vorjahresmonat. Im September 2025 lag die Rate noch bei 4,3%. Die Kerninflation sank auf 1,9%. Dienstleistungen verteuerten sich um 4,9%, Lebensmittel wurden dagegen um 1,3% billiger. Die Haushaltsenergie sank um 0,4%. Zum Vormonat stiegen die Preise um 0,2%. Die Erzeugerpreise der Industrie zogen dagegen um 6,9% an, meldete das KSH am 29. Oktober; zum Vormonat waren es 1,6%.
Die Notenbank MNB senkte den Leitzins im August um 0,25 Prozentpunkte auf 5,5%. Am 20. Oktober ließ sie ihn unverändert. Vor einem Jahr lag der Satz bei 6,5%. Die MNB rechnet damit, dass die Teuerung bis Ende 2027 unter ihrem Ziel bleibt.
In der Erklärung des Währungsrats vom 25. August heißt es (Übersetzung aus dem Englischen): „Die Preissteigerungsrate bleibt unter dem 3%-Ziel der Zentralbank.“ Das Zitat ist älter als die Septemberdaten. Die Inflation hat seither von 1,2% im Juli auf 1,6% im September angezogen.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Deutsche Autozulieferer finden in Ungarn einen Markt, den die Fahrzeugproduktion trägt. Die Nachfrage nach Elektronik und Vorprodukten stützt das Geschäft. Das schwache Quartalsplus von 0,1% mahnt aber zur Vorsicht bei Mengenplanungen.
Investoren zahlen bei 1,6% Inflation einen Leitzins von 5,5%. Das ergibt einen hohen Realzins und teure Kredite in Forint. Wer in Forint verkauft oder finanziert, sollte das Wechselkursrisiko absichern.
Quellen: KSH, MNB, ING Think, Budapest Business Journal (alle EN)
SK, Frankfurt