Ungarns Notenbank hält den Leitzins bei 5,5%: Die Inflation liegt bei 1,6%, die Industrie wächst um 8,7%
Ungarns Notenbank hält den Leitzins bei 5,5%, obwohl die Inflation im September nur 1,6% betrug. Der Währungsrat der Magyar Nemzeti Bank (MNB) beschloss das am 20. Oktober. Der Einlagensatz bleibt bei 4,5%, der Kreditsatz bei 6,5%. Der Leitzins liegt damit 3,9 Prozentpunkte über der Teuerung.
Inflation unter dem Ziel, Kraftstoff treibt
Laut dem ungarischen Statistikamt KSH stieg die Teuerung im September auf 1,6%, nach 1,3% im August. Die Kerninflation lag bei 1,9%. Nahrungsmittel kosteten 1,3% weniger als vor einem Jahr. Kraftstoff verteuerte sich um 6,9%, Dienstleistungen um 4,9%. Haushaltsenergie verbilligte sich um 4,0%, Erdgas sogar um 11,0%. ING-Ökonom Péter Virovácz nannte den Anstieg „viel moderater“ als erwartet (aus dem Englischen übersetzt).
Die MNB erwartet im Jahresschnitt 1,8% für 2026 und 3,1% für 2027. Ab dem 1. Januar 2028 gilt ein Inflationsziel von 2,5%. Aufwärtsdruck sieht die MNB bei den Kraftstoffpreisen und bei der höheren Tabaksteuer. Der Währungsrat begründet die Pause so: „Die Beibehaltung der aktuellen Zinsbedingungen ist notwendig, um das Inflationsziel nachhaltig zu erreichen.“ (MNB, 20. Oktober, aus dem Englischen übersetzt)
Industrie wächst, die Dürre bremst
Die Industrieproduktion stieg im August um 8,7% zum Vorjahr, meldete das KSH am 14. Oktober. Gegenüber Juli legte sie um 1,0% zu. Der Fahrzeugbau wuchs um 43%, die Elektronik um 30%. Die Industrieexporte nahmen mengenmäßig um 15,7% zu. Die Nahrungsmittelindustrie schrumpfte dagegen um 6,8%.
Der Einzelhandel setzte im August 2,4% mehr um als ein Jahr zuvor. Von Januar bis August lag das Plus bei 4,3%. Der Onlinehandel wuchs im August um 12%. Die MNB nennt die Dürre als Grund für schwächere Agrarerträge, die das Wachstum 2026 dämpfen. Höhere Industrieexporte gleichen das teilweise aus.
Notenbankchef Mihály Varga beschreibt den Kurs als „vorsichtig und datengetrieben“ (aus dem Englischen übersetzt). Den Haushaltspfad der Regierung nennt er „konsistent“ mit dem Beitritt zum Euroraum. Die Regierung plant für 2027 ein Defizit von 4,9% der Wirtschaftsleistung, nach mehr als 7% in diesem Jahr. Ministerpräsident Péter Magyar will den Euro „so schnell wie möglich“ einführen, nennt aber kein Datum.
Deutsche Zulieferer der ungarischen Auto- und Elektronikindustrie sehen steigende Abrufe. Die Produktion wächst, und die Ausfuhren ziehen an. Kredite in Forint bleiben mit 5,5% Leitzins teuer. Investoren in Ungarn sollten Finanzierungen in Euro prüfen, solange der Euro-Beitritt kein Datum hat. Wer Lebensmittel nach Ungarn liefert, trifft auf eine schwache Inlandsindustrie und niedrige Verbraucherpreise.
Quellen: MNB-Pressemitteilung vom 20. Oktober (EN); KSH-Erstveröffentlichungen zu Inflation, Industrie und Einzelhandel (EN); Meldung zu den Aussagen von Varga und Magyar (EN)
SK, Frankfurt