Ungarns Industrieproduktion lag im August 8,7% über dem Vorjahresmonat. Das meldete das Statistikamt KSH am 6. Oktober in erster Schätzung. Im Juli betrug das Plus 4,7%. Saison- und arbeitstäglich bereinigt stieg die Produktion gegenüber dem Juli um 1,0%. Von Januar bis August liegt sie 3,4% über dem Vorjahreszeitraum.
Zwei Branchen tragen das Plus
Den Zuwachs treiben die beiden gewichtigsten Branchen: der Fahrzeugbau sowie die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, Elektronik und Optik. Breit ist die Erholung nicht. Das KSH meldet, die Produktion sei „in den meisten Zweigen des verarbeitenden Gewerbes“ gesunken, darunter Elektrotechnik sowie Nahrungsmittel, Getränke und Tabak.
Zahlen zu einzelnen Branchen nennt das Amt in der ersten Schätzung nicht. Die zweite Schätzung für August folgt am 14. Oktober. Für Juli meldete das KSH beim Inlandsabsatz ein Volumenplus von 0,9% und beim Export von 6,3%. Der Auslandsmarkt trägt die Industrie also stärker als die Binnennachfrage.
Erzeugerpreise steigen, Konsum bremst
Die Erzeugerpreise der Industrie stiegen im August um 4,8% zum Vorjahr und um 2,9% zum Juli. Im Inland verteuerten sich Energie und Vorprodukte um 7,7%. Konsumgüter wurden um 0,8% billiger.
Der Einzelhandel setzte im August 2,4% mehr ab als vor einem Jahr. Gegenüber dem Juli fiel er um 0,7%. Lebensmittel legten nur um 0,5% zu, Nichtlebensmittel um 5,0%. Der Online- und Versandhandel wuchs um 12,0%. Für Januar bis August meldet das KSH ein Plus von 4,3%.
Innerhalb der Lebensmittel driften die Formate auseinander. Nicht spezialisierte Geschäfte, die 77% des Lebensmittelhandels stellen, legten um 1,9% zu. Spezialgeschäfte verloren 4,8%. Im Nichtlebensmittelhandel wuchsen Apotheken, Medizinwaren und Kosmetik um 5,4%, Textilien und Schuhe um 2,7%. Möbel und Elektrogeräte kamen auf 1,0%. Tankstellen setzten 3,1% mehr ab.
Die Verbraucherpreise lagen im September um 1,6% über dem Vorjahr. Das KSH schreibt: „Die Verbraucherpreise lagen im September 2026 im Durchschnitt um 1,6% höher als ein Jahr zuvor.“
Was das für deutsche Exporteure heißt
Zulieferer, die Ungarns Fahrzeug- und Elektronikwerke beliefern, profitieren von der Auslastung. Sie zahlen aber mehr für Vorprodukte und Energie. Exporteure von Konsumgütern treffen auf eine Nachfrage, die bei Lebensmitteln kaum wächst. Der Online-Kanal bietet mehr Spielraum.
Quellen: KSH, Industrie und Einzelhandel, August 2026 (EN); KSH, Verbraucherpreise, September 2026 (EN); IndexBox/KSH-Auswertung (EN)
SK, Frankfurt


