1,3% betrug die Inflation in Ungarn im August, nach 4,3% im August 2025. Das meldete das ungarische Statistikamt KSH am 8. September. Gegenüber Juli stiegen die Preise um 0,2%. Die Kernrate lag bei 2,0%, der harmonisierte Verbraucherpreisindex bei 1,8%. Im Juli hatte die Teuerung 1,2% betragen.
Lebensmittel und Energie drücken den Index
Lebensmittel kosteten 1,4% weniger als vor einem Jahr. Ohne Gastronomie fiel der Rückgang mit 4,8% noch deutlicher aus. Fleischkonserven verbilligten sich laut KSH um 27,0%, Butter um 15,5%, Schweinefleisch um 12,9%, Käse um 11,1% und Milch um 8,1%. Strom, Gas und andere Brennstoffe kosteten 4,3% weniger, Gas allein 10,9% weniger.
Dienstleistungen verteuerten sich dagegen um 5,0%. Theaterkarten kosteten 17,6% mehr, Taxifahrten 11,0%, Postdienste 9,6% und Autoreparaturen 8,1%. Im Monatsvergleich stiegen die Dienstleistungspreise um 0,8%. Kraftstoffe kosteten 1,3% mehr als im August 2025, Medikamente 3,7% mehr.
Notenbank senkt Leitzins und sieht Ziel erst 2028 erreicht
Die ungarische Notenbank MNB senkte den Leitzins am 25. August um 25 Basispunkte auf 5,50%. Die Juli-Inflation lag unter der Prognose der Bank aus dem Juni. Der Geldpolitische Rat schreibt in seiner Erklärung: „Die Teuerungsrate wird für den Rest des Jahres und das gesamte nächste Jahr unter dem Notenbankziel von 3% bleiben, bevor sie in der ersten Hälfte 2028 zum Ziel zurückkehrt.“
Den Preisanstieg bei Marktdienstleistungen erklärt die MNB mit Neubewertungen im Bank- und Telekomsektor, die auf das Ende freiwilliger Preisbeschränkungen folgten. Die Inflationserwartungen der Haushalte liegen laut MNB unter dem Niveau vom Jahresbeginn. Über den weiteren Zinspfad will der Rat auf Basis des Inflationsberichts vom September entscheiden.
Die Realwirtschaft wächst verhalten. Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal um 1,7% zu. Die Industrieproduktion stieg im Juli um 4,7% zum Vorjahr und um 1,7% zum Vormonat, getragen vom Fahrzeugbau und von der Elektronik. Die Lebensmittelindustrie und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen produzierten weniger. Der Einzelhandel setzte im Juli 4,9% mehr um als ein Jahr zuvor.
Für deutsche Exporteure von Konsumgütern verbessert sich das Umfeld. Die Inflation ist niedrig, die Zinsen sinken, der Einzelhandel wächst um 4,9%. Preiserhöhungen lassen sich im ungarischen Handel jedoch schwer durchsetzen, solange Lebensmittelpreise fallen. Investoren sollten die Fiskalpolitik und die Euro-Debatte beobachten: Die MNB nennt beide als Hauptfaktoren für die Risikobewertung Ungarns.
Quellen: KSH, Verbraucherpreise August 2026 (EN); KSH, Industrie Juli 2026 (EN); KSH, Einzelhandel Juli 2026 (EN); MNB, Pressemitteilung des Geldpolitischen Rats vom 25.8.2026 (EN)
SK, Frankfurt


