Ungarns Staat hat im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von 2.809,5 Mrd. Forint verbucht. Das sind 6,2% der Wirtschaftsleistung, meldete das ungarische Statistikamt KSH am 1. Oktober. Im ersten Halbjahr 2025 lag das Defizit bei 310 Mrd. Forint oder 0,7% des BIP.
Ausgaben wachsen viermal schneller als Einnahmen
Die Einnahmen stiegen auf 19.018,1 Mrd. Forint, ein Plus von 2,9%. Die Ausgaben legten auf 21.827,6 Mrd. Forint zu, ein Plus von 10,8%. Den größten Posten bilden die Personalausgaben: Sie wuchsen um 1.044 Mrd. Forint oder 23,1%.
Die Rechnung ist einfach: Jede Forint-Einnahme steht rund 1,15 Forint Ausgaben gegenüber. Der Staat finanziert die Lücke über Kredite. Die Investitionen des Staates gingen dagegen um 311 Mrd. Forint zurück, das sind minus 21,5%. Auf das erste Quartal entfielen 2.051,3 Mrd. Forint des Defizits. Im zweiten Quartal betrug es 758,2 Mrd. Forint, also 3,3% des BIP.
Nach Teilsektoren liegt die Last beim Zentralstaat. Er verbuchte ein Defizit von 3.106,5 Mrd. Forint. Die Sozialversicherung kam auf 16,1 Mrd. Forint Defizit. Die Kommunen erzielten einen Überschuss von 313,1 Mrd. Forint.
Prognose für 2026 steigt auf 6.902 Mrd. Forint
Das ungarische Finanzministerium hat seine Jahresprognose angehoben. Es erwartet für 2026 ein Defizit von 6.902 Mrd. Forint statt bisher 4.745 Mrd. Forint. Das entspricht 7,5% des BIP. Geplant waren 3,7%. Ohne Gegenmaßnahmen hätte das Defizit nach Ministeriumsangaben 8,3% erreicht.
Finanzminister András Kármán sagte am 8. September: „Auch kurzfristig ist ein Defizit von 7,5% nicht akzeptabel.“ Das Zitat ist aus dem Ungarischen übersetzt. Für 2027 kündigte er eine deutliche Senkung an. Der Haushalt sieht dafür gezielte Ausgabenkürzungen, einen neuen Reservefonds und ein Sozialpaket über 63 Mrd. Forint vor.
Was das für deutsche Exporteure und Investoren heißt
Der Sparkurs trifft vor allem staatliche Aufträge. Das Defizit steigt im Jahr 2026 stärker als jede Planung vorsah. Wenn der Staat Investitionen weiter kürzt, schrumpft das Geschäft für Lieferanten von Bau- und Infrastrukturtechnik. Deutsche Firmen mit öffentlichen Auftraggebern in Ungarn sollten Zahlungsziele und Vertragslaufzeiten prüfen. Investoren beobachten den Forint und die Staatsanleihen. Ein Defizit von 7,5% erhöht den Finanzierungsbedarf des Staates. Die Staatsschuld soll laut Prognose über 70 Billionen Forint steigen. Das Ministerium veröffentlichte die Zahl im Bericht zum Verfahren bei übermäßigem Defizit.
Quellen: KSH, Staatsdefizit 1. Halbjahr 2026 (HU/EN); Aussagen von Finanzminister Kármán laut Portfolio.hu (HU)
SK, Frankfurt


