Ungarns Haushalte geben 4,1% mehr aus: Investitionen brechen um 6,3% ein
Der tatsächliche Konsum der ungarischen Haushalte lag im zweiten Quartal um 4,1% über dem Vorjahr. Die Bruttoanlageinvestitionen fielen im selben Zeitraum um 6,3%. Das meldete das ungarische Statistikamt KSH am 1. September in seiner zweiten Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt.
Die Wirtschaft wuchs insgesamt um 1,7% gegenüber dem Vorjahresquartal. Saison- und kalenderbereinigt legte sie gegenüber dem ersten Quartal um 0,5% zu. Im ersten Halbjahr erreichte das Plus ebenfalls 1,7%. Gegenüber der Schnellschätzung von Ende Juli hob KSH den bereinigten Index um 0,1 Prozentpunkte an. ##Dürre zieht die Landwirtschaft nach unten Die Landwirtschaft brach ein. KSH schreibt dazu: „Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft lag wegen der schweren Dürre um 12,4% unter dem Vorjahreszeitraum.“ Der Sektor drückte das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozentpunkte. Gegenüber dem Vorquartal verlor er 15,6%.
Die Industrie steuerte 0,7 Prozentpunkte bei. Ihre Wertschöpfung stieg um 3,7%, die des verarbeitenden Gewerbes um 2,7%. Den größten Beitrag lieferte die Herstellung von Computern, elektronischen und optischen Erzeugnissen. Am stärksten bremste die Herstellung von Koks und Mineralölerzeugnissen. Der Bau verlor 0,3%.
Die Dienstleistungen trugen 1,1 Prozentpunkte bei und damit mehr als jeder andere Bereich. Ihre Wertschöpfung wuchs um 1,9%. Finanz- und Versicherungsdienstleistungen legten um 6,0% zu, freiberufliche, wissenschaftliche, technische und administrative Tätigkeiten um 5,2%. Der Handel kam auf 1,7%. ##Einfuhren laufen den Ausfuhren davon Die Konsumausgaben der Haushalte im Inland stiegen um 4,8%. Langlebige Güter legten um 6,4% zu, halblanglebige um 7,3%, kurzlebige um 5,2% und Dienstleistungen um 4,2%. Der tatsächliche Staatskonsum wuchs um 2,0%. Zusammen hob der Konsum das Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozentpunkte.
Die Bruttoanlageinvestitionen sanken dagegen um 6,3%. Es schrumpften die Bauinvestitionen und die Ausrüstungsinvestitionen gleichermaßen. Gegenüber dem Vorquartal fielen sie um 3,6%.
Im Außenhandel stiegen die Einfuhren um 6,3%, die Ausfuhren nur um 1,8%. Beim Warenhandel, der mehr als 80% des Außenhandels ausmacht, wuchsen die Einfuhren um 8,4% und die Ausfuhren um 2,4%. Der Saldo blieb mit 817 Mrd. Forint positiv. Der Außenhandel kostete das Wachstum trotzdem 2,9 Prozentpunkte.
Für deutsche Lieferanten zerfällt Ungarn damit in zwei Märkte. Konsumnahe Anbieter treffen auf Nachfrage: Die Wareneinfuhren stiegen um 8,4%, langlebige Güter um 6,4%, der Handel legte um 1,7% zu. Anbieter von Maschinen und Bauleistungen treffen auf das Gegenteil. Die Ausrüstungsinvestitionen sinken, der Bau schrumpft. Wer Investitionsgüter nach Ungarn verkauft, sollte die Wende nicht vor dem Jahresende einplanen. Wer Konsumgüter liefert, findet einen Markt, der steigende Einkommen in Importe umsetzt.
Quellen: Ungarisches Zentralamt für Statistik KSH, zweite Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2026, 1. September 2026 (HU/EN).
SK, Frankfurt