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Ungarns Bruttolöhne steigen nur noch um 7,1%

Ungarns Bruttolöhne steigen nur noch um 7,1%

Der Bruttodurchschnittsverdienst in Ungarn lag im Juni bei 754.700 Forint, umgerechnet rund 2.073 Euro. Das sind 7,1% mehr als ein Jahr zuvor. Das ungarische Statistikamt KSH veröffentlichte die Zahlen am Donnerstag. So schwach wuchsen die Bruttolöhne zuletzt 2020 und 2021, rechnet man die einmalige Sonderzahlung an Uniformierte heraus, die den Vorjahresvergleich verzerrt.

Netto blieben den Vollzeitbeschäftigten 529.700 Forint, rund 1.455 Euro. Der Nettoverdienst legte um 9,4% zu und wuchs damit spürbar schneller als der Bruttoverdienst. Dahinter steht die Steuerpolitik: Budapest hat die Familienermäßigung ausgeweitet und Mütter von der Einkommensteuer befreit.

Reallohn steigt um 7,6%

Die Verbraucherpreise lagen im Juni 1,7% über dem Vorjahr. Daraus errechnet KSH ein Reallohnplus von 7,6%. Auch dieser Wert fällt niedriger aus als im Mai. Die Kaufkraft wächst also weiter, aber langsamer.

Der mittlere Bruttoverdienst erreichte 617.900 Forint, der mittlere Nettoverdienst 438.000 Forint. Sie stiegen um 8,8% und 10,9%. Der Median wächst schneller als der Durchschnitt. Das verweist auf die Anhebung der Lohnuntergrenzen im Januar: Der Mindestlohn stieg um 11%, der garantierte Lohn für qualifizierte Arbeit um 7%.

Der Staat zahlt inzwischen mehr als die Unternehmen

Der regelmäßige Bruttoverdienst ohne Prämien und Sonderzahlungen betrug 708.600 Forint, ein Plus von 7,9%. Unternehmen zahlten im Schnitt 700.800 Forint, der öffentliche Haushalt 717.600 Forint, der Non-Profit-Sektor 757.600 Forint. Die Zuwächse lagen bei 7,5%, 9,0% und 8,3%. Der Abstand zwischen Staat und Privatwirtschaft hat sich damit umgekehrt.

Péter Virovácz, Volkswirt der ING in Budapest, führt die Dynamik auf einen engen Arbeitsmarkt zurück. Ein Teil der Unternehmen halte Personal, obwohl die Auslastung schwanke. „Zugleich hält die demografische Entwicklung die Angebotsseite des Arbeitsmarkts schon kurzfristig unter strukturellem Druck, was zu höheren Löhnen führt“, sagte Virovácz am Donnerstag. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet er ein Lohnplus von 9 bis 10%. Die für 2027 geplante Einkommensteuerreform dürfte den Mindestlohn danach bremsen.

Deutsche Investoren mit Fertigung in Ungarn zahlen weiter steigende Löhne, obwohl der Preisdruck nachgelassen hat. Wer Standortkosten kalkuliert, rechnet für 2026 mit einem nominalen Lohnanstieg von 9 bis 10% und einer Teuerung von unter 2%. Die Lohnstückkosten steigen damit schneller als in den meisten Nachbarländern. Für deutsche Konsumgüterhersteller und Handelsketten dreht sich das Bild: Ein Reallohnplus von 7,6% stützt die ungarische Nachfrage, und der Median zieht am oberen Rand des unteren Einkommensdrittels an. Wer Ungarn als Absatzmarkt sieht, profitiert. Wer dort produziert, verliert Kostenvorteil.

Quellen: Központi Statisztikai Hivatal, Gyorstájékoztató Keresetek Juni 2026 (HU); Magyar Nemzeti Bank, Devisenkurs vom 27. August 2026 (HU); ING Bank Ungarn über Telex und Portfolio (HU).

SK, Frankfurt

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