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Russlands Wachstumsstützen sind die Verbraucher und die Rüstungsausgaben

Russlands Wirtschaft ist im September nur um 0,5 % gewachsen. Getragen wurde sie von rüstungsnahen Industriebranchen und den Verbrauchern: Die Industrieproduktion legte überraschend um 1,8 % zu, der Einzelhandel real um 3,9 %.

Russlands Wachstumsstützen sind die Verbraucher und die Rüstungsausgaben

Autor: Klaus Dormann


Am 28. Oktober veröffentlichte das Statistikamt Rosstat die Daten zur Produktionsentwicklung in wichtigen Wirtschaftsbereichen im September. Nach ersten Schätzungen des Wirtschaftsministeriums in seinem Bericht „Zur aktuellen Lage der Wirtschaft“ dürfte die Produktion der gesamten russischen Wirtschaft im September um 0,5 % höher gewesen sein als vor einem Jahr. Im dritten Quartal und in den ersten neun Monaten 2026 sei das reale Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich um 0,6 % gestiegen.

Die russische Regierung prognostiziert für das Gesamtjahr 2026 ebenfalls einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion um 0,6 %. Diese Einschätzung bestätigt das Moskauer Konjunkturforschungsinstitut „Centre for Macroeconomic Analysis and Short-term Forecasting“ (CMASF). Das Zentrum erwartet in einer am 30. Oktober veröffentlichten Prognose für 2026 jetzt ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,5 und 0,7 %.

Gestützt wurde das Wachstum von 0,5 % im September vor allem von den Rüstungsaufträgen für die Industrie und von den Ausgaben der Verbraucher. Die Industrieproduktion erhöhte sich im September gegenüber September 2025 insgesamt um 1,8 %. Der vom Wirtschaftsministerium berechnete jährliche Anstieg des Gesamtumsatzes im Einzelhandel, bei Dienstleistungen und in der Gastronomie beschleunigte sich im September auf real 3,6 % (August: 2,9 %).

Wie hat sich die Produktion in wichtigen Branchen bis September entwickelt?

Im Zeitraum Januar bis September ist im Vorjahresvergleich vor allem der reale Umsatz im Einzelhandel kräftig gestiegen (+5 %). Damit stützten die Ausgaben der privaten Verbraucher das geringe Wachstum der Gesamtwirtschaft.

Die Industrieproduktion stagnierte in den ersten neun Monaten hingegen insgesamt fast auf dem Vorjahresniveau. Sie stieg lediglich um 0,2 %. Dabei sank die Produktion im Industriebereich „Bergbau“ um 1,3 %. Die Produktion im „Verarbeitenden Gewerbe“ war von Januar bis September aber immerhin 1 % höher als im Vorjahr, obwohl die Produktion von „Koks und Erdölprodukten“ angesichts der Beschädigungen von Produktionsanlagen durch Angriffe der Ukraine um 11 % abnahm.

Getragen wurde das Wachstum der Produktion im „Verarbeitenden Gewerbe“ laut Angaben von TASS hauptsächlich von der Produktion für militärische Zwecke. Die höchsten jährlichen Wachstumsraten im Zeitraum Januar bis September zeigen folgende „rüstungsnahe“ Branchen:

  • Sonstige Transportfahrzeuge und -ausrüstungen (einschl. Bau von Flugzeugen und Schiffen): +19,9 %
  • Metallerzeugnisse (ohne Maschinen und Ausrüstungen): +12,1 %
  • Arzneimittel, Materialien für medizinische Zwecke: +10,3 %
  • Computer, elektronische und optische Produkte: +9,1 %

Unerwartet kräftiges Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe im September

Im September entwickelte sich innerhalb der Industrie die Produktion im „Verarbeitenden Gewerbe“ deutlich günstiger als zuvor. Sie stieg im Vorjahresvergleich um 5,6 %, nach einem Rückgang um 0,5 % im August. Den größten Beitrag dazu leistete der Maschinenbau, dessen Wachstum sich stark von 6,2 % auf 21,3 % beschleunigte (Kommersant). Andererseits verschärfte sich im September der Rückgang der Produktion im Bergbau auf 4,1 %.

Insgesamt erreichte das Wachstum der Industrieproduktion im September 1,8 %. Analysten hatten hingegen keinen Anstieg, sondern einen Rückgang um 0,1 % erwartet (nach einem Rückgang um 0,6 % im August, Finmarket.ru).

Produktion in wichtigen Branchen im September und seit Januar
Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Prozent

Tabelle: Veränderung der Produktion in Russland im September 2026 und von Januar bis September 2026 gegenüber Vorjahr – Industrie, Bergbau, Verarbeitendes Gewerbe, Großhandel, Transport, Bau, Landwirtschaft

Quellen: Rosstat, Wirtschaftsministerium der Russischen Föderation; Finmarket.ru, 28.10.26

Der reale Großhandelsumsatz sank im September um 1,9 %, nach einem Rückgang von 0,5 % im August (plus 0,4 % im Zeitraum Januar bis September).

Der Umschlag von Waren im Transportgewerbe legte im September im Jahresvergleich um 2,2 % zu, nachdem er im August um 4,2 % gestiegen war. In den ersten neun Monaten war er aber nur 0,4 % höher als 2025.

Die Produktion im Baugewerbe stieg im September um 2,6 %, nachdem sie im August um 2,7 % zugelegt hatte. Seit Jahresbeginn ist sie aber um 2,1 % gesunken.

Die Produktion in der Landwirtschaft sank im September um 12,3 % gegenüber dem Vorjahr, nach einem Anstieg um 6,6 % im August. Diese Entwicklung in der Landwirtschaft gilt als Hauptgrund dafür, dass sich das jährliche Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion von 0,8 % im August auf 0,5 % im September verlangsamte (Finmarket.ru). Im Zeitraum Januar bis September war die landwirtschaftliche Produktion um 2,6 % niedriger als 2025, im dritten Quartal sank sie im Vorjahresvergleich um 3,9 %.

So stark hat sich die Industrieproduktion bisher erholt

Die Industrieproduktion ist nach einem starken Anstieg zum Jahresende 2025 tief eingebrochen. Das zeigt die folgende Abbildung des russischen Telegram-Kanals „Harte Zahlen“, eines regelmäßigen Teilnehmers der Analysten-Umfragen der Zentralbank. Bis August ist die Industrieproduktion saisonbereinigt gesunken. Im September stieg sie nach Berechnungen von „Harte Zahlen“ gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt aber um 1,2 %. Die Kurve ihres langfristigen Trends hat sie damit jedoch noch nicht wieder erreicht.

Index der Industrieproduktion insgesamt (Jan. 2015 = 1)
Telegram-Kanal „Harte Zahlen“

Grafik: Index der russischen Industrieproduktion insgesamt seit Januar 2015 mit Trendlinie (HP-Filter), Telegram-Kanal Harte Zahlen

Harte Zahlen: Industrieproduktion im September: Spezialbranchen im Aufwind, 28.10.26

Die Produktion des „Verarbeitenden Gewerbes“ hielt sich deutlich besser als die Industrieproduktion insgesamt. Die folgende Abbildung zeigt, dass der Index der Produktion des „Verarbeitenden Gewerbes“ im Verlauf des Jahres 2026 bis August annähernd stagnierte. Ein kräftiger Anstieg um 3 % im September gegenüber August hat den Index jetzt wieder seine „Trendkurve“ erreichen lassen.

Index der Produktion des „Verarbeitenden Gewerbes“ (Jan. 2015 = 1)
Telegram-Kanal „Harte Zahlen“

Grafik: Index der Produktion des Verarbeitenden Gewerbes in Russland seit Januar 2015 mit Trendlinie (HP-Filter), Telegram-Kanal Harte Zahlen

Harte Zahlen: Industrieproduktion im September: Spezialbranchen im Aufwind, 28.10.26

Das CMASF dürfte seinen monatlichen Bericht zur Entwicklung der Industrieproduktion im September in dieser Woche veröffentlichen. Er enthält einen Vergleich der CMASF-Berechnungen zur saisonbereinigten Entwicklung der Industrieproduktion mit den Berechnungen von Rosstat (CMASF-Bericht für August).

Wie sich die Einkommen und der private Verbrauch entwickeln

Kommersant berichtete zur aktuellen Entwicklung von Einkommen und privatem Verbrauch zusammengefasst:

Die Verbrauchernachfrage hat sich im September deutlich verstärkt. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel, bei Dienstleistungen und in der Gastronomie stieg laut Schätzungen des Wirtschaftsministeriums im September im Jahresvergleich real um 3,6 %, nach 2,9 % im August. Die jährlichen Wachstumsraten erhöhten sich in allen drei Bereichen, am stärksten jedoch in der Gastronomie.

Der Umsatz im Einzelhandel stieg im September im Jahresvergleich um real 3,9 % (+5 % im Zeitraum Januar bis September).

Indikatoren für den privaten Verbrauch und die Lohnentwicklung
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent

Tabelle: Reale Umsätze im russischen Einzelhandel, bei Dienstleistungen und in der Gastronomie im September 2026 sowie Nominal- und Reallöhne im August 2026 gegenüber Vorjahr

Quellen: Rosstat, Wirtschaftsministerium der Russischen Föderation; Kommersant, 29.10.26

Der Anstieg der Reallöhne stabilisierte sich im August bei 3,3 %. Im Zeitraum Januar bis August waren die Reallöhne 5,8 % höher als vor einem Jahr.

Der jährliche Anstieg der real verfügbaren Einkommen hat sich laut Rosstat von 3 % im zweiten Quartal auf 3,4 % im dritten Quartal beschleunigt.

Die Bevölkerung gab den größten Teil ihres Einkommens für den Kauf von Waren und die Bezahlung von Dienstleistungen aus (75,2 % gegenüber 71,6 % im Vorjahr). Der für Sparanlagen verwendete Anteil sank von 11,4 % auf 8,6 %.

Raiffeisenbank: Ein Rückgang der Konsumausgaben wäre überraschend

Die Moskauer Raiffeisenbank stellt zur aktuellen Entwicklung der Indikatoren für den privaten Verbrauch fest, dass es bisher keine Anzeichen für eine anhaltende Abschwächung der Konsumaktivitäten gibt. Zusammengefasst berichtet die Bank:

Die Konsumausgaben zogen im September dank gestiegener Einkommen erneut an.

In den letzten Monaten war zwar ein verlangsamtes Wachstum des Umsatzes im Einzelhandel (und im August sogar ein Rückgang) zu verzeichnen. Im September erreichte der Anstieg der Verbraucherausgaben im Einzelhandel gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt aber wieder ein Niveau von +0,3 bis +0,4 %. Das entspricht dem durchschnittlichen Wachstum im Vorjahr (siehe dunkelgraue Linie in der linken Grafik unten).

Gleichzeitig bleibt die Entwicklung einzelner Komponenten der Konsumausgaben äußerst unterschiedlich. So sanken im September beispielsweise die Umsätze mit Bekleidung und Schuhen, Elektronik und Haushaltsgeräten, Medikamenten und einigen Lebensmitteln den zweiten Monat in Folge.

Die real verfügbaren Einkommen der Bevölkerung stiegen im zweiten und dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um jeweils gut 4 %, nachdem sie im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal deutlich gesunken waren (siehe graue Säulen in der rechten Grafik).

Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich der Anstieg der real verfügbaren Einkommen im dritten Quartal auf 3,4 % beschleunigt. Er war rund doppelt so stark wie im ersten und zweiten Quartal (siehe türkisfarbene Quadrate in der rechten Grafik).

Umsatzentwicklung im Einzelhandel und real verfügbare Einkommen
Die Konsumausgaben steigen wieder (links) … was angesichts des beschleunigten Einkommenswachstums nicht überrascht (rechts)

Grafik der Raiffeisenbank: links saisonbereinigte Veränderung des realen Einzelhandelsumsatzes in Russland gegenüber Vormonat, rechts Veränderung der real verfügbaren Einkommen gegenüber Vorquartal und Vorjahresquartal

Raiffeisenbank: Die Konsumausgaben zogen im September dank gestiegener Einkommen erneut an, 30.10.26

In der linken Abbildung zeigt die dunkelgraue Linie die Veränderung des saisonbereinigten gesamten realen Einzelhandelsumsatzes gegenüber dem Vormonat in Prozent. Die türkisfarbene Linie zeigt die Veränderung des saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsatzes ohne Automobilhandel gegenüber dem Vormonat in Prozent.

In der rechten Abbildung zeigen die grauen Säulen die Veränderung der saisonbereinigten real verfügbaren Einkommen der Bevölkerung gegenüber dem Vorquartal in Prozent. Die türkisfarbenen Quadrate zeigen den Anstieg der real verfügbaren Einkommen gegenüber dem Vorjahresquartal in Prozent.

Lesetipps

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer:

Wirtschaft insgesamt (Wirtschaftskammer Österreich: Länderprofil Russland, Stand Okt. 2026; TradingEconomics: News; Calendar; Kommersant, Vedomosti, Politkom, inveb.ru, Finam)

Konjunkturdaten September und drittes Quartal 2026

Konjunkturprognosen

Geldpolitik, Inflation (Kalender der Zentralbank; Interfax-Berichte, Kommersant-Berichte)

Finanzpolitik; Staatshaushalt (Interfax-Berichte)

Energiewirtschaft, Kraftstoffversorgung, Infrastruktur (DW auf Russisch: Treibstoffkrise)

Außenwirtschaft, Sanktionen; Tagesschau: Russland Sanktionen

Politisches Umfeld; BR24: Russland

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Der Autor
Klaus Dormann

Autor bei ostwirtschaft.de. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Russland und den GUS-Staaten.

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