Armeniens Wirtschaft wächst um 6,9%: Der Bau legt um 24,9% zu, die Industrie schrumpft im September um 4,5%
Armeniens Wirtschaftsaktivität lag von Januar bis September um 6,9% über dem Vorjahreszeitraum. Das meldet das Statistikkomitee Armeniens. Im September allein wuchs sie um 5% zum Vorjahresmonat. Gegenüber dem August legte sie um 9,1% zu. Der Bau trägt den Aufschwung: Er legte in neun Monaten um 24,9% zu.
Bau und Dienstleistungen tragen, die Industrie bremst
Die Dienstleistungen ohne Handel wuchsen um 13% auf 3,46 Bio. Dram. Im September lagen sie 15,1% über dem Vorjahresmonat. Die Bauleistung betrug 583,8 Mrd. Dram. Im September stieg sie um 25,9% zum Vorjahresmonat auf 112,2 Mrd. Dram. Die Industrie legte über neun Monate um 5,8% auf 2,36 Bio. Dram zu. Im September schrumpfte sie jedoch um 4,5% zum Vorjahresmonat.
Der Handelsumsatz wuchs nur um 0,6% auf 5,0 Bio. Dram. Im September stagnierte er zum Vorjahresmonat. Die Landwirtschaft verlor 4,8% und kam auf geschätzte 677,1 Mrd. Dram. Die Stromerzeugung stieg in neun Monaten um 3,6% auf 6,958 Mrd. Kilowattstunden. Im September lag sie mit 689,5 Mio. Kilowattstunden 9,8% unter dem Vorjahresmonat. Nicht eingerechnet ist der Strom, den autonome Erzeuger über Börsen verkauften: 764,5 Mio. Kilowattstunden im September.
Die Zentralbank hebt den Leitzins an
Die Preise steigen schneller. Die Verbraucherpreise lagen im September um 4,3% über dem Vorjahresmonat. Über neun Monate betrug der Anstieg 4,5%. Die Erzeugerpreise der Industrie stiegen im September um 8,6% zum Vorjahresmonat. Über neun Monate lag das Plus bei 8,8%.
Die Zentralbank Armeniens reagierte am 15. September. Seit dem 16. Dezember 2025 hatte der Satz bei 6,5% gelegen. Am 4. August hatte die Zentralbank ihn noch bestätigt. Sie hob den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 6,75%. Die Inflation lag im August bei 4,4%, das Ziel liegt bei 3%. Die Kerninflation betrug 4,8%.
Zentralbankchef Martin Galstyan sagte am 15. September, das Wachstum deute auf „das Vorhandensein einer Überschussnachfrage“. Als Treiber nannte er Bau und Dienstleistungen. Er verwies auch auf das Angebot: Es bestehe das Risiko, dass sich im Inland ein Überangebot bildet. Die Energiepreise blieben hoch, weil im Nahen Osten „die Spannungen wachsen“.
Für deutsche Exporteure wächst in Armenien die Nachfrage nach Baumaschinen, Baustoffen und Anlagentechnik. Der Bau legt um ein Viertel zu. Der höhere Leitzins verteuert Kredite für Importeure und Bauherren: Zahlungsziele und Absicherung gehören in jede Verhandlung. Investoren sollten zwei Punkte beobachten: die Inflation über dem Ziel und die Industrie, die im September schwächelte.
Quellen: Statistikkomitee Armeniens (EN), Zentralbank Armeniens (EN), Armenpress (EN)
SK, Frankfurt