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71,4 % weniger Goldexporte: Usbekistan wächst, das Handelsdefizit verdoppelt sich

Usbekistans Goldexporte brechen in neun Monaten um 71,4 % auf 2,8 Mrd. US-Dollar ein, das Handelsdefizit verdoppelt sich fast auf 13,7 Mrd. US-Dollar, das BIP wächst trotzdem um 8,3 %.

71,4 % weniger Goldexporte: Usbekistan wächst, das Handelsdefizit verdoppelt sich

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

Usbekistans Goldexporte sind in den ersten neun Monaten 2026 um 71,4 % eingebrochen, von 9,8 auf 2,8 Mrd. US-Dollar. Das Handelsdefizit hat sich dadurch fast verdoppelt: von 6,9 auf 13,7 Mrd. US-Dollar. Zugleich wuchs die Wirtschaft um 8,3 % und damit stärker als im Vorjahr. Das zeigen vorläufige Zahlen des usbekischen Statistikkomitees vom 29. und 30. Oktober.

Goldanteil an den Exporten fällt von 35,9 auf 10,8 %

Die Gesamtexporte sanken um 5,5 % auf 25,8 Mrd. US-Dollar. Der Rückgang geht allein auf das Gold zurück. Ohne das Edelmetall stiegen die Warenexporte um 31,6 % auf 13,3 Mrd. US-Dollar. Die Dienstleistungsexporte legten um 31,1 % auf 9,7 Mrd. US-Dollar zu. Der Goldanteil an den Ausfuhren schrumpfte binnen eines Jahres von 35,9 auf 10,8 %. Das berichtet das usbekische Wirtschaftsportal UzDaily unter Berufung auf das Statistikkomitee. Der Umschwung kommt abrupt. Noch 2025 hatte Gold die Exportstatistik getrieben, damals mit einem Plus von 69,2 % in den ersten neun Monaten.

Hinter dem Einbruch steht eine Entscheidung der Zentralbank. Sie verkauft das Gold der staatlichen Minen kaum noch, sie hortet es. Laut dem usbekischen Nachrichtenportal Kun.uz exportierte das Land nur im April Gold für 1,5 Mrd. US-Dollar und im Juli für 1,3 Mrd. US-Dollar. Im August lag der Wert bei null. Die Goldverkäufe der Zentralbank lagen laut Kun.uz fast dreimal niedriger als im Vorjahreszeitraum. Die Goldreserven stiegen von 391,9 Tonnen Anfang Januar auf 438,6 Tonnen zum 1. September. Allein im ersten Halbjahr kaufte die Notenbank rund 50 Tonnen zu. Laut Daten des World Gold Council, die UzDaily zitiert, war das der zweitgrößte Zuwachs aller Zentralbanken weltweit. „Wir sind ein goldproduzierendes Land, und Gold macht seit Langem einen erheblichen Teil unserer Reserven aus“, sagte Zentralbankchef Timur Ischmetow im September laut UzDaily. Die Bank wolle zugleich breiter anlegen: „Unsere Richtung ist die weitere Diversifizierung: nach Anlageklassen, nach Währungen, nach Gegenparteien.“

Wachstum von 8,3 %: Handel, Transport und Bau legen zweistellig zu

Das Bruttoinlandsprodukt erreichte von Januar bis September 1.755,5 Billionen Soum. Das sind laut der aserbaidschanischen Nachrichtenagentur Trend rund 146 Mrd. US-Dollar. Das reale Plus von 8,3 % übertrifft den Vorjahreswert von 8,0 %. 2024 waren es im selben Zeitraum 6,1 %. Pro Kopf stieg die Wirtschaftsleistung real um 6,4 % auf 44,7 Mio. Soum, umgerechnet rund 3.750 US-Dollar. Die Dynamik verteilt sich breit. Handel und Gastgewerbe wuchsen um 15,1 %, Transport, Lagerei und IT-Dienste um 18,1 %, der Bau um 12,5 %. Die Industrie legte um 8,1 % zu, ihr Anteil am BIP stieg auf 26,8 %. Die Landwirtschaft wuchs nur um 4,6 %, ihr Anteil sank von 16,2 auf 15,5 %. Das Verarbeitende Gewerbe steuerte 373,1 Billionen Soum bei, ein Plus von 8,6 %. Die IT-Branche bleibt klein, wächst aber schnell: Ihr Anteil am BIP stieg binnen zwei Jahren von 2,3 auf 2,7 %. Kleinunternehmen stehen für 53,8 % der Wirtschaftsleistung. Das Statistikkomitee hat die Zahlen seit 2022 revidiert, Grundlage sind die jüngsten Bevölkerungs- und Agrarzählungen. Die Schattenwirtschaft sank laut Statistikkomitee von 23,9 auf 21,8 % des BIP.

Importe steigen um 15,7 %, fast jeder dritte Einfuhr-Dollar geht an China

Die Importe kletterten um 15,7 % auf 39,6 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 34,4 Mrd. US-Dollar auf Waren und 5,2 Mrd. US-Dollar auf Dienstleistungen. China ist mit Abstand größter Handelspartner: Der Umsatz stieg um 27,6 % auf 15,2 Mrd. US-Dollar, das sind 23,2 % des gesamten Außenhandels. Bei den Einfuhren stammen 12,9 Mrd. US-Dollar oder 32,5 % aus China. Russland folgt mit 10,5 Mrd. US-Dollar Gesamtumsatz, Kasachstan mit 4,3 Mrd. US-Dollar und einem Plus von 22,3 %. Bei den Exporten zeigt sich ein anderes Bild. Wichtigster Abnehmer ist Russland mit 3,5 Mrd. US-Dollar oder 13,6 % der Ausfuhren. Dahinter liegen China mit 2,3 Mrd. US-Dollar und Afghanistan mit 1,4 Mrd. US-Dollar. Usbekistan verkauft also vor allem in die Nachbarschaft und kauft in China ein.

Für die Außenbilanz hält die Zentralbank damit den Schlüssel in der Hand. Verkauft sie das gehortete Gold zum derzeit hohen Weltmarktpreis, dreht die Exportstatistik schnell wieder ins Plus. Allein die seit Januar angesammelten 46,7 Tonnen entsprechen beim aktuellen Preisniveau mehreren Milliarden US-Dollar. Hält sie am Horten fest, muss das Land das Rekorddefizit über Kredite und Direktinvestitionen finanzieren. Das erhöht den Druck auf den Soum und auf die Auslandsverschuldung. Mittelfristig zählt eine andere Zahl: Die Warenexporte ohne Gold wachsen mit 31,6 % schneller als die Importe. Setzt sich das fort, verliert das Golddilemma an Gewicht. Die Zahlen für das Schlussquartal zeigen, welchen Weg Taschkent wählt.

Quelle: UzDaily (BIP), UzDaily (Außenhandel), UzDaily (Gold), Kun.uz, UzDaily (Ischmetow), Trend (alle EN)

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