Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“
Usbekistans Solarpark Namangan speist seit dem 15. September mit voller Leistung von 500 MW ein. Das meldet das usbekische Wirtschaftsportal UzDaily unter Berufung auf die Gebietsverwaltung Namangan. Errichtet hat die Anlage im Bezirk Pap die deutsche Hyper Partners GmbH. Die Investitionssumme beträgt 350 Mio. US-Dollar, der Park soll pro Jahr knapp 1,1 Mrd. kWh Strom liefern. Mit 500 MW zählt die Anlage im Fergana-Tal zu den größten Solarparks des Landes.
Deutscher Investor mit Abnahmevertrag über 25 Jahre
Hyper Partners unterzeichnete das Investitionsabkommen im Januar 2024, per Präsidentenbeschluss wurde das Projekt kurz darauf bestätigt. Das berichtete UzDaily damals. Für die Umsetzung gründete das deutsche Unternehmen die Projektgesellschaft Next Solar Energy Group. Der staatliche Netzbetreiber National Electric Grids nimmt den Strom über einen Vertrag mit 25 Jahren Laufzeit ab. Auch die Anschlussleitung baute der Investor selbst.
Den Baustart gab Präsident Schawkat Mirsijojew im März 2024 persönlich frei. Die Fertigstellung gelang damit in rund zweieinhalb Jahren, die Anlage ging in mehreren Etappen ans Netz. Laut der usbekischen Staatszeitung Yangi Oʻzbekiston entstehen am Standort 120 dauerhafte Arbeitsplätze. Der Park ist Teil eines größeren Pakets: Im Bezirk Pap errichtet zudem die Tepelen Group aus den Emiraten einen zweiten Solarpark mit 500 MW und ebenfalls 350 Mio. US-Dollar Budget. Am Fluss Norin baut Uzbekhydroenergo für 434 Mio. US-Dollar eine Kaskade aus sechs Wasserkraftwerken mit 228 MW, laut Yangi Oʻzbekiston die erste vollständig mit heimischer Technik bestückte Wasserkraftanlage des Landes. Zusammen soll die Region Namangan auf 2.141 MW Kapazität und 7,8 Mrd. kWh Jahresproduktion kommen. Das übersteigt den regionalen Bedarf um rund 30 %, der Überschuss geht in Nachbarregionen.
Erneuerbare decken wachsenden Strombedarf
Der Zubau trifft auf einen Markt mit rasant steigender Nachfrage. Am 14. Juli verbrauchte Usbekistan laut Energieministerium 284 Mio. kWh an einem Tag, ein historischer Rekord. Erstmals lag die Sommerspitze über dem Wintermaximum von 283 Mio. kWh aus dem Januar. Treiber sind Klimaanlagen, Bevölkerungswachstum und neue Industriebetriebe. Das Ministerium rief die Haushalte im Hochsommer offen dazu auf, Klimageräte auf 24 bis 26 Grad zu stellen, um das Netz zu entlasten.
Die Erneuerbaren wachsen noch schneller als der Verbrauch. Bis Anfang Juni erzeugten Usbekistans Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke laut dem usbekischen Nachrichtenportal Daryo 5 Mrd. kWh, ein Plus von 28 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ende Oktober 2025 hatte das Energieministerium zwölf Solar- und fünf Windparks mit zusammen 4.682 MW gezählt, der Grünstromanteil lag bei 23 %. Im Mai 2026 meldete die Regierung bereits mehr als 5,5 GW Solar- und Windkapazität und einen Anteil von 30 % an der Erzeugung. Der Effekt zeigt sich auch beim Gas: Laut Energieministerium sparte der Grünstrom dem Land allein 2025 rund 2,7 Mrd. Kubikmeter Erdgas. Das entlastet den Export und die Versorgung der Haushalte im Winter.
Ziel 50 % bis 2030: Netz und Speicher als Engpass
Die Regierung hat ihr Ausbauziel zuletzt angehoben. Bis 2030 sollen Erneuerbare 50 % der Stromerzeugung stellen, noch im Herbst 2025 galten offiziell 40 %. Das neue Ziel verlangt in vier Jahren einen Sprung von 30 auf 50 %, bei weiter steigendem Gesamtverbrauch. Vize-Premierminister Dschamschid Chodschajew bezifferte die Direktinvestitionen in den Energiesektor im Mai auf dem Branchentreffen Energy Week auf knapp 35 Mrd. US-Dollar, berichtet das Taschkenter Nachrichtenportal Kun.uz. Seit Beginn der Reformen kamen demnach 9 GW neue Kraftwerksleistung hinzu, die Gesamtkapazität liegt bei 25,8 GW. Ziel sei, die Energie „in eine der stärksten Stützen Usbekistans für die Industrie, für Investoren, für die Bevölkerung, für die regionale Zusammenarbeit und für den grünen Umbau zu verwandeln“, sagte Chodschajew.
Offen bleibt, ob Netz und Speicher mit dem Tempo Schritt halten. Solarstrom fällt an Winterabenden weitgehend aus, genau dann heizt das Land mit Gas und Strom. Die Sommerspitzen wiederum treffen auf ein Übertragungsnetz aus Sowjetzeiten, das die neuen Kraftwerke erst einmal aufnehmen muss. Die Regierung plant deshalb bis 2030 rund 7.000 Kilometer neue Übertragungsleitungen. In Taschkent entsteht mit dem Investor AMEA Power aus den Emiraten zudem ein Batteriespeicher mit 150 MW Leistung für 86,1 Mio. US-Dollar.
Für deutsche Anbieter von Netztechnik, Speichern, Wechselrichtern und Wartung öffnet sich damit ein wachsender Markt. Der Vollbetrieb in Namangan liefert zugleich einen Referenzwert: Ein Solarpark mit 500 MW lässt sich in Usbekistan derzeit in rund zweieinhalb Jahren vom Vertrag bis zur vollen Einspeisung bringen. Das ist ein Tempo, das in der Region sonst nur Golf-Investoren vorlegen.
Quelle: UzDaily, UzDaily, Yangi Oʻzbekiston, Yangi Oʻzbekiston, Kun.uz, Daryo (alle EN)


