Die ersten Rohöllieferungen über die Druschba-Pipeline nach der Wiederinbetriebnahme sind in der Ukraine eingetroffen. Das teilte der ungarische Ölkonzern MOL am 22. April in einer Mitteilung mit.
Demnach informierte der ukrainische Pipelinebetreiber Ukrtransnafta MOL darüber, dass die Ukraine im Laufe des Tages wieder Rohöl aus Belarus über das Pipelinesystem empfängt. Gleichzeitig wurde bestätigt, dass die Weiterleitung nach Ungarn und in die Slowakei wieder aufgenommen werden kann.
Die seit dem 27. Januar geltende Regelung höherer Gewalt endete am 21. April um 18 Uhr, nachdem die notwendigen Reparaturarbeiten abgeschlossen worden waren. Die ersten Lieferungen nach Ungarn und in die Slowakei werden spätestens am 23. April erwartet.
Nutzung strategischer Reserven
Während der Unterbrechung hatte Ungarn auf seine strategischen Rohöl- und Kraftstoffreserven zurückgegriffen, um die Versorgung sicherzustellen und alternative Lieferungen über Seewege zu organisieren. Ein Teil dieser Reserven wurde im Laufe der vergangenen Wochen genutzt.
Die Bestände waren Anfang April auf ein historisch niedriges Niveau gesunken, befinden sich nun jedoch wieder im Aufbau. Marktbeobachter führen den Rückgang unter anderem auf eine erhöhte Nachfrage infolge staatlicher Preismaßnahmen sowie auf eingeschränkte Liefermöglichkeiten zurück.
Parallel dazu erhöhte Ungarn seine Importe über alternative Routen, insbesondere über Kroatien. Die Kapazität dieser Verbindungen bleibt jedoch begrenzt. Zusätzliche Herausforderungen ergaben sich durch technische Einschränkungen in einer Raffinerie von MOL, die derzeit nicht vollständig ausgelastet ist.
Auch die Slowakei griff zeitweise auf eigene Reserven zurück. Branchenvertreter betonen, dass die Wiederaufnahme der Pipeline-Lieferungen zwar zur Stabilisierung beiträgt, jedoch nicht alle Engpässe vollständig beseitigt.
Der ungarische Erdölverband MASZ erklärte, dass die Wiederaufnahme der Druschba-Lieferungen die Versorgungssicherheit verbessert, mögliche Engpässe bei raffinierten Produkten jedoch weiterhin bestehen können.
Zudem wiesen Branchenverbände darauf hin, dass regulatorische Maßnahmen im Inland die Nachfrage zusätzlich beeinflussen und damit kurzfristig Druck auf die Versorgung ausüben können.
Politische und wirtschaftliche Dimension
Die Unterbrechung der Lieferungen hatte zuletzt auch politische Diskussionen ausgelöst. Ungarn und die Slowakei hatten auf eine Lösung gedrängt, um die Energieversorgung sicherzustellen. In diesem Zusammenhang wurden Fragen der Energiepolitik und der europäischen Zusammenarbeit intensiv diskutiert.
Die Wiederaufnahme des Transits erfolgt nun parallel zu Fortschritten bei europäischen Finanzhilfen für die Ukraine, die in den vergangenen Wochen ebenfalls Gegenstand intensiver Verhandlungen waren.
Mit der Wiederinbetriebnahme der Pipeline entspannt sich die Lage vorerst. Dennoch bleibt die Versorgungssituation in der Region von verschiedenen Faktoren abhängig, darunter Infrastruktur, Marktbedingungen und politische Abstimmungen.
