Der Besuch von US-Vizepräsident JD Vance in Budapest hat eine Reihe weitreichender Vereinbarungen zwischen Ungarn und den Vereinigten Staaten hervorgebracht. Im Zentrum stehen Energie, Verteidigung und Technologie – also genau jene Felder, in denen Regierungen derzeit strategische Abhängigkeiten neu justieren.
Besonders deutlich wird das im Energiesektor. Der ungarische Ölkonzern MOL vereinbarte den Kauf von 510.000 Tonnen US-Rohöl im Wert von rund 500 Millionen Dollar. Noch gewichtiger ist jedoch die nukleare Komponente der Reise: Washington unterstützt eine Vorstudie für den möglichen Einsatz von bis zu zehn kleinen modularen Reaktoren amerikanischer Bauart in Ungarn. Das geschätzte Volumen dieses Projekts liegt bei 20 Milliarden Dollar.
Flankiert wird das Vorhaben durch eine weitere Vereinbarung zwischen Westinghouse und dem staatlichen Energieunternehmen MVM. Sie betrifft zum einen die Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerks Paks 1, zum anderen die Zusammenarbeit bei kleinen modularen Reaktoren. Zudem soll Westinghouse Ungarn mit Kernbrennstoff beliefern. Damit gewinnt die US-ungarische Energiepartnerschaft eine strategische Tiefe, die über symbolische Absichtserklärungen klar hinausgeht.
Aufrüstung, Satelliten, digitale Infrastruktur
Auch sicherheitspolitisch setzte der Besuch deutliche Signale. Ungarn kündigte an, US-amerikanische HIMARS-Raketensysteme im Wert von 700 Millionen Dollar beschaffen zu wollen. Das Weiße Haus stellte den Kauf in den Kontext der NATO-Ostflanke und sprach von einem Beitrag zur kollektiven Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses.
Begleitet wird die Beschaffung von einem Verteidigungsmemorandum zwischen L3 Harris und dem börsennotierten ungarischen Unternehmen 4iG. Ziel ist die Integration von Kommunikationstechnologie in das HIMARS-System, um die Kompatibilität mit NATO- und US-Strukturen zu sichern. Parallel dazu starteten Northrop Grumman und 4iG eine gemeinsame Initiative zur Entwicklung des ersten geostationären Satelliten Ungarns bis 2030.
Auch im zivilen Technologiesektor wurden Projekte vereinbart. Microsoft schloss mit der ungarischen Regierung und der Gabor-Denes-Universität Abkommen über KI- und Digitalprogramme für kleine und mittlere Unternehmen. Hinzu kommt eine separate Vereinbarung zur Absicherung der digitalen Infrastruktur des öffentlichen Sektors über Cloud-Lösungen. Im Gesundheitsbereich planen GE Healthcare und die Semmelweis-Universität den Aufbau eines onkologischen Exzellenzzentrums.
