Die slowenische Großbank NLB greift erneut nach der Addiko Bank. Das Institut aus Ljubljana kündigte an, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die österreichische Bank vorzulegen und dabei 29 Euro je Aktie zu bieten.
Mit diesem Schritt unternimmt NLB einen zweiten Anlauf, nachdem ein erster Übernahmeversuch vor zwei Jahren gescheitert war. Damals hatten zwar Aktionäre mit mehr als einem Drittel der Anteile zugestimmt, doch die von NLB gesetzte Mindestschwelle von 75 Prozent wurde klar verfehlt.
Diesmal setzt die Bank auf ein deutlich attraktiveres Angebot. Der gebotene Preis liegt klar über dem gewichteten Sechsmonatsdurchschnittskurs der Addiko-Aktie und auch spürbar über dem jüngsten Schlusskurs. Zugleich übertrifft die Offerte ein konkurrierendes, unverbindliches Angebot der Raiffeisen Bank International, die zu Wochenbeginn 23,05 Euro je Aktie ins Spiel gebracht hatte.
Zweiter Anlauf mit höherem Angebot
NLB argumentiert, das Angebot sei nicht nur finanziell attraktiv, sondern könne auch die seit Längerem bestehende Unsicherheit über die Eigentümerstruktur der Addiko Bank beenden. Für die Aktionäre soll damit ein klarer Ausstiegspfad geschaffen werden.
Strategisch passt der Vorstoß ins Bild. Addiko ist in mehreren Ländern des ehemaligen Jugoslawiens aktiv und gilt vor allem im Privatkunden- und KMU-Geschäft als interessant. Hinzu kommt eine vergleichsweise starke digitale Ausrichtung. Genau darin sieht NLB den Reiz der Transaktion.
NLB-Chef Blaž Brodnjak bezeichnete Addiko als attraktive und strategisch sinnvolle Übernahmechance. Das Institut ergänze das Universalbankenmodell der NLB-Gruppe und stütze deren langfristige Wachstumspläne. Für Kunden von Addiko könne ein Zusammenschluss den Zugang zu einem breiteren Angebot an Produkten und Dienstleistungen eröffnen.
Gleichzeitig machte Brodnjak deutlich, dass NLB die Schlüsselkräfte von Addiko halten wolle. Der Erhalt des Know-hows und der operativen Substanz sei entscheidend, um den Wert des Geschäftsmodells nicht zu gefährden.
Integration und strategische Ziele
Auch finanziell rechnet NLB mit einem mittelfristig positiven Effekt. Im ersten vollen Jahr nach Abschluss soll die Übernahme ergebnisneutral bleiben, im zweiten Jahr dann einen positiven Beitrag zum Gewinn leisten. Addiko wies Ende 2025 risikogewichtete Aktiva von 3,9 Milliarden Euro aus – ein Volumen, das ungefähr dem Umfang der geplanten Akquisition entspricht.
Operativ plant NLB, die Geschäfte von Addiko in fünf Märkten mit Überschneidungen zu integrieren. Für Tochtergesellschaften außerhalb der Europäischen Union will die Bank dagegen gesondert prüfen, ob ein Verbleib wirtschaftlich sinnvoll ist oder ein Verkauf zum Marktwert die bessere Lösung wäre.
Noch ist der Deal allerdings alles andere als sicher. NLB braucht nicht nur eine bedeutende Mehrheitsbeteiligung, sondern auch die Zustimmung der Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden. Hinzu kommen die üblichen Bedingungen, die bei grenzüberschreitenden Bankübernahmen erfüllt sein müssen.
Fest steht jedoch schon jetzt: Mit ihrem neuen Angebot erhöht NLB den Druck im Ringen um Addiko deutlich. Die Bank aus Ljubljana will ihre Rolle als führende Finanzgruppe mit Sitz in Südosteuropa weiter ausbauen – und sieht in Addiko offenbar einen entscheidenden Baustein dafür.
