Autor: Klaus Dormann
Das „Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche“ hat am 01. Juli in seiner „Sommerprognose“ für die Konjunkturentwicklung der Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa seine Prognose für das diesjährige Wachstum der russischen Wirtschaft weiter gesenkt. Das wiiw erwartet jetzt nur noch einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion um 0,6%. Anfang Februar hatte es der russischen Wirtschaft 2026 noch ein doppelt so starkes Wachstum zugetraut (+1,2%).
Die wiiw-Prognose folgt weitgehend der Analysten-Umfrage der Zentralbank
Das wiiw folgt damit dem Trend bei der Analysten-Umfrage der russischen Zentralbank. Anfang Juni erwarteten die Teilnehmer dieser Umfrage im Mittelwert für 2026 bereits nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent in Russland. Zuvor hatte Anfang Mai die russische Regierung ihre Wachstumsprognose für 2026 überraschend stark auf 0,4 Prozent gesenkt. Mit einem ähnlich schwachen Wachstum wie die Regierung rechnet das Moskauer „Zentrum für makroökonomische Analysen und kurzfristige Prognosen“ (CMASF). Es geht schon seit Jahresbeginn in seinen monatlichen Prognosen davon aus, dass der BIP-Anstieg im laufenden Jahr auf bis zu 0,5 Prozent sinken kann.
Für 2027 erwartet das CMASF ein Anziehen des Wachstums auf höchstens 1,2 Prozent, ähnlich wie das wiiw (+1,3 Prozent). CMASF und wiiw bleiben damit knapp unter der Wachstumsprognose der russischen Regierung für 2027 (+1,4 Prozent) und dem Ergebnis der letzten Zentralbank-Umfrage für das Wachstum im nächsten Jahr (+1,5 Prozent).
Die Frankfurter DekaBank, das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen, hat ihre Prognose für das diesjährige Wachstum der russischen Wirtschaft bereits Anfang Juni – wie zuvor die Regierung – auf 0,4 Prozent gesenkt. In der letzten Woche nahm sie auch ihre Prognose für das nächste Jahr weiter von 1,0 auf nur noch 0,8 zurück.
Die große Mehrheit der Prognosen für das diesjährige Wachstum der russischen Wirtschaft liegt mittlerweile zwischen 0,4 und 1,0 Prozent. Im nächsten Jahr rechnen fast alle Beobachter mit einem leichten Anziehen des Wachstums. Die Prognosen des Münchner ifo Instituts fallen aber aus diesem Rahmen. Ifo rechnet damit, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr in eine Rezession abstürzt (-0,7 Prozent), im nächsten Jahr aber um 2,0 Prozent wächst.
BIP-Prognosen für Russland 2024 bis 2027
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

DekaBank: Im ersten Quartal 2026 sank Russlands BIP um 0,2 Prozent
Die folgende Abbildung der DekaBank aus der Juli-Ausgabe der „Emerging Markets Trends“ macht deutlich, wie stark sich Russlands Wirtschaftswachstum abgeschwächt hat. Der Konjunkturschub der Kriegsausgaben, der die Produktion der russischen Wirtschaft 2023 um 4,1 Prozent und 2024 um 4,9 Prozent steigen ließ, führte 2025 nur noch zu einem Wachstum von 1,0 Prozent. Im ersten Quartal 2026 kam es zu einer Schrumpfung des realen BIP um 0,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Reales Bruttoinlandsprodukt,
Veränderungen gegenüber Vorjahresquartal in Prozent

DekaBank: Emerging Markets Trends, 02.07.26
Die Probleme verschärfen sich aktuell: Kraftstoffe sind knapp
Im zweiten Quartal 2026 könnte es nach Einschätzung der DekaBank zwar eine temporäre Belebung der russischen Wirtschaft gegeben haben, weil die Energiepreise wegen der Sperrung der Straße von Hormus zeitweilig stark gestiegen sind und die US-Sanktionen gegen die russische Ölindustrie teilweise ausgesetzt wurden. Dennoch meint die Bank aber, dass sich die wirtschaftlichen Probleme in Russland verschärfen. Sie weist vor allem auf Probleme bei der Versorgung mit Kraftstoffen und den Anstieg des Defizits im Staatshaushalt hin. Zusammengefasst schreibt die Bank dazu:
Als Folge der ukrainischen Drohnenangriffe wurden acht der zehn größten und mehrere kleinere Raffinerien getroffen. Offizielle Statistiken zur Kraftstoffproduktion werden seit 2024 zwar nicht mehr veröffentlicht. Die langen Schlangen an den Tankstellen und die regionalen Verkaufsbeschränkungen deuten aber auf eine ausgeprägte Knappheit zumindest bei Benzin hin. Doch auch Diesel, der in erster Linie für das Transportgewerbe und die Landwirtschaft wichtig ist, scheint regional bereits knapp zu werden.
Die Kraftstoffkrise verheißt eine neue Teuerungswelle sowohl im Güter- als auch im Dienstleistungsbereich. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen seitens der Zentralbank wird damit eingeschränkt.
Der liquide Teil des Reservefonds ist stark gesunken
Als einen weiteren Problembereich nennt die DekaBank das steigende Haushaltsdefizit. Unter der Last der Militärausgaben (rund 30% der Gesamtausgaben) erreichte die Defizitquote trotz Steuer- und Abgabenerhöhungen bereits bis Mai 2,6% des BIP. Für das Gesamtjahr geplant ist aber ein Defizit von lediglich 1,6% des BIP. Die aktuelle Kraftstoffkrise dürfte den Haushalt auf der Ausgabenseite zusätzlich belasten, während die Einnahmen mit den sinkenden Ölpreisen gleichzeitig zurückgehen werden.
Die angesparten fiskalischen Reserven Russlands reichen, so die DekaBank, nicht mehr aus, um „das Budgetloch zu stopfen“. Der frei verfügbare liquide Teil der Reserven ist von fast 6% des BIP im Jahr 2021 auf nur noch 1,8% des BIP gesunken (siehe folgende Abbildung).

DekaBank: Emerging Markets Trends, 02.07.26
Als Lösung für 2026 greift das Finanzministerium nun laut der DekaBank zu zusätzlicher Verschuldung. Nach Einschätzung der Bank kann das zwar „kurzfristig funktionieren“. Mittelfristig werde es jedoch „zu noch mehr makroökonomischer Instabilität“ führen.
Bei schwachem Wirtschaftswachstum steigt 2026 und 2027 das Haushaltsdefizit
Die DekaBank erwartet, dass Russlands Defizit im Bundeshaushalt von 2,6 Prozent des BIP im Jahr 2025 im laufenden Jahr auf 3,4 Prozent steigt und 2027 3,8 Prozent des BIP erreicht.
Der im internationalen Vergleich immer noch niedrige Anteil der öffentlichen Schulden am Bruttoinlandsprodukt dürfte damit bis 2027 auf 20 Prozent zunehmen.

DekaBank: Emerging Markets Trends, 02.07.26
Zentralbank-Vizepräsident: Die Kraftstoff-Krise drückt die Industrieproduktion
Die Krise auf dem Kraftstoffmarkt wird sich auf die Wirtschaftsleistung Russlands im zweiten Quartal 2026 auswirken, meinte auch der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank, Alexei Zabotkin, am Rande des Finanzkongresses der „Bank von Russland“.
„Dies zeigt sich deutlich an den Daten zur Industrieproduktion für April und Mai: Wir haben einen recht deutlichen Produktionsrückgang im Brennstoffsektor verzeichnet. Das wird sich natürlich im BIP-Niveau des zweiten Quartals niederschlagen“.
Zabotkin glaubt aber nicht, dass die „Kraftstoff-Krise“ nach dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal um 0,2 Prozent im zweiten Quartal zu einem erneuten Rückgang der Produktion im Vorjahresvergleich führen wird.
Zuvor hatte Zentralbankpräsidentin Nabiullina in der Pressekonferenz nach der letzten Leitzinssenkung das jährliche BIP-Wachstum für den Zeitraum Januar bis April auf 0,3% geschätzt. Für das erste Halbjahr prognostizierte sie ein Wachstum von rund 0,5% (Interfax.ru).
wiiw: Russland steckt „in einer veritablen Stagnation“
Das „Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche“ prognostiziert für Russlands gesamtwirtschaftliche Produktion im Gesamtjahr 2026 nur noch ein „minimales“ Wachstum von 0,6%, 0,3 Prozentpunkte weniger als in seiner „Frühjahrprognose“ Ende April. Im Jahr 2027 werde das Wachstum dann auf 1,3% anziehen (Frühjahrsprognose: 1,5%).
Obwohl die Einnahmen Russlands aus dem Energiebereich mit dem Preisanstieg wegen des Iran-Krieges vorübergehend gewachsen sind, steckt das Land laut der Pressemitteilung des wiiw „in einer veritablen Stagnation“. Vasily Astrov, Russland-Experte des wiiw, erklärt das so:
„Der wichtigste Grund dafür ist die immer noch zu restriktive Geldpolitik der Notenbank, die die Wirtschaft abwürgt, weil sie die Kreditaufnahme vor allem für Käufe langlebiger Konsumgüter sowie Investitionen prohibitiv teuer macht.“
Das Institut weist darauf hin, dass die Investitionstätigkeit im ersten Quartal 2026 um rund 14% gesunken sei – auch aufgrund der trüben Wirtschaftsaussichten und der ausgeschöpften Möglichkeiten für den Ersatz von Importen durch russische Produkte.
Zu den wirtschaftlichen Folgen der „massiven ukrainischen Drohnenangriffe“ auf russische Energieanlagen meint das wiiw, Schätzungen zufolge sei bereits ein Drittel der russischen Raffineriekapazitäten durch die Angriffe lahmgelegt worden. Russland-Experte Astrov:
„Vielerorts gibt es Versorgungsengpässe bei Treibstoff. Das wird natürlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit im Land haben und war neben den Internetsperren, der Kriegsmüdigkeit und der Konjunkturflaute ein Mitgrund dafür, dass die Popularität von Präsident Putin zuletzt deutlich nachgelassen hat.“
Astrov betont aber gleichzeitig, dass Russland dennoch weiterhin in der Lage sein werde, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen und zu finanzieren.
wiiw-Country Overview: Die Inflationsrate sinkt 2027 auf 4 Prozent
In seinem aktualisierten „Länderüberblick Russland“ merkt das wiiw zur Entwicklung der Produktion an, dass sich der Anstieg der Industrieproduktion in den in den ersten vier Monaten um 0,3 % hauptsächlich aus dem weiteren Wachstum der Produktion von Rüstungsgütern ergeben habe. Der private Konsum entwickele sich hingegen „recht stabil“: Der Einzelhandelsumsatz sei real um 4,3 % gestiegen.

wiiw Country Overview: Russia
Die Prognosen des wiiw zum Anstieg der Verbraucherpreise folgen weitgehend der „Mittelfristigen Prognose“ der Zentralbank. Im laufenden Jahr werde die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt auf 5,7 Prozent sinken (Zentralbank-Prognose: 5,1 bis 5,6 Prozent). 2027 erwartet das wiiw wie die Zentralbank, dass das von der Zentralbank angestrebte Inflationsziel von 4,0 Prozent erreicht wird.
Die DekaBank rechnet in Russland hingegen mit einer deutlich höheren Inflation. 2026 werde die Rate nur auf 6,3 Prozent sinken und 2027 kaum weiter auf 6,0 Prozent abnehmen.
Kontroverse Prognosen zur Entwicklung des Budgetdefizits
Auch die Entwicklung des Haushaltsdefizits schätzt das wiiw viel günstiger ein als die DekaBank.
Das wiiw rechnet mit einer Halbierung der Defizitquote von 3,9 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf nur noch 1,9 Prozent im Jahr 2027. Bei der vom wiiw angegebenen Defizitquote handelt es sich allerdings nicht um die meistens genannte Defizitquote im russischen Bundeshaushalt, sondern um die Defizitquote im „konsolidierten Staatshaushalt“ (Summe der Defizite des Bundeshaushalts, der Regionalhaushalte und der staatlichen außerbudgetären Fonds; siehe: The Moscow Times).
Die DekaBank erwartet gleichzeitig einen Anstieg der Defizitquote im Bundeshaushalt von 2,6 Prozent im Jahr 2025 auf 3,8 Prozent im Jahr 2027 (siehe zur Entwicklung des Bundeshaushalts zum Beispiel auch bne Intellinews).
Von Januar bis Mai 2026 belief sich die Defizitquote im Bundeshaushalt ebenfalls auf 2,6 Prozent des BIP (TASS).
Finanzminister Siluanow: Das Haushaltsdefizit wird 2026 „leicht steigen“
Auf dem SPIEF in St. Petersburg und zuvor in einem Interview mit der Zeitung Kommersant äußerte sich Finanzminister Siluanow zur Haushaltsentwicklung. Er erklärte, das diesjährige Defizit im Bundeshaushalt werde im Vergleich zu den bisher geplanten 1,6% des BIP nur „leicht steigen“. Das solle aber „keine wesentlichen Änderungen des Inlandsverschuldungsvolumens nach sich ziehen“. Grund für die Revision seien „veränderte makroökonomische Rahmenbedingungen gegenüber den ursprünglichen Planungen sowie die Notwendigkeit, die Ressourcen stärker auf wichtige Prioritäten“ (Finam.ru).
- BOFIT: Die Ausgaben im Bundeshaushalt steigen weiter rasant an
Das Forschungsinstitut BOFIT der finnischen Zentralbank meint hingegen in seinem jüngsten Wochenbericht zur Entwicklung des Bundeshaushalts:
„Die Ausgaben des russischen Bundeshaushalts sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sprunghaft angestiegen und haben die im offiziellen Haushaltsplan vorgesehene Erhöhung von wenigen Prozent deutlich übertroffen. Vorläufigen Zahlen zufolge stiegen die Ausgaben im Bundeshaushalt in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent.“
„Das Wachstum der Einnahmen konnte mit dem Ausgabenwachstum nicht Schritt halten. Von Januar bis Mai entsprachen die Gesamteinnahmen des Bundeshaushalts dem Vorjahreszeitraum.
Die Öl- und Gaseinnahmen lagen nach einem schwachen Jahresbeginn weiterhin 30% unter dem Vorjahreswert. Der durch den Iran-Krieg bedingte Anstieg der Ölpreise machte sich erst im Mai im russischen Haushalt bemerkbar, als die Öl- und Gaseinnahmen um 33% gegenüber dem Vorjahr stiegen. Die Auswirkungen der hohen Ölpreise auf die Haushaltseinnahmen wurden jedoch teilweise durch staatliche Ausgleichszahlungen kompensiert. Mit diesen sollten Ölraffinerien dazu bewegt werden, ihre Produkte an inländische Verbraucher zu verkaufen statt sie zu exportieren.
Die übrigen Einnahmen im Bundeshaushalts wuchsen vor allem dank höherer Mehrwertsteuereinnahmen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 12% gegenüber dem Vorjahr.
Das Haushaltsdefizit des Bundes stieg von Januar bis Mai auf 6 Milliarden Rubel (2,6% des BIP) – das Doppelte des für das gesamte Jahr 2026 veranschlagten Betrages.
Das Defizit im russischen Bundeshaushalt steigt an
Mrd. Rubel und %-Anteil des Defizits am BIP
(gleitende Summe der letzten 12 Monate)

BOFIT, Bank of Finland: Russia faces increasing challenges in balancing its economic policies; 03.07.26
BOFIT: Russlands Wirtschaftspolitik steht vor zunehmenden Herausforderungen
Insgesamt sieht BOFIT die russische Regierung „bei der Ausbalancierung ihrer Wirtschaftspolitik“ vor zunehmenden Herausforderungen. Das Institut begründet das so:
„Die steigenden Kosten des Ukraine-Krieges haben die russische Regierung zu höheren Ausgaben gezwungen, wodurch das Haushaltsdefizit weiter anstieg.
Das hohe Ausgabenwachstum verstärkt den Inflationsdruck und erschwert der Zentralbank eine Senkung des Leitzinses. Die hohen Zinsen bremsen die Investitionen und schmälern die Gewinne, insbesondere bei Unternehmen ohne Zugang zu staatlich subventionierter Finanzierung. …
Die hohen Zinsen erhöhen auch die Kosten für den Schuldendienst, was besonders besorgniserregend ist, weil Russlands steigendes Defizit durch Aufnahme von Schulden finanziert wird.“
CMASF: Was läuft aktuell „gut“ und was „schlecht“ in der russischen Wirtschaft?
Das Moskauer „Zentrum für makroökonomische Analysen und kurzfristige Prognosen“ hat in seinem Juli-Konjunkturbericht „Analyse makroökonomischer Trends“ wieder eine Liste wichtiger positiver und negativer aktueller Entwicklungen zusammengestellt. Eine Auswahl:
„Gut“ ist:
- Die relativ günstige Lage auf den internationalen Öl- und Metallmärkten hält an.
- Das Wachstum des privaten Konsums hat wieder eingesetzt.
- Das Wachstum der Reallöhne setzt sich fort.
- Das Wachstum im Großhandel hat wieder eingesetzt (wahrscheinlich ein Indiz für ein Anziehen des gesamtwirtschaftlichen Wachstums).
- Von der staatlichen Haushaltspolitik kommt ein positiver Konjunkturimpuls.
Anzeichen für eine Verbesserung sind:
- Die Zentralbank senkt ihren Leitzins weiterhin (langsam).
- Die Rentabilität in der Industrie hat sich leicht verbessert.
- Die Einschätzung der Bevölkerung hinsichtlich ihrer persönlichen finanziellen Situation hat sich etwas verbessert.
„Schlecht“ ist:
- In den meisten „zivilen“ Industriezweigen stagniert die Produktion oder sie sinkt.
- Der Investitionsrückgang verstärkt sich, vor allem bei Maschinen und Anlagen.
- Die real verfügbaren Einkommen der Bevölkerung sind saisonbereinigt gesunken (was höchstwahrscheinlich auf sinkende Erträge aus Finanzanlagen zurückzuführen ist).
- Ein spürbarer Inflationsimpuls ist entstanden. Er hat jedoch einen deutlich „nicht-monetären Charakter“. Die Hauptursachen für den Preisschub sind steigende Preise für Obst und Gemüse, steigende Kraftstoff-Preise sowie steigende Belastungen durch Zölle im Bereich „Inlandstourismus und Freizeit“.
Anzeichen einer Verschlechterung sind:
- Die Zunahme des Zustroms konkurrierender Importe.
- In der Einkommensstruktur des BIP hat sich der Anteil der Gewinne (das verfügbare Investitionskapital) verringert, während der Anteil der Löhne stieg.
- Die negative Einschätzung der Konjunktur durch das Management hält an.
- Die Zinsbelastung der Unternehmen ist extrem hoch.
Das CMASF zieht folgendes Fazit:Bei einigen makroökonomischen Indikatoren wurde zwar eine Erholung festgestellt. Vor dem Hintergrund des starken Investitionsrückgangs dürfte das BIP-Wachstum in diesem Jahr aber selbst unter Berücksichtigung der verbesserten außenwirtschaftlichen Lage ein Prozent nicht übersteigen.
In seiner „Basisversion der makroökonomischen Prognose für den Zeitraum 2026-2029“ rechnet das CMASF für 2026 mit einem BIP-Wachstum von 0,5 bis 0,8 Prozent und für 2027 mit einem Wachstum von 0,9 bis 1,2 Prozent.
In den ersten fünf Monaten 2026 wuchs die Wirtschaft nur um 0,2 Prozent
Laut dem russischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung setzte sich das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Mai 2026 fort. Das reale Bruttoinlandsprodukt war laut ersten Schätzungen 0,3% höher als im Mai des Vorjahres. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 wuchs die Wirtschaft um 0,2% im Jahresvergleich, genauso wie bereits in den ersten vier Monaten, heißt es in dem Bericht des Ministeriums.
Weitere Ergebnisse der Konjunkturentwicklung bis einschließlich Mai
In den sogenannten „Kernbereichen“ der russischen Wirtschaft stagnierte die Produktion im Mai 2026 auf dem im Vorjahresmonat erreichten Niveau. Der Index der Produktion in den Kernbereichen wird auf der Grundlage von Daten über Veränderung des Produktionsvolumens im Bereich der Industrie, der Landwirtschaft, des Baugewerbes, des Güterumschlags im Transportwesen sowie des Einzel- und Großhandels berechnet. Im Zeitraum Januar bis Mai 2026 sank die Produktion in diesen Kernbereichen im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 0,1%.
Die Industrieproduktion sank im Mai 2026 im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 0,7% (Januar bis Mai: +0,4%). Dabei nahm die Produktion im Bereich „Bergbau“ im Mai um 2,7% ab. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg sie um 0,5%.
Der Rückgang der Produktion in der Erdölverarbeitung verstärkte sich deutlich: Laut Rosstat sank die Produktion von Koks und Erdölprodukten im Mai um 13,5% gegenüber dem Vorjahr, was mit den verstärkten Angriffen auf Ölraffinerien zusammenhängen dürfte (Olga Belenkaya in Finam.ru).
Der Großhandel legte im Mai um 2,1% zu (Januar-Mai: +0,6%).
Der Gütertransport stieg im Mai auch um 2,1% (Januar-Mai: -1,1%).
Die Bauproduktion sank im Mai um 4,4% (Januar-Mai: -7,4%).
Die landwirtschaftliche Produktion war im Mai 0,2% niedriger als im Vorjahr (Januar bis Mai: Stagnation auf dem Vorjahresniveau).
Der reale Umsatz im Einzelhandel stieg im Mai um 7,8% (Januar-Mai: +5,0%).
Konjunkturindikatoren Mai 2026 im Vergleich mit Mai 2025
Veränderungen gegenüber Vorjahr in %

Olga Belenkaya; Finam.ru:
Ergebnisse Mai 2026: Beschleunigtes Konsumwachstum, Industrie mit Verlusten; 02.07.26
Lesetipps:
Deutsch-Russische Auslandshandelskammer:
Analysen, deutsch; auch russisch; (Auswahl):
- Benzinkrise in Russland, 30.06.26
- Kleiner Zinsschritt dämpft Unternehmerhoffnungen, 23.06.26
- Prof. Dr. Alexander Libman im Gespräch mit Thomas Baier im Podcast „Zaren, Daten, Fakten“ der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer: Russlands Wirtschaft: Zwischen Stagnation und Rezession, 27 Min., In dieser Episode erläutert Prof. Alexander Liebmann von der Freien Universität (FU) Berlin, dass sich die russische Wirtschaft wie von ihm vorhergesagt in Richtung Stagflation entwickelt hat: Das Wachstum ist nahe null bei weiterhin hoher Inflation. Die Zentralbank sieht er nicht als Hauptverursacher der wirtschaftlichen Abkühlung, da strukturelle Faktoren wie Arbeitskräftemangel, Vollbeschäftigung und hohe Militärausgaben das Wachstum begrenzen; 16.06.26
Konjunkturprognosen:
- DekaBank: Emerging Markets Trends, Russland: Benzinknappheit wegen ukrainischer Angriffe, 02.07.26
- CMASF: Prognose der sozioökonomischen Entwicklung Russlands für 2026–2029, 01.07.26
wiiw Sommerprognose:
- bne Intellinews; Clare Nuttall: Central, Eastern and Southeast Europe growth holds firm in 2026, says wiiw; 01.07.26
- Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche; wiiw: Sommerprognose 2026;
Andreas Knapp: Sommerprognose: Iran-Krieg wird nur geringe Auswirkungen auf das Wachstum in Osteuropa haben, 01.07.26; Press Releases: English; German - wiiw Country Overview: Russia; Weitere Presseberichte: wiiw in the press
- „Die Presse“-Podcast „Russland – Gas, Sanktionen, Oligarchen“; Eduard Steiner im Gespräch mit Vasily Astrov, wiiw: Befindet sich Russlands Wirtschaft tatsächlich im Endstadium? 38 Min., 17.06.26
Aktuelle Konjunkturentwicklung
- BOFIT, Bank of Finland: Russia faces increasing challenges in balancing its economic policies; Weekly Review 27/2026, 03.07.26
- Lenta.ru: Die Zentralbank hat die Bedingungen für ein nachhaltiges Wachstum der russischen Wirtschaft ermittelt. Um das russische BIP wieder auf ein nachhaltiges Wachstum zurückzuführen, muss die Arbeitsproduktivität gesteigert werden. 03.07.26
- Interfax.ru: Der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank geht davon aus, dass die Treibstofflage das BIP-Wachstum im zweiten Quartal beeinträchtigen wird; 03.07.26
- Interfax.ru: Laut Zentralbank wächst der Reallohn schneller als die Produktivität, 03.07.26
- Olga Belenkaya; Finam.ru: Ergebnisse Mai 2026: Beschleunigtes Konsumwachstum, Industrie mit Verlusten; 02.07.26
- Prime.ru: Ein Experte erläuterte die Faktoren, die das russische BIP-Wachstum im Mai begünstigten. Nametkin: Der Konsumsektor stützte das russische BIP-Wachstum im Mai, 01.07.26
- Interfax.ru: Russlands BIP wuchs im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 % und im Zeitraum Januar bis Mai um 0,2 %, 01.07.26
- Interfax.ru: Der Anteil der Konsumausgaben am russischen BIP stieg im ersten Quartal um 3,5 Prozentpunkte; Rosstat bestätigte seine Schätzung des jährlichen Rückgangs des BIP um 0,2 % im ersten Quartal 2026; 01.07.26
- Interfax.ru: In Russland verzeichnete die Produktion in den Kernbereichen im Mai kein Wachstum; 01.07.26
- InvestFuture, TASS: Das Umsatzwachstum in der Gastronomie beschleunigt sich und erreicht im Mai 520,6 Milliarden Rubel, 01.07.26
- MEC Analytics: Industrieproduktion: Externe Faktoren bleiben die Ursache für den Rückgang, 26.06.26
- Finmarket.ru: Die Industrieproduktion in Russland sank im Mai um 0,7 %, 24.06.26
- russland.capital: German Gref warnt vor Überkühlung der russischen Wirtschaft, 01.07.26
- Interfax.ru: Reshetnikov bezeichnete den Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Investitionswachstums in Russland als schwierige Frage, 30.06.26
- AOL, Mark Trevelyan; Reuters: Economic pessimism among Russians at highest in at least 20 years, Gallup poll shows, 30.06.26
- FR.de; Fabian Hartmann: Russlands Wirtschaft hat Probleme, doch sie ist wohl noch nicht am Ende; 30.06.26
- Janis Kluge, Stiftung Wissenschaft und Politik, im Podcast „Im Loop“ im Gespräch mit Mary Abdelaziz-Ditzow: Sind die Sanktionen gegen Russland verpufft? Kluge skizziert die aktuelle Lage und analysiert die entscheidenden Mechanismen hinter der russischen Resilienz, Video, 71 Min., 27.06.26
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Kraftstoffversorgung, Energiewirtschaft
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- Brome.ai: Oil Prices Hit Pre-War Levels, 27.06.26
- Inosmi.ru; Bloomberg USA: Russland wird 2026 Rekordmengen an Öl liefern, 24.06.26
- Telepolis; Bernd Müller: Gazprom-Anlagen brennen: „Russlands Wirtschaft ist im Endstadium“, 22.06.26
- allsides.com: WSJ Journalist Publishes Book on Nord Stream Pipeline Sabotage, 16.06.26
- Transparency International: Nord Stream. Gas, Gerd und ganz viel Detailarbeit. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern – Vier Jahre lang hat ein Untersuchungsausschuss die Vorgänge rund um die Klimastiftung MV und Nord Stream 2 aufgearbeitet; Schwerin, 15.06.2026.
Außenwirtschaft; Russland in der Weltwirtschaft
- EURACTIV.com; Nikolaus J. Kurmayer: Brüssel weist die Forderungen der AfD nach einer Rückkehr zu russischem Gas zurück, 30.06.26
- Reuters; John O’Donnell: AfD leader vows to restore German-Russian ties as she eyes chancellery, 30.06.26; Inosmi.ru: Haqqin.az Aserbaidschan: Der Plan der deutschen Rechtspopulisten: Kanzler werden und die Beziehungen zu Russland wiederherstellen, Weidel: Deutschland hat durch den Bruch mit Russland Hunderttausende von Arbeitsplätzen verloren; 30.06.26
- russland.capital: Westliche Unternehmen verlieren in Russland Milliardenwerte, 23.06.26


