← Startseite
Home/ Russland/ Wachstumsprognosen für 2026 rutschen unter ein Prozent
Wachstumsprognosen für 2026 rutschen unter ein Prozent
Russland · 02.03.2026

Wachstumsprognosen für 2026 rutschen unter ein Prozent

Die Prognosen für Russlands Wirtschaft rutschen weiter ab. Konsensschätzungen liegen 2026 inzwischen klar unter einem Prozent.


Autor: Klaus Dormann


Auch die Londoner internationale Entwicklungsbank EBRD senkte ihre Prognose für das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2026 jetzt unter 1 Prozent. Im September hatte sie wie die russische Regierung noch erwartet, Russland werde 2026 einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent erreichen. Jetzt geht die „European Bank for Reconstruction and Development“ davon aus, dass Russlands Wirtschaft 2026 nur noch um 0,8 Prozent wächst, also noch etwas weniger als 2025 (+1,0 %).

2027 erwartet die EBRD – wie der IWF und die Weltbank – nur eine sehr geringfügige Belebung des Wachstums auf 1,0 Prozent. Die russische Regierung ist viel optimistischer. Sie rechnet im nächsten Jahr derzeit noch mit einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 2,8 Prozent. Im März/April will die Regierung diese Prognose vom September aber aktualisieren. Sie ist inzwischen fast doppelt so hoch wie die durchschnittlichen Wachstumsprognosen bei Analysten-Umfragen. So gehen die vom Konjunkturforschungsinstitut der Moskauer „Higher School of Economics“ Mitte Februar befragten Analysten in der „Konsensprognose“ davon aus, dass das Wachstum der russischen Wirtschaft nur von 0,9 Prozent im Jahr 2026 auf 1,5 Prozent im Jahr 2027 anziehen wird.

BIP-Prognosen 2024 bis 2027
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

FocusEconomics: So stark sind die Wachstumsprognosen gesunken

Das in Barcelona ansässige Research-Unternehmen „FocusEconomics“ veröffentlicht monatlich Analysen zur weltweiten Konjunkturentwicklung. In seinem Anfang Februar erschienen Bericht „Consensus Forecast, CIS Plus Countries“ zeigt es in der folgenden Abbildung, wie stark die erfassten Prognosen internationaler Institute und Banken (darunter nur wenige russische) für das Wachstum der russischen Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 im Verlauf der letzten 12 Monaten gesunken sind.

Rückgang der Analysten-Prognosen für die Wachstumsraten 2026 und 2027
Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in %

FocusEconomics: „Consensus Forecast, CIS Plus Countries“, 03.02.26

Die „Konsensprognose“ der Analysten für das Wachstum im Jahr 2026 sank seit dem Frühjahr 2025 von 1,4 Prozent auf jetzt 0,9 Prozent (schwarze Linie). Ihre durchschnittliche Wachstumsprognose für 2027 fiel von rund 1,5 Prozent auf knapp 1,4 Prozent (orange Linie).

FocusEconomics meint zur BIP-Entwicklung im Jahr 2026:

„Unser Konsens geht davon aus, dass das BIP-Wachstum in diesem Jahr auf dem Niveau von 2025 bleiben wird. Die Binnennachfrage dürfte sich aufgrund einer nachlassenden Investitionstätigkeit, höherer Steuern, einer restriktiven Geldpolitik und fiskalischer Konsolidierung verlangsamen. Trotz westlicher Sanktionen wird aber mit einem Anstieg der Exporte gerechnet.“

Und wie entwickelt sich die Inflation?

Zur Entwicklung der Verbraucherpreise in Russland meint FocusEconomics:

„Die Inflationsrate fiel im Dezember auf 5,6 % (November: 6,6 %), den niedrigsten Stand seit August 2023. … In diesem Jahr dürfte die durchschnittliche Inflation aufgrund der schwächeren Binnennachfrage ein Sechsjahrestief erreichen.Trotzdem dürften die Mehrwertsteuererhöhung und eine Abschwächung des Rubels, die die Importkosten in die Höhe treibt, die Inflation über dem Zielwert der Zentralbank von 4,0 % halten.“

FocusEconomics veröffentlichte dazu auch die folgende Abbildung mit dem Anstieg der  Inflationsrate im Januar 2026 auf 6,0 Prozent gegenüber Januar 2025 (rechte Säule).

Monatliche Inflationsentwicklung in Russland
Säulen: Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat in %; rechte Skala
Blaue Linie: Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat in %; linke Skala

FocusEconomics: Russia Inflation December 2025, 16.01.26 (mit aktualisiertem Chart)

Konsensprognose: 2026 sinkt die jährliche Inflationsrate auf 5,8 Prozent

Die folgende Abbildung zeigt, wie sich die von FocusEconomics erfassten Inflationsprognosen seit Februar 2025 entwickelt haben. Im Jahresdurchschnitt 2026 erwarten die Analysten inzwischen einen Rückgang der Inflationsrate auf 5,8 % (schwarze Linie). Das wären immerhin rund 3 Prozentpunkte weniger Inflation als im Jahr 2025, in dem die jährliche Inflationsrate in Russland auf 8,7 Prozent stieg. Im Jahr 2027 wird die jährliche Inflationsrate nach Einschätzung der Analysten um rund einen weiteren Prozentpunkt auf 4,6 % sinken (orange Linie).

Entwicklung der Prognosen für die Inflationsrate in Prozent

FocusEconomics: „Consensus Forecast, CIS Plus Countries“, 03.02.26

Was die EBRD zur Konjunktur in Russland meint

Russland ist zwar weiterhin ein Mitgliedsland der Londoner „„European Bank for Reconstruction and Development“. Seit 2014 hat die EBRD aber nicht mehr in Russland investiert, ihr Büro in Moskau wurde 2022 geschlossen („The EBRD in Russia“). Die EBRD gab in der Februar-Ausgabe ihres halbjährlich erscheinenden Berichts „Regional Economic Prospects“ deswegen nur folgenden kurzen Überblick zur aktuellen Konjunkturentwicklung in Russland:

Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im Zeitraum Januar bis September 2025 auf 1,0 Prozent im Jahresvergleich. Hauptgrund hierfür waren die robusten Staatsausgaben, insbesondere im Verteidigungs- und Verwaltungssektor. Steigende Militärausgaben kurbelten die Produktion in der Fahrzeug- und Metallindustrie an.

Die Reallöhne verzeichneten im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg, während die Arbeitslosenquote mit 2,1 Prozent einen Tiefststand erreichte.

Die Inflation sank im Dezember 2025 auf 5,6 Prozent im Jahresvergleich – ein Fünfjahrestief.

Da die Öl- und Gaseinnahmen 2025 jedoch um ein Viertel zurückgingen, weitete sich das Haushaltsdefizit auf 2,6 Prozent des BIP aus. Als Reaktion darauf erhöhten die Behörden den Mehrwertsteuersatz zum 1. Januar 2026 von 20 auf 22 Prozent, was die Inflation vorübergehend anheizen könnte.

Das reale BIP-Wachstum dürfte sich 2026 auf 0,8 Prozent abschwächen, bevor es sich 2027 wieder auf 1,0 Prozent erholt. Abwärtsrisiken bestehen durch die Schwäche der Ölpreise und mögliche weitere Wirtschaftssanktionen.

War das 1 Prozent-Wachstum 2025 im weltweiten Vergleich hoch oder niedrig?

Das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2025 veranschlagt die EBRD entsprechend der ersten Schätzung des russischen Statistikamtes Rosstat auch auf 1,0 Prozent. Die russische Internet-Zeitung „New Izvestia (Novye Izvestia / Новые Известия) hat analysiert, welche Länder noch schwächer, etwa ebenso stark oder viel stärker gewachsen sind. Die Ergebnisse dieses internationalen Wachstumsvergleichs:

Noch schwächer als in Russland wuchs 2025 die gesamtwirtschaftliche Produktion vieler europäischer Länder. Hohe Energiepreise und die Zollpolitik der USA drückten das Wachstum. So wuchs beispielsweise die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr nur um 0,2 %, die österreichische um 0,3 %. Auch das Wirtschaftswachstum in Finnland und Italien (beide 0,5 %) sowie in Frankreich (0,7 %) war niedriger als in Russland. Weit stärker als die übrigen EU-Staaten wuchs überraschend Irland. Laut vorläufigen Schätzungen des IWF stieg das BIP dort um 9,1 %. Eine Ursache dafür dürfte gewesen sein, dass in Irland ansässige internationale Konzerne wegen drohender Zollerhöhungen der USA ihre Ausfuhren in die USA 2025 stark steigerten.

BIP-Wachstum nach Ländern im Jahr 2025

New Izvestia; Maria Sokolova:
Besser als Europa, aber schlechter als Asien. Was bedeutet Russlands BIP-Wachstum von 1 %? 26.02.26

Das Wachstum in Russland war 2025 etwa ebenso hoch wie das Wachstum in Mexiko (1 %) und Japan (1,1 %).

Die Ukraine verzeichnete ein rund doppelt so starkes Wachstum von 2 %, unter anderem weil westliche Staaten die Waffenproduktion in der Ukraine stützten. Auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten wuchs um 2 %. Deutlich stärker stieg das BIP 2025 weiterhin in China (4,8 %) und vor allem in Indien (6,6 %).

Viel stärker als in Russland wuchs die gesamtwirtschaftliche Produktion 2025 auch in einigen Staaten in Zentralasien: Tadschikistans BIP wuchs letztes Jahr um 8,4 %, das BIP in Kirgisistan sogar um 11,1 %. Die Binnennachfrage in der tadschikischen Wirtschaft wurde durch Überweisungen von in Rusland beschäftigten „Gastarbeitern“ gestützt. Wachstumsimpulse kamen für das goldreiche Land auch von den steigenden Goldpreisen und vermehrten Investitionen. Kirgisistan hat sich zu einem wichtigen Transitland für Waren entwickelt, die nach Russland weitergeliefert werden. 

Konsensprognosen der „Higher School of Economics“ bis 2032

Die Konjunkturforschungsabteilung der Moskauer Universität „Higher School of Economics“ befragt vierteljährlich russische und ausländische Analysten zur Konjunkturentwicklung in Russland in den nächsten sieben Jahren. Diese „Konsensprognose“ des „HSE Centre of Development Institute“ ermittelte Mitte Februar auch, dass das Wachstum der russischen Wirtschaft 2026 schwach bleibt und auf 0,9 Prozent sinkt. Bis 2030 dürfte es in kleinen Schritten auf rund 2 Prozent anziehen.

Konsensprognose 2026 bis 2032 (Umfrage vom 12. bis 24. Februar 2026)

Higher School of Economics; S.V. Smirnov: Die neueste Konsensprognose, „Umfrage unabhängiger Experten: Geringfügige Anpassungen auf Basis aktueller Daten“, wurde veröffentlicht; 25.02.26.

FAZ-Kommentar: Die „Alarmsignale“ für die russische Wirtschaft mehren sich

Katharina Wagner, seit 2019 Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sieht die Entwicklung der russischen Wirtschft nach 4 Jahren Krieg so:

„Ökonomen sind vorsichtig geworden, was Prognosen über den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft angeht. Als nach dem Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren die westlichen Sanktionen drastisch verschärft wurden, sagten viele einen Kollaps voraus. Doch enorme Staatsinvestitionen in Militär und Rüstung führten in den Jahren 2023 und 2024 zu einem Aufschwung, wie Russland ihn lange nicht gesehen hatte.

Vor allem die Drohnenwerke und Panzerschmieden liefen nun auf Hochtouren. In den Supermärkten standen anstelle westlicher Marken bald russische Kopien – aus Dr. Oetker wurde Dr. Bakers. Der Krieg schien für die Russen, die nicht an der Front waren oder in grenznahen Gebieten lebten, vor allem positive Folgen zu haben.

Doch im Laufe des vergangenen Jahres hat sich die Lage geändert. Der hohe Leitzins, mit dem die durch Staatsgeld, Arbeitskräftemangel und Sanktionen befeuerte Inflation bekämpft wird, stürzte viele Unternehmen in die Krise. Zuletzt mehrten sich Beschwerden von Angestellten, die monatelang auf ihren Lohn warten müssen.“

Russlands Haushaltsdefizit könnte 2026 dreimal so hoch werden wie geplant

„Alarmsignale“ für die Entwicklung der Wirtschaft sieht Katharina Wagner vor allem in einem Anstieg der Defizite der öffentlichen Haushalte bei stark sinkenden Einnahmen:

Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport sind schon im Jahre 2025 stark geschrumpft, im Januar und Februar dürften sie sich noch einmal halbieren. Schuld sind die Sanktionen, die trotz aller Skepsis wirken und dazu führen, dass Russland sein Öl nur unter Zusatzkosten und mit Preisabschlägen verkaufen kann.

Wegen Donald Trumps Drohungen an Indien kann China als letzter Großkunde nun noch niedrigere Preise verlangen. So kostet das russische Ural-Öl derzeit viel weniger und ist der Rubel deutlich stärker als im russischen Haushalt vorgesehen. Sollte das so bleiben, könnte das Defizit dieses Jahr rund dreimal so groß werden wie die geplanten 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Um ein so großes Loch zu stopfen, müssten bis zu drei Viertel der noch abrufbaren Finanzreserven des Landes im Nationalen Wohlfahrtsfonds verbraucht werden.

Der Staat versucht, durch höhere Steuern und Abgaben den Bürgern mehr Geld abzunehmen. Doch die fangen schon an, am Nötigsten zu sparen. Das dürfte dem Wirtschaftswachstum schaden.

Katharina Wagners Fazit: Ein „Niedergang“ der Wirtschaft ist nicht sicher…

„Der Zustand der russischen Wirtschaft ist so fragil wie nie seit dem Überfall auf die Ukraine. Trotzdem ist es zu früh, den sicheren Niedergang zu prophezeien. Es kann auch alles noch anders kommen: Höhere Ölpreise im Zuge einer Verschärfung des Konflikts zwischen Washington und Teheran könnten Russlands Geldprobleme ebenso vorübergehend lindern wie eine Abwertung des Rubels. Und selbst wenn die Einnahmen niedrig bleiben, hat der Staat noch weitere Möglichkeiten – vom Gelddrucken über höhere Schulden und noch höhere Steuern bis zu Einsparungen im Haushalt.“

… aber sehr wahrscheinlich geht der „schrittweise Verfall“ weiter

„Sehr wahrscheinlich ist aber, dass der schrittweise Verfall der Wirtschaft weitergeht.

Auch einem Friedensdeal mit den Amerikanern würde keine umgehende Reintegration in den Weltmarkt folgen. Wachstumsimpulse sind nicht in Sicht. Die Inflationsrate, derzeit knapp sechs Prozent, wird hoch bleiben, solange der Staat viel Geld in den Krieg pumpt.“


Lesetipps:

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer:

Fokusanalysen, deutsch; auch russisch; (Auswahl):
Wachstumsschwäche, sinkende verfügbare Reserven und hohe Militärausgaben, 18.02.26

Podcast „Zaren, Daten, Fakten“ von Thomas Baier:

Konjunkturdaten und -prognosen:

4 Jahre Ukraine-Krieg – Volkswirtschaftliche Aspekte:

Deutscher Osthandel 2025:

russische Zentralbank Prognose
LinkedIn X Mail Drucken
Klaus Dormann
Der Autor
Klaus Dormann

Autor bei ostwirtschaft.de. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Russland und den GUS-Staaten.

Alle Texte von Klaus Dormann →
Mehr aus RusslandKuratierte Auswahl
Russland · 17.04.2026 Wo Russen diesen Frühling Urlaub machen

Fatal error: Uncaught Error: Call to a member function have_posts() on int in /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-content/themes/ostwirtschaft-2026/single.php:143 Stack trace: #0 /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-includes/template-loader.php(106): include() #1 /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-blog-header.php(19): require_once('/var/www/vhosts...') #2 /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/index.php(17): require('/var/www/vhosts...') #3 {main} thrown in /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-content/themes/ostwirtschaft-2026/single.php on line 143