6,75%: So hoch liegt Armeniens Leitzins seit dem 15. September. Der Rat der Zentralbank hob ihn um 0,25 Prozentpunkte an. Es ist die erste Erhöhung seit Dezember 2022. Seit Dezember 2025 hatte der Satz bei 6,5% gelegen.
Der Rat setzte zugleich den Lombard-Repo-Satz auf 8,25%. Für Einlagen der Banken bei der Zentralbank gilt nun 5,25%. Der Senkungszyklus hatte im August 2023 begonnen, damals bei 10,75%.
Vier gegen vier
Die Entscheidung fiel knapp. „Die Sitzung des Zentralbankrats war ziemlich schwierig, denn die Stimmen teilten sich vier zu vier. Vier Ratsmitglieder hielten den Zinssatz für richtig, wie er war. Vier Ratsmitglieder, mich eingeschlossen, waren für eine Erhöhung“, sagte Zentralbankchef Martin Galstyan am 15. September vor Journalisten in Jerewan.
Galstyan nennt die Binnennachfrage als Auslöser. Im Juni und Juli trieben noch Angebotsfaktoren die Preise. Jetzt ziehen die Dienstleistungspreise wieder an. Die Zentralbank verweist auf eine neue Zuzugswelle und auf mehr Besucher im Land. Beides hebe Löhne und Preise in den betroffenen Branchen.
Die Preisdaten stützen das. Laut dem armenischen Statistikkomitee lagen die Verbraucherpreise im August 4,4% über dem Vorjahr. Gegenüber Juli stiegen sie um 0,2%. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke kosteten 6,4% mehr, Alkohol und Tabak 7,5%. Bildung verteuerte sich um 8,3%, Nichtlebensmittel um 2,4%.
Die Weltbank rechnet Lebensmitteln 57% der Inflation zu. Ihr Preisanstieg verlangsamte sich von 8,6% im Juni auf 6,4% im August. Das steht im „Monthly Economic Update“ der Weltbank für Armenien vom September.
Reserven auf Rekordstand
Die Bruttoreserven erreichten im August 6,5 Mrd. US-Dollar. Das ist ein Rekord und deckt 4,3 Monatsimporte. Die Weltbank führt den Anstieg auf hohe Überweisungen und Kapitalzuflüsse zurück. Die Risikoprämie armenischer Eurobonds sank auf rund 170 Basispunkte, sagte Galstyan am 15. September.
Der Markt hatte anders gerechnet. Nach Angaben der Zentralbank erwarteten Finanzmarktteilnehmer im Schnitt einen unveränderten Satz über das kommende Jahr. Mittelfristig rechneten sie mit 6,25%. „Heute hat der Rat der Zentralbank eine restriktivere Haltung beschlossen“, sagte Galstyan.
Für eine Kehrtwende nennt er eine Bedingung: Das Wachstum müsste deutlich nachlassen. Schwächt sich die Weltkonjunktur ab oder wirken die Exportbeschränkungen nach Russland stärker, senke die Zentralbank wieder.
Für deutsche Exporteure verschiebt der Schritt die Rechnung ihrer Kunden. Kredite in Dram werden teurer, Investitionen rücken nach hinten. Maschinen, Anlagen und Nutzfahrzeuge lassen sich schwerer finanzieren. Lieferantenkredite und Leasing gewinnen an Gewicht. Ein fester Dram stützt dagegen die Einfuhr: Die Zentralbank wies am 16. September 420,08 Dram je Euro aus. Bau und Dienstleistungen wachsen weiter, die Nachfrage nach Ausrüstung bleibt. Wer jetzt Angebote kalkuliert, sollte höhere Finanzierungskosten der Gegenseite einpreisen und längere Entscheidungswege erwarten.
Quellen: Zentralbank Armeniens (EN/HY), Statistikkomitee Armeniens (EN/HY), Weltbank – Monthly Economic Update September 2026 (EN), ARKA (EN/RU).
SK, Frankfurt

