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82 % über eine Route: Drohnenvorfall stoppt Kasachstans Ölverladung erneut
"Steppe Ahead" · 14.09.2026

82 % über eine Route: Drohnenvorfall stoppt Kasachstans Ölverladung erneut

Drohnenvorfall am KTK-Terminal bei Noworossijsk: Kasachstan senkt den Förderplan 2026 auf 96 Mio. Tonnen und sucht Ausweichrouten für 82 % seiner Ölexporte.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

82 % der kasachischen Ölexporte liefen 2025 über den KTK-Strang zum Schwarzen Meer. Am 8. September stoppte ein Drohnenvorfall die Verladung am Terminal bei Noworossijsk erneut, es war die dritte Störung in diesem Jahr. Kasachstan hat seinen Förderplan für 2026 deshalb schon von 98 auf 96 Mio. Tonnen gesenkt. Die Suche nach Ausweichrouten gewinnt an Tempo, bleibt aber ein Rechenspiel mit kleinen Zahlen.

Dritte Störung im laufenden Jahr

Das kasachische Energieministerium bestätigte den Vorfall am 10. September. Die Verladung an den Bojen WPU-2 und WPU-3 wurde demnach vorübergehend ausgesetzt. Inspektionen ergaben laut Ministerium keine Schäden an Ladesystemen oder Tankern, die Verladung läuft wieder im Normalbetrieb. Beschränkungen für kasachische Verlader bestehen demnach nicht. Das meldeten die russische Nachrichtenagentur Interfax und das kasachische Wirtschaftsportal Kapital.kz übereinstimmend.

Der KTK, das Caspian Pipeline Consortium, verbindet die Felder Tengiz, Kaschagan und Karatschaganak mit dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. Zu den Anteilseignern zählen neben Russland und Kasachstan auch Chevron und ExxonMobil. Die Leitung bewegt mehr als 1 % des weltweiten Ölangebots. Genau diese Konzentration macht sie zum wiederkehrenden Ziel ukrainischer Drohnen, denn ein Treffer wirkt sofort auf Förderung, Exporterlöse und Staatshaushalt in Astana.

Die Bilanz des Jahres fällt trotzdem teuer aus. Nach den Angriffen im Januar und im Juli verlor Kasachstan rund 3,5 Mio. Tonnen Fördermenge. Energieminister Erlan Akkenschenow senkte den Förderplan für 2026 deshalb Ende August von 98 auf 96 Mio. Tonnen. Zum Vergleich: Das Konsortium KTK transportierte 2025 laut dem englischsprachigen Nachrichtenportal The Times of Central Asia 64,8 Mio. Tonnen kasachisches Öl, bei Gesamtexporten von 78,7 Mio. Tonnen. Auf dem Höhepunkt der Juli-Angriffe fiel die kasachische Tagesförderung zeitweise von rund 2 Mio. auf 1 Mio. Barrel.

Ausweichrouten bleiben schmal

Der Staatskonzern KazMunayGas verschifft derzeit rund 1,2 Mio. Tonnen pro Jahr über die Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan. 2026 sollen es 1,6 Mio. Tonnen werden, Aserbaidschan bietet Kapazität für bis zu 2,2 Mio. Tonnen an. Im Juli gingen laut der Zeitung The Astana Times 155.000 Tonnen über den Hafen Aktau in diese Route. Zwei neue Tanker, Taraz und Liwa, mit je 8.000 Tonnen Kapazität verstärken die kaspische Flotte. Die Größenordnung bleibt dennoch begrenzt: Selbst 2,2 Mio. Tonnen entsprechen rund 3 % des KTK-Volumens von 2025.

Auch die zweite Ausweichroute führt durch Russland. Über die Leitung Atyrau-Samara flossen 2025 laut The Astana Times 9,3 Mio. Tonnen, ein Teil davon weiter über die Druschba-Pipeline nach Deutschland. Diese Route mindert die Abhängigkeit von russischem Transit also nicht, sie verlagert sie nur. Die Engpässe der kaspischen Alternative liegen derweil im Detail: Der Hafen Aktau begrenzt die Mengen, und das schwefelarme kasachische Öl verliert in der aserbaidschanischen Mischung an Wert. Die EU will die Transportwege durch Zentralasien mit 10 Mrd. Euro fördern, das Geld fließt aber über Jahre.

Akkenschenow bringt deshalb eine weitere Leitung ins Spiel. „Kasachstan braucht Baku-Supsa als eine der alternativen Transportrouten dringend“, sagte der Energieminister laut dem kasachischen Wirtschaftsportal Inbusiness. Die georgische Route fasst bis zu 5 Mio. Tonnen pro Jahr. Formelle Verhandlungen mit Aserbaidschan haben aber noch nicht begonnen. Nach China flossen 2025 erst 1,1 Mio. Tonnen kasachisches Öl direkt, mittelfristig ist rund 1 Mio. Tonnen pro Jahr geplant.

Reparaturen unter Beschuss

Zur Routenfrage kommt ein Wartungsproblem. Die kasachische Wirtschaftszeitung Kursiv berichtete am 3. September über einen ukrainischen Angriff auf das Spezialschiff Nefrit vor Sotschi. Das Schiff arbeitete an der Erneuerung der Verladebojen des KTK-Terminals. Eine Boje war im November 2025 beschädigt worden, zwei weitere stammen aus dem Jahr 2001 und sollen ersetzt werden. Der Zeitplan der Reparaturen gilt seit dem Angriff als offen.

Kurzfristig drückt zudem die Wartung am Feld Karatschaganak die Mengen. Quellen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sinkt der KTK-Export im September auf rund 1,5 Mio. Barrel pro Tag. Für Kasachstan bedeutet das: Die Einnahmenbasis des Staatshaushalts hängt weiter an einer verwundbaren Route durch russisches Gebiet. Bis 2030 dürfte der KTK dominant bleiben, daran ändern auch die neuen Tanker wenig. Offen ist, wie Versicherer und Reedereien auf jede weitere Attacke reagieren. Schon im Juli mieden Schiffe das Terminal tagelang. Jeder dieser Tage kostet Fördermenge, die keine Alternativroute auffängt.

Drei Marken zeigen in den nächsten Wochen, wohin die Reise geht: der Abschluss des Bojentauschs am Terminal, der Start formeller Gespräche über Baku-Supsa und die Exportstatistik für September. Bleibt eine dieser Marken aus, rückt das Förderziel von 96 Mio. Tonnen erneut in Zweifel.

Quelle: The Times of Central Asia, The Astana Times (EN) Interfax, Kapital.kz, Inbusiness, Kursiv (RU)

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