Die Kinder von heute bekommen das Smartphone praktisch in die Wiege gelegt. In einem von digitalen Technologien immer stärker geprägten Alltag verändert die heranwachsende Generation Alpha (Jahrgänge 2010 bis 2024) zusammen mit der bereits ins Berufsleben eingetretenen Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2009) zunehmend den Arbeitsmarkt.
Der enorme Internetkonsum der heutigen Jugend ist ein besonderes Erkennungsmerkmal der Generation Z und vor allem der Generation Alpha. Diese Generation zeichnet sich durch eine hohe digitale Affinität aus. Sie werden gelegentlich als „Screenagers“ bezeichnet, eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern für Bildschirm und Teenager. Forscher bezeichnen sie auch als „digitale Ureinwohner“, da sie in eine digitale Welt hineingeboren wurden und schon von klein auf mit modernen Technologien in Berührung kamen.
Eine Studie des Instituts für Statistische Untersuchungen und Wirtschaftsökonomie der Moskauer Higher School of Economics belegt, dass heute fast alle Befragten in der Altersgruppe 14 bis 17 Jahre mindestens gelegentlich das Internet nutzen. 97% der Studienteilnehmer gaben an, in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. 97% der befragten Haushalte mit Kindern und Jugendlichen besitzen Smartphones und 58% verfügen über Laptops. Tablets haben der Studien zufolge 42% der befragten Haushalte. Das erste Smartphone bekommt ein Drittel der 3- bis 6-Jährigen bereits im Vorschulalter. Zum Alter 12-14 Jahre besitzen bereits 90% der Jugendlichen ein Smartphone, zeigt die Erhebung.
Online-Bildung für Kinder
Der russische Markt für Educational Technology (EdTech), übersetzt Bildungstechnologie, legte im ersten Quartal 2026 um 10% auf 39 Mrd. Rubel (392,9 Mio. Euro) zu. Im vergangenen Jahr belief sich das Marktvolumen auf 154 Mrd. Rubel (1,5 Mrd. Euro), ein Anstieg von 12% zum Vorjahr, geht aus Zahlen des russischen Marktforschungsunternehmens Smart Ranking hervor. Das am schnellsten wachsende Segment bleibt Online-Bildung für Kinder und Jugendliche mit einem Marktanteil von 15,4 Mrd. Rubel (155,1 Mio. Euro) im ersten Quartal – ein Zuwachs von 21% zum Vorjahreszeitraum.
Eltern investieren in die Prüfungsvorbereitung ihrer Kinder, den digitalen Heimunterricht und langfristige Online-Bildungskurse. Die Vorbereitung auf ein Prüfungsfach im Rahmen der Einheitlichen Staatlichen Prüfung kostet im Schnitt rund 54.000 Rubel (ca. 544 Euro) im Jahr, rechnet die Privatlehrer-Plattform Repetitor.ru vor. Diese Prüfung legen in Russland alle Schulabgänger in der elften Klasse ab, um an einer Hochschule studieren zu können. Für Online- oder traditionellen Gruppenunterricht zahlen Eltern rund 65.000 Rubel (ca. 655 Euro) im Jahr. Ein Jahreskurs, der Kindern die visuelle Programmiersprache Scratch und neuronale Netzwerke näherbringt, kostet zum Beispiel nicht weniger als 70.000 Rubel (ca. 705 Euro).
Handyverbot an Schulen
Die intensive Internetznutzung von Kindern und Jugendlichen wird weltweit lebhaft diskutiert. Kritiker verweisen auf süchtig machende Algorithmen von Social-Media-Plattformen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigende Inhalte für junge Nutzer. Darüber hinaus beobachten Psychologen und Bildungsforscher bei jüngeren Generationen Konzentrationsprobleme und Leistungsschwund in der Schule und bringen dies in einigen Studien mit der intensiven Internetnutzung in Verbindung.
Russland geht dieses Problem seit dem 1. September, dem traditionellen Schulbeginn im Land, mit einem Handyverbot an Schulen an. Russische Schüler können ihre Mobiltelefone nicht mehr während der Unterrichtszeiten nutzen. Ausnahmen sind etwa Notfälle oder Situationen, bei denen Leben oder Gesundheit von Schülern oder Schulpersonal gefährdet sind. Regeln für die Handynutzung während der Pausen können die Schulen selbst festlegen. Handyverbote an Schulen gibt es auch in anderen Ländern, so unter anderem in Frankreich und Griechenland. In Bayern ist die Nutzung von Smartphones und anderen privaten digitalen Endgeräten nur in bestimmten Fällen erlaubt.
Arbeitnehmer von morgen
Während vorherige Generationen eine stabile berufliche Laufbahn anstrebten und nach und nach die Karriereleiter hochkletterten, verfolgen Vertreter der Alpha-Generation einen pragmatischeren und gewagteren Ansatz. Alexander Medwedew, Gründer und CEO der Bildungscamp-Kette Enjoy Camp, erklärt: „Für die Alpha ist Zeit eine Ressource. Sie lernen effizient damit umzugehen, indem sie Zeit in verschiedene Projekte investieren, sich auf unterschiedlichen Gebieten ausprobieren und mit Beschäftigungsmodellen experimentieren.“
Laut dem Experten lassen sich die heranwachsenden Arbeitnehmer von morgen nur ungern in rigide Arbeitsverhältnisse drängen und möchten ihren Berufsalltag am besten selbst gestalten. Außerdem erfassten sie schnell Trends und wüssten die Möglichkeiten des Internetzeitalters zu nutzen. „Die Gen Z und Gen Alpha werden in Zukunft die neuen digitalen Berufe sowie die Anforderungen an sie maßgeblich bestimmen“, betont Jewgenija Schamis, Gründerin des Instituts RuGenerations für Generationenforschung.
Doch diese Aufgeschlossenheit fürs Digitale birgt auch Risiken. Das sogenannte „Side Hustle“ der Jugendlichen, also Beschäftigung neben der Schule, kann schnell zu einer Jagd nach Likes und schnellem Geld werden, bei der kurze Deadlines eine langfristige Entwicklung ersetzten, warnen Psychologen. Die Dauerpräsenz im digitalen Raum kann auch zu Burnout führen.
Früh übt sich
Der Online-Markplatz für Content-Ersteller Whop hat in einer Studie herausgefunden, dass die Gen Alpha ihre digitalen Geräte heute nicht ausschließlich zum Zeitvertreib benutzen, sondern damit auch ihr erstes Geld verdienen. Die Gen Alpha verkaufen der Studie zufolge Vintage-Gegenstände, führen Live-Streams von Computerspielen durch, erstellen virale Kurzvideos (Clipping) und verfassen bezahlte Posts in sozialen Netzwerken. Die globale Studie Visa Youth Economy aus dem Jahr 2023 ergab, dass 78% der Vertreter der Generation Alpha schon mal Geld verdient haben – 43% davon mithilfe von digitalen Technologien. Ein weiterer Befund zeigt, dass 76% der befragten Alpha-Vertreter von einem eigenen Unternehmen träumen. 40% sind überzeugt, dass Künstliche Intelligenz ein Teil ihres künftigen Berufes sein wird.
Quellen: Forbes, HSE, EdTechs, Smart Ranking, Repetitor.ru (alle RU), Visa (EN)
Quelle: Deutsch-Russische Auslandshandelskammer, Digital und flexibel: Generation Alpha verändert den Arbeitsmarkt, 11.09.2026.
Dieser Beitrag wurde für die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer erstellt.


