Turkmenistan hat mit einer Tochtergesellschaft des chinesischen Staatskonzerns CNPC einen Vertrag über 4,6 Milliarden US-Dollar zur Erschließung der vierten Phase des riesigen Gasfeldes Galkynysh unterzeichnet. Auffällig ist jedoch: Peking beteiligt sich nicht an der Finanzierung. Die gesamten Kosten trägt Aschgabat selbst. Das deutet darauf hin, dass China dem Projekt zwar wirtschaftliches Interesse beimisst, es aber offenbar nicht als strategische Priorität finanzieren will.
Der Baubeginn ist für 2026 geplant. Die Umsetzung soll etwas mehr als vier Jahre dauern. Neben dem Galkynysh-Abkommen prüfen turkmenische und chinesische Unternehmen laut der offiziellen turkmenischen Nachrichtenagentur TDH auch Kooperationsmöglichkeiten in weiteren Bereichen, darunter Finanzen, Landwirtschaft, Bauwesen, Transport und Kommunikation.
Der TDH-Bericht nannte keine Details. Aus einer weiteren offiziellen turkmenischen Quelle geht jedoch hervor, dass die chinesische Shaanxi Yulin Energy Group den Aufbau einer Magnesiumlegierungsproduktion in Turkmenistan vorgeschlagen hat. Die Puyang Shengyuan Petrochemical Group plant demnach den Bau einer Anlage zur Herstellung von Polycarbonat, das unter anderem in Elektronik und Medizintechnik verwendet wird.
Chinesische Unternehmen sollen den turkmenischen Behörden außerdem einen Vorschlag zum Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsbahnsystems unterbreitet haben.
Zentralasien baut Korridore aus
Auch auf regionaler Ebene vertieft sich die Zusammenarbeit mit China. Eisenbahnvertreter und Logistikunternehmen aus Kasachstan, China, der Türkei und europäischen Staaten einigten sich auf neue Betriebsbedingungen für den Mittleren Korridor. Ziel ist es, die Transitzeiten über das Kaspische Meer zu verkürzen.
Laut InBusiness.kz gehört dazu auch die Abschaffung der papierbasierten Frachtverfolgung. Für dieses Jahr ist geplant, dass 600 Containerzüge aus China durch Kasachstan fahren.
Zentralasiatische Staaten und China diskutieren zudem die Einrichtung eines interregionalen Investitions- und Handelsrats sowie einen Fünfjahresplan für nachhaltige Entwicklung. Hochrangige Diplomaten aus Zentralasien und China trafen sich dazu zuletzt in Xi’an.
Kasachstan bleibt wichtiger Knotenpunkt
In Kasachstan begann der Bau eines Investitionsprojekts im Wert von 587 Millionen US-Dollar zur Erweiterung des Khorgos International Center for Boundary Cooperation an der Grenze zu China. Khorgos gilt seit Jahren als wichtiger logistischer Knotenpunkt, steht aber auch wegen Korruptions-, Schmuggel- und Ineffizienzvorwürfen in der Kritik.
Im ersten Quartal 2026 wurden rund 85.000 Fahrzeuge über den Trockenhafen Khorgos exportiert. Das entspricht einem Plus von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nicht alle Fahrzeuge bleiben in Kasachstan, doch das Land entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Markt für chinesische Autohersteller. Für 2026 wird erwartet, dass chinesische Marken in Kasachstan einen Marktanteal von 42 Prozent erreichen.
Der chinesische Autobauer Chery unterzeichnete Vertriebsverträge mit zwei kasachischen Unternehmen: mit Orbis Auto für Lepas-Modelle und mit Astana Motors für Omoda und Jaecoo. Bereits Anfang April hatte Chery auch in Usbekistan einen Vertrag für Lepas-Modelle abgeschlossen.
Auch in der Landwirtschaft wächst Chinas Einfluss. In Kyzylorda, einer wichtigen Agrarregion Kasachstans, stellen Landwirte wegen der starken Nachfrage aus China zunehmend von Reis auf Mais um. Ähnliche Veränderungen sind auch in anderen Landesteilen zu beobachten.
Der nationale Getreidehändler Food Contract Corp verhandelt zudem mit Shandong Hi-Speed über höhere Getreidelieferungen nach China. Chinesische Investoren planen außerdem ein Hightech-Zentrum für die Produktion virusfreier Saatkartoffeln in Kasachstan.
Energie, Sicherheit und Bildung
In Kirgisistan begann das chinesische Unternehmen Sinomach mit dem Bau eines Projekts für erneuerbare Energien im Wert von 260 Millionen US-Dollar in der Region Jalal-Abad. Kirgisistan verhandelt zudem mit China Energy Engineering Investment über Projekte im Bereich erneuerbare Energien im Wert von einer Milliarde US-Dollar sowie mit Power China über weitere Energie- und Infrastrukturvorhaben.
Vertreter Kirgisistans und der chinesischen Provinz Shandong vereinbarten außerdem den Aufbau von 250 Produktionslinien zur Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen. Finanzielle Details und Zeitplan wurden jedoch nicht genannt.
In Tadschikistan trafen sich Vertreter des Innenministeriums der autonomen Region Berg-Badachschan und Sicherheitsbeamte aus dem chinesischen Bezirk Kaschgar, um die Zusammenarbeit zu besprechen. China scheint seine sicherheitspolitische Präsenz in der Region ausweiten zu wollen.
Gleichzeitig unterzeichneten die chinesische Südwestuniversität und das tadschikische Institut für Botanik, Pflanzenphysiologie und Genetik eine Vereinbarung zur Züchtung neuer landwirtschaftlicher Nutzpflanzen.
In Usbekistan wiederum vereinbarten die Staatliche Transportuniversität Taschkent und die Polytechnische Universität Shenzhen gemeinsame Bachelor-Studiengänge in Fahrzeugtechnik und Luftfahrttechnik, einschließlich unbemannter Luftfahrzeuge.
