Kasachstan treibt den Ausbau seiner Transport- und Logistikinfrastruktur entlang des Mittleren Korridors weiter voran. Die staatliche Eisenbahngesellschaft Kazakhstan Temir Zholy (KTZ) plant den Aufbau einer eigenen Flotte für den Transport über das Kaspische und Schwarze Meer sowie die Gründung einer Frachtfluggesellschaft.
Ziel ist es, Kasachstan als zentralen Logistik- und Transitknotenpunkt zwischen China, Zentralasien und Europa zu etablieren.
Sechs neue Frachtschiffe bestellt
Nach Angaben der Pressestelle von KTZ hat das Unternehmen Verträge über den Bau von insgesamt sechs Mehrzweckschiffen unterzeichnet. Vier Schiffe werden von der chinesischen Werft Jiangsu Haizhongzhou Shipping Industry gebaut, zwei weitere entstehen in der Baku Shipyard in Baku.
Die Schiffe sollen jeweils bis zu 537 Standardcontainer (TEU) transportieren können und sowohl im Kaspischen Meer als auch auf Routen über das Schwarze Meer eingesetzt werden.
„Diese Initiative wird die effiziente Integration des Seetransports in die einheitliche Logistikkette des Mittleren Korridors gewährleisten“, erklärte KTZ.
Eigene Frachtfluggesellschaft geplant
Parallel dazu arbeitet KTZ auch am Aufbau einer eigenen Luftfrachtgesellschaft. Bereits im vergangenen Herbst hatte die Tochtergesellschaft KTZ Express die Unterlagen für die Registrierung eines Cargo-Airlines-Unternehmens eingereicht.
Geplant ist eine Flotte von zehn Frachtflugzeugen. Ursprünglich hofften kasachische Behörden, dass der erste Frachtflug Anfang 2026 starten würde. Bislang wurde der Betrieb jedoch noch nicht aufgenommen.
Präsident Kassym-Jomart Tokajew verfolgt das Ziel, Kasachstan zu einem bedeutenden Drehkreuz für Luftfracht zwischen Europa und Asien auszubauen.
Neue Investitionen mit China
Neben dem Ausbau der Transportinfrastruktur vertieft Kasachstan auch seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China.
In Astana wurde ein Investitionsabkommen über den Bau einer Getreideverarbeitungsanlage in der Region Akmola unterzeichnet. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Unternehmen Asia Altyn Dan umgesetzt, hinter dem ein Konsortium chinesischer Firmen steht.
Die Investitionssumme beträgt rund 300 Milliarden Tenge, umgerechnet etwa 640 Millionen US-Dollar.
Zudem exportierte Kasachstan zwischen September und März des Wirtschaftsjahres 2025/26 eine Rekordmenge von knapp 2,2 Millionen Tonnen Futtermittelmehl nach China – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Intensivere Kooperation im Technologiesektor
Auch im Technologiesektor wächst die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Das kasachische Startup ApartX schloss Berichten zufolge eine White-Label-Partnerschaft mit einem chinesischen Hersteller intelligenter Zugangssysteme ab. Ziel ist der gemeinsame Markteintritt in Deutschland.
Während der chinesische Partner intelligente Türschlösser und die Logistik liefert, stellt ApartX Software für Datenschutz und digitales Dokumentenmanagement nach deutschen Standards bereit.
Zentralasien intensiviert Beziehungen zu China
Auch andere Staaten Zentralasiens bauen ihre Beziehungen zu China weiter aus.
Kirgisistan entsandte erneut eine hochrangige Delegation nach China, darunter den Energieminister und den Sonderbeauftragten des Präsidenten. Konkrete Ergebnisse blieben allerdings zunächst begrenzt. Vereinbart wurde unter anderem ein Besuch einer Delegation aus der chinesischen Provinz Zhejiang, an der Vertreter von Alibaba und Geely teilnehmen sollen.
Eine hochrangige Delegation aus Usbekistan unter Leitung von Premierminister Abdulla Aripov reiste nach Hongkong, wo 15 Wirtschaftsabkommen unterzeichnet wurden. Dazu gehören landwirtschaftliche Projekte im Wert von mehr als 550 Millionen US-Dollar sowie ein Energiespeichersystem mit 1500 Megawatt in der Region Samarkand.
Außerdem kündigte Uzbekistan Airways neue Direktflüge in die chinesische Küstenstadt Guangzhou an.
China engagiert sich auch in Turkmenistan
In Turkmenistan führten Vertreter chinesischer Telekommunikationsunternehmen wie Huawei und ZTE Gespräche mit Regierungsvertretern über den Ausbau von KI-Technologien und sogenannten „Smart Cities“.
Zudem testet Turkmenistan auf 650 Hektar sieben chinesische Baumwollsaatgutsorten unter Einsatz von Agrartechnologien aus Xinjiang.
