Die Eurasische Entwicklungsbank (EDB) hat am 18. Mai eine Repräsentanz in der usbekischen Hauptstadt Taschkent eröffnet und Investitionen von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar bis 2031 angekündigt. Die Eröffnung fällt mit dem 20-jährigen Bestehen der Bank zusammen.
Parallel dazu gab die EDB eine Investition von 70 Millionen US-Dollar in Uzum bekannt, die größte digitale Plattform Usbekistans.
Mit der Eröffnung markiert die Bank ihren formellen Eintritt in den usbekischen Markt. Usbekistan war 2025 als siebtes Mitgliedsland der Entwicklungsbank beigetreten und ist zugleich das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens.
Vertreter der usbekischen Regierung und der EDB erklärten, die Zusammenarbeit solle die Finanzierung von Verkehrs-, Energie-, Bergbau- und Digitalisierungsprojekten im Land stärken.
„Von einer regionalen Initiative zu einer angesehenen internationalen Finanzinstitution, die einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Mitgliedstaaten leistet – das ist ein bemerkenswertes Jubiläum“, sagte Usbekistans stellvertretender Premierminister Jamshid Khodjaev bei der Eröffnungsfeier in Taschkent.
„Es ist symbolisch, dass die Bank gerade im Jubiläumsjahr ihre Repräsentanz in Usbekistan eröffnet. Wir sehen diesen Schritt als wichtigen Beitrag zur Vertiefung der Partnerschaft zwischen Usbekistan und der EDB“, fügte er hinzu.
Fokus auf Infrastruktur und Digitalisierung
Usbekische Regierungsvertreter betonten, dass die Expertise der EDB bei Infrastrukturfinanzierungen, Exportförderung und digitalen Systemen eng mit den wirtschaftspolitischen Prioritäten des Landes übereinstimme. Khodjaev erklärte, ein dauerhaftes Büro in Taschkent werde „die Intensität der Zusammenarbeit erhöhen und die Zeit zwischen Idee und Umsetzung verkürzen“.
Die EDB-Eröffnung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Usbekistan sein hohes Wirtschaftswachstum sichern und gleichzeitig mehr ausländisches Kapital anziehen will. Die Regierung fördert Freihandelszonen, Technologieparks und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur als Teil ihres Reformprogramms zur Öffnung der Wirtschaft und Stärkung regionaler Handelsverbindungen.
Der Vorsitzende des EDB-Verwaltungsrats, Nikolai Podguzov, sagte, die Bank wolle sich zu einem der wichtigsten Investitionsfinanzierer des Landes entwickeln.
„Im Jahr unseres 20-jährigen Bestehens starten wir unsere Aktivitäten in einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Region – Usbekistan“, sagte Podguzov. „In den vergangenen 20 Jahren hat die Bank einzigartige Erfahrungen gesammelt. Unser Gesamtportfolio erreichte 19,6 Milliarden US-Dollar, und wir haben 326 Projekte umgesetzt. Nun sind wir bereit, dieses Know-how nach Usbekistan zu bringen.“
Die EDB plant, bis 2031 Investitionen von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar in Usbekistan bereitzustellen. Davon sollen fast 800 Millionen US-Dollar in Projekte mit regionalem Integrationspotenzial fließen. Podguzov stellte zudem ein langfristiges Ziel von mindestens 2 Milliarden US-Dollar an Gesamtinvestitionen in Aussicht, bei einem jährlichen Finanzierungsvolumen von über 500 Millionen US-Dollar.
„Unsere Investitionen werden sich vor allem auf Verkehrsanbindung, Logistik, Energie und Industrie konzentrieren“, sagte er. „Wir haben bereits mehrere Projekte identifiziert und planen heute die Unterzeichnung erster Verträge im Wert von mehreren zehn Millionen Dollar.“
70 Millionen Dollar für Uzum
Die angekündigte Investition von 70 Millionen US-Dollar in Uzum ist die erste IT-Investition der EDB in Usbekistan.
Mit der Finanzierung soll die Expansion von Konsumentenkrediten, digitaler Bankeninfrastruktur und Fintech-Dienstleistungen unterstützt werden. Usbekistan verzeichnet derzeit ein starkes Wachstum bei bargeldlosen Zahlungen und digitalen Finanzdiensten.
„Digitale Plattformen sind zu einem zentralen Bestandteil moderner Wirtschaftsinfrastruktur geworden“, sagte Podguzov. „Durch die Partnerschaft mit Uzum erweitert die EDB den Zugang zu Finanzdienstleistungen, fördert Unternehmertum und investiert in eine regionale Technologieplattform, die wirtschaftliche Verbindungen in ganz Eurasien stärken kann – einschließlich China und des Nahen Ostens.“
Uzum hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Millionen Nutzer in den Bereichen E-Commerce, Banking und Fintech. Das Kreditvolumen des Unternehmens erreichte 2025 rund 1,2 Milliarden US-Dollar und hat sich damit innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Das Zahlungsvolumen überschritt 11 Milliarden US-Dollar.
„Wir bauen eine Fintech-Infrastruktur auf nationaler Ebene auf, die tief in den wirtschaftlichen Alltag integriert ist“, sagte Uzum-Gründer und CEO Djasur Djumaev. „Diese Investition ist eine wichtige Anerkennung der Rolle von Uzum bei der Entwicklung der digitalen Infrastruktur Usbekistans.“
EDB erwartet starkes Wachstum in Usbekistan
Im Rahmen der Eröffnungsfeier veranstaltete die EDB-Akademie mehrere Workshops für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien. EDB-Vizechef und Chefökonom Evgeny Vinokurov stellte dabei eine neue makroökonomische Prognose für Usbekistan vor.
Die Bank erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 7,9 Prozent.
„Usbekistan wird weiterhin zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften gehören“, sagte Vinokurov. „Ein Wachstum von 7,9 Prozent könnte das Land in diesem Jahr unter die globalen Top Ten bringen.“
Die Inflation soll trotz externer Belastungen, darunter höhere globale Energiepreise infolge der Krise im Golfraum, bis Ende 2026 unter sieben Prozent bleiben.
Vinokurov erklärte zudem, der usbekische Som werde weiterhin durch starke Zuflüsse ausländischer Investitionen und steigende Rücküberweisungen gestützt.
Langfristig erwartet die EDB, dass die Wirtschaftsleistung Usbekistans bis 2030 auf 200 Milliarden US-Dollar und bis 2035 auf 300 Milliarden US-Dollar steigt. Die größten Risiken für die Wirtschaft seien dabei eher externer als interner Natur.
„Wenn sich die Weltwirtschaft abschwächt, wird die Nachfrage nach usbekischen Exporten in nahezu allen Rohstoffsegmenten sinken“, warnte Vinokurov. „Die größte Gefahr für die usbekische Wirtschaft kommt derzeit von außen und muss genau beobachtet werden.“
Die jüngste EDB-Prognose geht davon aus, dass der Leitzins Usbekistans bis Ende 2026 bei etwa 13,5 Prozent liegen wird. In ihrer Dezember-Prognose für den Zeitraum 2026 bis 2028 hatte die Bank noch einen durchschnittlichen Leitzins von 13,7 Prozent für 2026 erwartet, der bis 2028 auf 11,6 Prozent sinken soll.
Bei der Inflation rechnet die EDB mit einem schrittweisen Rückgang von 7,4 Prozent im Jahr 2025 auf 6,7 Prozent im Jahr 2026 und 6,3 Prozent bis 2028.

