Autor: Klaus Dormann
Einen Rückblick auf die sehr „gespaltene“ Entwicklung der Produktion der russischen Wirtschaft seit 2021 verschaffte zum Jahresende der jüngste Wochenbericht des Forschungsinstituts BOFIT der finnischen Zentralbank. Die russische Zentralbank gab am Freitag bei der erneuten Senkung ihres Leitzinses einen Einblick, wie sie die Entwicklung von Inflation und Wachstum in Russland beurteilt. Staatspräsident Putin bot im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz einen Überblick, wie er die aktuelle Konjunkturentwicklung sieht. Neue Ausblicke auf die weitere Wirtschaftsentwicklung veröffentlichten unter anderem die „Eurasische Entwicklungsbank“ und das „Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften“.
BOFIT: Gespaltene Entwicklung der Produktion der russischen Wirtschaft
Das Forschungsinstitut der finnischen Zentralbank stellt heraus, dass das Wachstum der russischen Wirtschaft, das 2023 +4,3% und 2024 + 4,1% erreichte, auch 2025 auf der starken Steigerung der Produktion der rüstungsbezogenen Wirtschaftszweige beruhte.
BOFIT berichtet: Im Zeitraum Januar bis September 2025 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt laut dem Statistikamt Rosstat im Jahresvergleich um +1,0%. Nach einer Schätzung des Wirtschaftsministeriums wurde diese Wachstumsrate auch im Zeitraum Januar bis Oktober erreicht. Die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion verlief zweigeteilt: Die „Rüstungsindustrien“ verzeichneten weiterhin ein schnelles Wachstum, während die Produktion in den anderen Branchen stagnierte oder zurückging.
In der folgenden BOFIT-Abbildung zeigt die rote Linie den von BOFIT geschätzten starken Anstieg der Produktion der „kriegsbezogenen Wirtschaftszweige“. Im Vergleich zum Vorkriegsjahr 2021 ist deren Produktion inzwischen um fast 60 Prozent gestiegen. BOFIT hat dazu einen Index der Produktion von drei Branchen des „Verarbeitenden Gewerbes“, die das Militär beliefern, sowie von Dienstleistungen für das Militär errechnet. Die Produktion der übrigen Wirtschaftszweige der „Zivilwirtschaft“ ist seit 2021 laut der Abbildung nur um rund 4 Prozent gestiegen (blaue Linie).
Das russische BIP-Wachstum verläuft weiterhin zweigleisig,
die kriegsbezogenen Branchen wachsen schneller als die zivilen Branchen
Indizes der Produktionsentwicklung, Jahresdurchschnitt 2021=100 (saisonbereinigt)

Sources: CEIC, Rosstat, BOFIT
BOFIT, Bank of Finland: Russia’s GDP growth modest and government deficit on the rise, 19.12.25
Die Staatsausgaben steigen, das Defizit wächst 2025 stärker als geplant
Vorläufige Daten des Finanzministeriums zeigen, dass die Ausgaben im russischen Bundeshaushalt im Zeitraum Januar bis November im Vergleich zum Vorjahr um 12,5% gestiegen sind (1Prime.ru). Zur Haushaltsentwicklung bis zum Jahresende und im nächsten Jahr meint BOFIT:
In den letzten Monaten hat sich das Ausgabenwachstum zwar verlangsamt. Nach der im November aktualisierten Haushaltsplanung soll das Defizit im Bundeshaushalt in diesem Jahr bei rund 5,7 Billionen Rubel oder 2,6% des BIP liegen. Dafür wäre aber eine deutliche Kürzung der Ausgaben im Dezember erforderlich. Voraussichtlich werden die Ausgaben im Dezember die Pläne aber erneut übersteigen. Das Haushaltsdefizit dürfte 2025 deswegen stärker als erwartet steigen.
Für das kommende Jahr sieht der Haushaltsplan einen nominalen Anstieg der Staatsausgaben um etwa 4% vor. Das würde einer realen Stagnation der Ausgaben entsprechen. Wie in den Vorjahren dürfte der Plan im Verlauf des nächsten Jahres jedoch aktualisiert werden. Die Entwicklung der russischen Staatsfinanzen bleibt unter anderem von den Schwankungen der Ölpreise und der Ölfördermengen abhängig.
Knappe Kapazitäten, rasant gestiegene Löhne, sinkende Inflation
BOFIT weist darauf hin, dass viele Branchen derzeit unter einem Mangel an Arbeitskräften leiden. Die Produktionskapazitäten seien voll ausgelastet. Die Löhne und Preise für Produktionsmittel seien stark gestiegen.
Gleichzeitig merkt BOFIT aber an, dass sich der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise in Russland im November auf rund 7% verlangsamt hat (Rosstat: Nov. 25/Nov. 24: +6,6%). Die russische Zentralbank hat nach Meinung von BOFIT bei ihren Leitzinssenkungen von 21 Prozent im Juni auf 16,5 Prozent im Oktober nur „zurückhaltend“ agiert.
Laut BOFIT erwarten „mehrere Experten“ für das nächste Jahr einen Rückgang der Inflationsrate auf 5 bis 6%. Die Anfang Dezember durchgeführte Analysten-Umfrage der russischen Zentralbank ergab, dass die Teilnehmer im Mittelwert im Jahresdurchschnitt 2026 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von +5,5% rechnen (2025/2024: +8,8%). Für Dezember 2026 erwarten sie eine jährliche Inflationsrate von +5,1%.
Im laufenden Jahr 2025 werden die Verbraucherpreise im Dezember laut der Umfrage noch 6,3% Prozent höher sein als vor einem Jahr.
Die Sberbank erwartet im Dezember 2025 nur noch eine Inflationsrate von 5,7%
Laut dem „Zentrum für makroökonomische Forschung“ der Sberbank wird der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise Schätzungen zufolge im Dezember 2025 sogar nur noch +5,7% erreichen, verglichen mit +9,5% im Dezember 2024. Diese Inflationsrate wäre die niedrigste der letzten fünf Jahre.
Die folgende Abbildung der Sberbank zeigt den erwarteten Rückgang der jährlichen Inflationsrate von +9,5 Prozent im Dezember 2024 auf voraussichtlich +5,7 Prozent im Dezember 2025. Zu dieser jährlichen Inflationsrate von +5,7 Prozent wird der Preisanstieg im Monat Dezember laut Schätzung der Sberbank 0,4 Prozentpunkte beitragen (oberer heller Säulenteil).
Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr im Dezember in Prozent

arb.ru; Sberbank-Analyse: Die Inflation in Russland wird bis Ende des Jahres 5,7 % erreichen – ein Fünfjahrestief, 15.12.25.
Mit der COVID-Pandemie und dem Kriegsbeginn in der Ukraine hatte sich der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise im Dezember 2021 auf 8,4% und im Dezember 2022 auf 11,9 % beschleunigt. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate im Zeitraum 2021 bis 2025 lag laut der Sberbank bei 8,7%, verglichen mit 3,6% im Zeitraum 2017 bis 2020. In den letzten fünf Jahren, von 2021 bis einschließlich 2025, sind die Verbraucherpreise um insgesamt rund +50% gestiegen.
Inzwischen sieht die Sberbank die Inflationsrate aber auf dem Weg einer „stetigen Rückkehr“ zum Zielwert der Zentralbank von 4 Prozent.
Die Zentralbank senkte den Leitzins erneut nur um 0,5 Prozentpunkte
Die russische Zentraban hatte zur Bekämpfung des Inflationsanstieg ihren Leitzins im Oktober 2024 auf den langjährigen Höchststand von 21 Prozent erhöht. Im Verlauf des Jahres 2025 senkte sie ihn von 21% vor dem 9. Juni auf 16% in den letzten zehn Dezembertagen.
Entwicklung des Leitzinses der russischen Zentralbank seit 2013

TASS: Pressekonferenz der Zentralbank zum Leitzins, 19.12.25
Zur der am Freitag beschlossenen Leitzinssenkung um 0,5 Prozentpunkte auf 16,0 Prozent berichtet die „Moscow Times“ unter anderem: Die Zinssenkung war allgemein erwartet worden. Immer mehr Stimmen in der russischen Geschäftswelt warnen davor, dass eine Kombination aus hohen Zinssätzen und einem überbewerteten Rubel einen „perfekten Sturm“ herbeiführen könnte, der die Investitionen hemmen und das Wachstum der Wirtschaft belasten könnte.
Die Zentralbank bekräftigte in ihrer Presseerklärung zur Leitzinssenkung, sie werde ihre restriktive Geldpolitik für einen „längeren Zeitraum“ beibehalten, um die Inflation zu senken.
Die jährliche Inflationsrate lag, so die Zentralbank, Mitte Dezember bei 5,8% und dürfte nach ihrer Einschätzung mindestens bis zum Jahresende unter 6% bleiben. Zur voraussichtlichen Preisentwicklung erklärte die Zentralbank außerdem, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte ab dem 01. Januar 2026 kurzfristig einen Anstieg der Inflation zur Folge haben werde. Danach werde der Preisanstieg wieder sinken. Die Inflationserwartungen sind laut der Zentralbank allerdings leicht gestiegen, was eine nachhaltige Abschwächung des Anstiegs der Verbraucherpreise behindern könnte.
Zentralbank: Das Wirtschaftswachstum setzt sich „moderat“ fort
Nach den bei der Leitzinssenkung Ende Oktober veröffentlichten Prognosen der Zentralbank wird das russische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 nur noch um +0,5 bis +1,0 Prozent wachsen. Im Jahr 2026 erwartet die Zentralbank ein Wachstum von +0,5 bis +1,5 Prozent.
Zur aktuellen Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion heißt es in der Presseerklärung vom Freitag:
„Das Wirtschaftswachstum setzt sich zwar moderat fort, die Entwicklung verläuft jedoch in den einzelnen Sektoren uneinheitlich. Die Binnennachfrage wird durch steigende Haushaltseinkommen, eine zunehmende Kreditvergabe und höhere Staatsausgaben gestützt.“
Zentralbankpräsidentin Nabiullina erklärte zur Konjunkturentwicklung im vierten Quartal in der Pressekonferenz (Video):
„Hochfrequente Daten zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal leicht beschleunigt hat, unter anderem im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden sowie im verarbeitenden Gewerbe. Das Wachstum der Konsumaktivitäten bleibt stark, nachdem es sich im ersten Halbjahr 2025 leicht abgeschwächt hatte. Dieser Trend ist besonders in der Gastronomie und einer Reihe anderer Dienstleistungen sowie im Non-Food-Sektor ausgeprägt. In den letzten Monaten wurde das Konsumwachstum zusätzlich durch die gestiegene Nachfrage nach Autos in Erwartung der Erhöhung der Recyclinggebühr angekurbelt.“
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt sich laut der Presseerklärung der Zentralbank allmählich. Umfragen zufolge sinke der Anteil der Unternehmen mit Arbeitskräftemangel kontinuierlich. Die Unternehmen planten für 2026 moderatere Lohnanpassungen als im Zeitraum 2023–2025. Gleichzeitig weist die Zentralbank darauf hin, dass sich die Arbeitslosigkeit auf einem historischen Tiefstand befindet. Der Anstieg der Löhne übertreffe weiterhin das Wachstum der Arbeitsproduktivität.
Die nächste Leitzinsentscheidung der Zentralbank ist für den 13. Februar geplant.
Der Unternehmerverband RSPP forderte eine stärkere Leitzinssenkung
Einen Tag vor der Leitzinssenkung um 0,5 Prozentpunkte forderte der Präsident des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes, Alexander Schochin, laut dem Telegram-Kanal vestifinance eine Zinssenkung um einen vollen Prozentpunkt. Er meinte:
„Ehrlich gesagt erwarten wir nicht eine Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte, sondern um einen vollen Prozentpunkt. Warum? Weil die Inflation zum Jahresende schneller zu sinken begann als im September prognostiziert wurde. Im September rechneten wir mit 7 bis 7,5% Inflation am Jahresende; jetzt liegt sie unter 6%. Bei einer Inflation von 6 % ist ein Zinssatz von 16,5% jedoch zu hoch.“
Schochin betonte außerdem, dass eine Zinssenkung keine Garantie für eine Lösung der Kredit- und Liquiditätsprobleme der Unternehmen sei. Aufgrund der Verschärfung der regulatorischer Anforderungen der staatlichen Behörden an Kreditnehmer und Banken werde eine leichte Senkung des Leitzinses die Möglichkeiten zur Aufnahme von Krediten insgesamt nicht verbessern.
Der Unternehmer-Präsident merkte außerdem an:
„Laut unseren Umfragen unter RSPP-Mitgliedern geben rund 40% der Unternehmen an, Probleme mit Zahlungsausfällen von Geschäftspartnern zu haben. Das ist eine signifikante Zahl; es ist der höchste Wert seit 2021.“
Nach der Leitzinssenkung um 0,5 Prozentpunkte erklärte Schochin laut einer RSSP-Mitteilung am 19. Dezember:
„Die Entscheidung des Direktoriums der Zentralbank Russlands, den Leitzins auf 16% zu senken, war die vorhersehbarste der letzten Zeit. Wichtig ist, dass sich dieser Trend fortsetzt – dies ist die fünfte Zinssenkung in Folge. Angesichts der spürbaren Verlangsamung der Inflation zum Jahresende hätte die Entscheidung jedoch radikaler ausfallen können – die aktuelle Differenz zwischen dem Leitzins von 16% und der Inflationsrate von 6% ist zu groß. Zudem sind die Risiken einer beschleunigten Inflation Anfang nächsten Jahres aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung gering, wie die minimalen Preissteigerungen nach der letzten Mehrwertsteuererhöhung (zum 1. Januar 2019) bestätigen. Wir hoffen daher auf eine ambitioniertere nächste Entscheidung.“
Wie schnell sich Russlands Wirtschaftswachstum verlangsamte
Im ersten Quartal 2025 stieg Russlands gesamtwirtschaftliche Produktion im Vergleich zum ersten Quartal 2024 noch um +1,4 Prozent. Im dritten Quartal ist die jährliche Wachstumsrate auf nur noch +0,6 Prozent gesunken.
Reales Bruttoinlandsprodukt
Veränderungen gegenüber Vorjahresquartal in Prozent

t.me/s/vestifinance_ru: Auf dem richtigen Weg: Die Eurasische Entwicklungsbank (EDB) hat ihre Wachstumsprognose für das russische BIP im Jahr 2025 halbiert, auf 1 %,18.12.25
Präsident Putin: Die Verlangsamung des Wachstums war „ein bewusster Schritt“
Bei seiner Jahrespressekonferenz mit Bürgerfragen nahm Präsident Putin gleich zu Beginn seiner Äußerungen zur Entwicklung der russischen Wirtschaft zum diesjährigen Rückgang des Wirtschaftswachstums Stellung. Er geht davon aus, dass Russlands Wirtschaftswachstum im Jahresvergleich 2025/2024 bei 1 Prozent liegen wird. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die russische Wirtschaft 2023, 2024 und 2025 um insgesamt 9,7 Prozent gewachsen sei, die Eurozone insgesamt um 3,1 Prozent.
Putin betonte, dass der Rückgang des Wachstums im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Inflation zu sehen sei:
„Das Wachstum von 1 Prozent in diesem Jahr und die allgemeine Entwicklung des Wachstums sind das Ergebnis gezielter Maßnahmen der Regierung, der Zentralbank und der Staatsführung zur Inflationsbekämpfung. Insgesamt konnten wir diese Aufgabe bewältigen, da das Ziel eine Senkung der Inflationsrate auf höchstens 6 Prozent war. Wir sehen nun, dass die Inflationsrate bis zum Jahresende weiter auf etwa 5,7–5,8 Prozent sinken wird. Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums war ein bewusster Schritt… .“
Einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von +4,3 Prozent im Jahr 2024 auf nur noch +1,0 Prozent im Jahr 2025 hat die russische Regierung allerdings erst Ende September in ihrer Haushaltsplanung vorgesehen. Zuvor ging sie offiziell davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr noch um +2,5 Prozent wächst.
Präsident Putins Erfolgsbilanz für 2025:
„Wirtschaft und Finanzsystem sind stabil und vollständig unter Kontrolle“
Zur Entwicklung der Produktion wichtiger Branchen hob der Präsident hervor:
Die Industrieproduktion ist insgesamt um rund 1 Prozent gestiegen, die Produktion des „Verarbeitenden Gewerbes“ dabei um 3,1 Prozent.
Die landwirtschaftliche Produktion hat um 3,3 Prozent zugenommen.
Beim Wohnungsbau wurden 2025 rund 103 bis 105 Millionen Quadratmeter fertiggestellt („Etwas weniger als 2024, aber immer noch beachtlich“, so Putin.).
Zur Entwicklung von Arbeitsmarkt, Löhnen und Arbeitsproduktivität merkte Putin an:
„Es ist uns gelungen, ein gutes Reallohnwachstum zu erzielen. Die Wachstumsraten sind zwar nicht mehr so hoch wie im Vorjahr, aber meiner Meinung nach bieten sie immer noch ein solides Reallohnwachstum. Inflationsbereinigt sind die Löhne um 4,5 Prozent gestiegen.
Leider muss man offen zugeben, dass das Wachstum der Arbeitsproduktivität im gleichen Zeitraum mit nur 1,1 Prozent eher bescheiden ausfiel. Selbstverständlich sollten wir uns bemühen, dieses Verhältnis zugunsten einer höheren Arbeitsproduktivität zu verbessern.
Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote mit 2,5 Prozent auf einem historischen Tiefstand. In diesem Jahr ist sie weiter auf 2,2 Prozent gesunken.
Insgesamt sind dies hervorragende Indikatoren.“
Die Entwicklung der Staatsfinanzen sieht Putin so:
„Das Defizit im Bundeshaushalt liegt bei 2,6 Prozent. Wir erwarten, dass es im nächsten Jahr auf 1,6 Prozent und innerhalb der nächsten drei Jahre auf 1,5 Prozent sinkt. Dies ist ein positives Zeichen, insbesondere angesichts der weiterhin sehr niedrigen Staatsverschuldung, die zu den niedrigsten unter den Industrieländern zählt.
Wir schätzten gestern, dass die Staatsverschuldung aktuell bei 17,7 Prozent liegt und in den nächsten drei Jahren voraussichtlich nicht über 20 Prozent steigen wird.“
Putins Fazit:
„All dies zusammengenommen deutet darauf hin, dass die Wirtschaft und das Finanzsystem stabil sind und vollständig unter der Kontrolle der Regierung und der Zentralbank stehen.“
Die Eurasische Entwicklungsbank erwartet 2026 auch etwas mehr Wachstum
Die in Almaty in Kasachstan ansässige „Eurasische Entwicklungsbank“ teilt die Wachstumsprognosen der russischen Regierung für die Jahre 2025 und 2026 weitgehend. Auch sie rechnet damit, dass sich das Wachstum der russischen Wirtschaft nach einem diesjährigen Rückgang auf +1,0 Prozent im nächsten Jahr etwas beschleunigt. In der Winterausgabe ihres halbjährlich erscheinenden „Macroeconomic Outlook“ prognostiziert die EDB für Russland:
Das Wirtschaftswachstum zieht 2026 auf +1,4% an. In den Jahren 2027 und 2028 wird dank fortgesetzter Konjunkturprogramme und einer Erholung der Kreditvergabe ein Wachstum von jeweils rund 2 Prozent erreicht.
Der Anstieg der Verbraucheropreise wird am Jahresende 2026 auf 5,5% sinken. Die Mehrwertsteuererhöhung und der Arbeitskräftemangel halten die Inflation über dem Zielwert von 4 Prozent. Bis Ende 2028 sinkt die Inflationsrate aber auf 4,5%.
Der Leitzins sinkt von 19,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025 im nächsten Jahr auf 14,4 Prozent.
Der Rubel wertet im Jahresdurchschnitt 2025 voraussichtlich auf 85 Rubel je US-Dollar auf. 2026 bis 2028 wird eine Abwertungsphase erwartet. Im Jahresdurchschnitt 2026 dürften aufgrund niedrigerer Ölpreise, einer schrittweisen Zinssenkung und eines Rückgangs der Devisenverkäufe der russischen Zentralbank voraussichtlich 94 Rubel pro Dollar notiert werden.

Eurasian Development Bank: Macroeconomic Outlook 2026-2028, 18.12.25
Das Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften rechnet für 2025 nur noch mit +0,7 Prozent Wachstum
In den Jahren 2024 und 2025 haben sich laut dem „Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften“ (IEF-RAS) „alle wesentlichen Risiken“ für die Entwicklung der russischen Wirtschaft realisiert:
Die demografischen Trends verschärfen den Mangel an Arbeitskräften.
Die technologische Kluft zu den Industrieländern und zu China vergrößert sich.
Die Exporterlöse aus Kohlenwasserstoffen und Rohstoffen sinken.
Die Verteidigungsausgaben steigen und der Sanktionsdruck nimmt zu.
Mitte September hatte das IEF das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2025 noch auf +1,2 Prozent veranschlagt. Diese Prognose nahm das Institut jetzt in seiner neuen „Vierteljährlichen Prognose“ auf +0,7 Prozent zurück.
Hauptgründe für die Konjunkturabschwächung im Jahr 2025 waren laut dem Institut „die anhaltende Anwendung einer extrem restriktiven Geldpolitik und (in geringerem Maße) der Rückgang der Produktion und des Exports von Kohlenwasserstoffen“.
Prognose der Verwendung des realen Bruttoinlandsprodukts 2025 bis 2028
Veränderungen gegenüber Vorjahr in Prozent

Institute for Economic Forecasts of the Russian Academy of Sciences: Russia: Quarterly Economic Forecast, Issue No68; englische Kurzfassung, 16.12.25
2026 beschleunigt sich das Wachstum nur auf 1,4 Prozent
Für das Jahr 2026 erwartete das IEF vor einem Vierteljahr noch ein Anziehen des Wirtschaftswachstums auf +2,1 Prozent. Jetzt rechnet es im nächsten Jahr nur noch mit einer Wachstumsrate von +1,4 Prozent.
Das Institut sieht in Russland derzeit eine Kombination einer „restriktiven Geldpolitik“ mit einer „gestrafften Fiskalpolitik“. Die Steuern würden erhöht und die Haushaltsausgaben deutlich reduziert. Diese Straffung der Fiskalpolitik sei angesichts der aktuellen außenwirtschaftlichen Lage und der restriktiven Geldpolitik die einzige Möglichkeit, einen ausgeglichenen Haushalt zu gewährleisten.
Als derzeit wichtigste konjunkturpolitische Maßnahmen nennt das IEF „eine rasche Lockerung der Geldpolitik im ersten Halbjahr 2026“ und eine Wiederherstellung des Wachstums der Exporte, die laut der Prognose des Instituts 2025 um 2,2 Prozent gesunken sein dürften. Zunächst müßte sich das Wachstum des Verbrauchs beschleunigen, erst danach könnten auch die Investitionen wieder schneller wachsen.
Das im Jahr 2026 erwartete Wirtschaftswachstum von +1,4 Prozent kann, so das IEF, mit einem Wachstum des Verbrauchs der privaten Haushalte, des Staatverbrauchs und der Exporte gesichert werden. Nach dem Ende der „Investitionspause“ könne Russlands gesamtwirtschaftliches Wachstum ab 2027 wieder auf 2 Prozent und mehr steigen.
Lesetipps:
- The Moscow Times: Russian Central Bank Slashes Key Rate to 16%, 19.12.25
- Finanzen.ch: Russland senkt Leitzins wie erwartet um 50 Basispunkte, 19.12.25
- Olga Belenkaya, FG Finam: Die Zentralbank verfolgt eine Lockerung der Geldpolitik, lehnt aber einen „Autopilotmodus“ ab, 19.12.25
- TASS.ru; Eulalia Samedova: Teure Inflation: Wie sich die Zentralbank in diesem Jahr verhalten hat, 19.12.25
- bne IntelliNews: Russlands Präsident Putin sagt, die Inflation werde auf 5,7 % sinken, 19.12.25; bne-Redaktion Moskau: Die russische Zentralbank senkt den Leitzins um 50 Basispunkte auf 16 %, bleibt aber vorsichtig, 19.12.25
- news.tek.fm: Die russische Zentralbank senkt ihren Leitzins auf 16% und prognostiziert einen Rückgang der Inflation, 19.12.25
- en.kremlin.ru: Results of the Year with Vladimir Putin. Vladimir Putin answered questions from journalists and the people of Russia in a live broadcast; Mitschrift mit Video, 19.12.25
- Focus.online; Paul Nikolas Hinz :Putin hält Propaganda-PK zum Ukraine-Krieg – Experte liefert Blitz-Analyse. Ein Politikexperte nennt es „eine Durchhalterede“. Das Event im Minutenprotokoll, 19.12.25
- Focus.online; Christoph Sackmann: Nur noch 40 Dollar pro Barrel. Öl-Crash trifft Russland hart: Putins wichtigster Geldstrom versiegt, mit Leser-Debatte; 19.12.25
- Eurasische Entwicklungsbank: Makroökonomische Prognose 2026–2028, 18.12.25
- t.me/s/vestifinance_ru: Auf dem richtigen Weg: Die Eurasische Entwicklungsbank (EDB) hat ihre Wachstumsprognose für das russische BIP im Jahr 2025 halbiert, auf 1 %,18.12.25
- Politkom.ru; Marina Voitenko: Systemische Aufgaben der Strukturtransformation, 18.12.25
- Expert.ru; Ekaterina Futurova, „Expertin“: Auf einen positiven Kurs kommen. Wie man das BIP-Wachstum ankurbeln kann, 17.12.25
- Vedomosti: Belousov: Die Ausgaben des Verteidigungsministeriums beliefen sich im Jahr 2025 auf 7,3 % des BIP. 17.12.25
- Finmarket.ru: Das BIP-Wachstum wird im Jahr 2025 hinter der Prognose des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung von 1 % zurückbleiben, Prognosen von IEF-RAS und Raiffeisen, 17.12.25
- Forbes.ru; Angelina Krechetova: Analysten bezweifeln die Möglichkeit eines russischen Wirtschaftswachstums von 1 % im Jahr 2025; 17.12.25
- Kommersant, Artem Chugunov: Das Wachstum ist fast unsichtbar, 16.12.25
- news.tek.fm: Das BIP-Wachstum Russlands im dritten Quartal 2025 betrug 0,6 %, 16.12.25.
- Nezavisimaya Gazeta, Mikhail Sergeev: Russland feiert das neue Jahr inmitten einer sich abschwächenden Wirtschaft. Die wöchentlichen Konsumausgaben im Dezember werden niedriger sein als im Jahr 2024, 16.12.25
- Institute for Economic Forecasts of the Russian Academy of Sciences: Russia: Quarterly Economic Forecast, Issue No68; englische Kurzfassung, 16.12.25
- Podcast „Zaren, Daten, Fakten“ der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer; Ben Aris, BNE IntelliNews, zu den eingefrorenen russischen Vermögenswerten in der EU: Russian Frozen Money: Europe’s Tough Decision, 40 Min, 15.12.25
- arb.ru; Sberbank-Analyse: Die Inflation in Russland wird bis Ende des Jahres 5,7 % erreichen – ein Fünfjahrestief, 15.12.25.

