Autor: Ben Aris, Chefredakteur bne Intellinews


Belarus hat 2025 nach Angaben der Regierung ein Bruttoinlandsprodukt von 88,6 Milliarden US-Dollar erreicht und damit einen neuen Höchststand verzeichnet. Das teilte Wirtschaftsminister Juri Tschebotar in einem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur TASS mit. Die Entwicklung markiert aus Sicht der Führung in Minsk den Abschluss einer wirtschaftlich schwierigen Phase, die von Sanktionen, globalen Verwerfungen und den Folgen der Pandemie geprägt war.

Tschebotar sprach von einem erfolgreichen Krisenmanagement unter „beispiellosem Sanktionsdruck“ und unterbrochenen Lieferketten. Die Regierung habe es dennoch geschafft, Wachstum zu erzielen, Exporte auszuweiten und den Lebensstandard zu erhöhen. Als zentrales Ergebnis nannte der Minister eine gestiegene Wirtschaftsleistung und ein verbessertes materielles Wohl der Bevölkerung.

Exporte und Investitionen als Wachstumstreiber

Tragende Säule des Wachstums bleibt der Außenhandel. In den vergangenen fünf Jahren seien die Exporte von Waren und Dienstleistungen um rund 35 Prozent gestiegen. Für 2025 rechnet die Regierung mit Exporterlösen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar, dem höchsten Wert seit einem Jahrzehnt. Maßgeblich dazu beigetragen habe die stärkere Ausrichtung auf Russland, China und die Märkte Zentralasiens, nachdem westliche Sanktionen den Handel mit der Europäischen Union deutlich eingeschränkt hatten.

Zugleich meldet Minsk einen kräftigen Anstieg der Anlageinvestitionen, die nach Regierungsangaben bereits im dritten Jahr in Folge deutlich schneller wuchsen als das Bruttoinlandsprodukt. Dies solle die Wettbewerbsfähigkeit stärken, neue Produkte ermöglichen und die Basis für künftiges Wachstum legen.

Industrie, Einkommen und statistische Vorbehalte

Auch die Industrieproduktion entwickelte sich robust. Über den Fünfjahreszeitraum hinweg legte sie offiziellen Zahlen zufolge um 15,2 Prozent zu. Die Arbeitsproduktivität stieg um 13,7 Prozent, gemessen am BIP. Beides wertet die Regierung als Beleg für eine Stärkung des wirtschaftlichen Potenzials des Landes.

Darüber hinaus meldet Minsk einen Zuwachs der real verfügbaren Einkommen um 23,4 Prozent und damit mehr als ursprünglich geplant. Die Regierung führt dies auf Maßnahmen zur Inflationskontrolle zurück. Unabhängige Ökonomen verweisen jedoch weiterhin auf die begrenzte Transparenz der belarussischen Statistik und mahnen zur Vorsicht bei der Bewertung der offiziellen Zahlen.

Trotz internationaler Isolation und Sanktionen gegen Schlüsselbranchen wie Kali, Erdölprodukte und Maschinenbau zeigt sich die Wirtschaft des Landes bislang widerstandsfähig. Diese Stabilität beruht jedoch wesentlich auf der vertieften wirtschaftlichen und finanziellen Anbindung an Russland sowie auf der Verlagerung von Exportströmen in außereuropäische Märkte.

Die Rekordwerte beim BIP und im Außenhandel dürften von der Führung in Minsk als Bestätigung des staatlich gelenkten Wirtschaftsmodells interpretiert werden, das auf Industrieproduktion, staatliche Kontrolle und gezielte Subventionen setzt. Mittel- und langfristig bleiben jedoch strukturelle Herausforderungen bestehen, darunter die wachsende Abhängigkeit von Russland, eingeschränkter Zugang zu internationalen Kapitalmärkten und begrenzte Innovationsdynamik jenseits der traditionellen Industriezweige.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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