China greift regulierend in den verschärften Wettbewerb seiner Automobilhersteller in Zentralasien ein. Wie das kasachische Wirtschaftsportal Kursiv berichtet, legte die chinesische Staatliche Marktregulierungsbehörde einen Entwurf neuer Leitlinien vor. Diese sollen das Preisverhalten der Branche strenger kontrollieren. Ziel ist es, den ruinösen Preiskampf zu beenden, mit dem chinesische Hersteller bislang Marktanteile eroberten.
Neue Regeln für chinesische Autoexporte
Hersteller wie BYD, Great Wall Motor oder XPeng lockten Käufer mit hohen Rabatten und Sonderkonditionen. Teilweise lagen die Verkaufspreise sogar unter den Produktionskosten. Genau diese Praxis wollen die neuen Regeln unterbinden. Autos dürfen künftig nicht mehr unter Herstellungs- oder Einkaufskosten verkauft werden. Ausnahmen gelten nur für den Abverkauf alter Lagerbestände.
Zudem sollen Preise, Servicegebühren und Lieferzeiten transparent festgelegt werden. Dadurch erhalten Käufer mehr Klarheit. Gleichzeitig könnten Händler in Zentralasien entlastet werden, denn ihre Margen standen zuletzt stark unter Druck.
Ausbau von Infrastruktur und Einfluss
Die Regulierung ist Teil einer breiteren chinesischen Strategie. Peking will wirtschaftliche Aktivitäten in Zentralasien stärker ordnen. Zugleich baut es seinen politischen Einfluss aus. Parallel treibt China große Infrastrukturprojekte voran. So sicherte sich das Eisenbahnprojekt China–Kirgisistan–Usbekistan Mitte Dezember einen Kredit über 2,3 Milliarden US-Dollar. Die Strecke soll 2030 in Betrieb gehen und die regionale Anbindung an China vertiefen.
Auch auf multilateraler Ebene intensiviert Peking seine Präsenz. Bei einem Runden Tisch der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit wurden neue Absichtserklärungen unterzeichnet. Diese betreffen alle Mitgliedstaaten sowie bilaterale Abkommen mit Kirgisistan und Usbekistan. Ziel ist es, Handel, Investitionen und industrielle Kooperation auszubauen.
Kasachstan steht dabei besonders im Fokus. Zwar berichten lokale Medien über eine angebliche Abkehr vom US-Dollar zugunsten des Yuan. Die Daten der Nationalbank zeichnen jedoch ein anderes Bild. Rund zwei Drittel der Auslandsschulden sind weiterhin in Dollar denominiert. Yuan-Kredite machen bislang nur etwa ein Prozent aus. Auch geplante zusätzliche Renminbi-Kredite ändern daran wenig.
Gleichzeitig wächst Chinas wirtschaftlicher Fußabdruck. Peking hat Usbekistan als wichtigsten Obst- und Gemüselieferanten Kasachstans überholt. Zudem sichern sich chinesische Bergbauunternehmen Mehrheitsbeteiligungen an Projekten für kritische Rohstoffe. Freihandelszonen in beiden Ländern arbeiten enger zusammen. Große Industrieinvestitionen, etwa ein Aluminiumwerk in Pawlodar, befinden sich allerdings noch im Verhandlungsstadium.
In Usbekistan setzt China verstärkt auf institutionelle Zusammenarbeit. Denkfabriken, Ministerien und Entwicklungsbehörden arbeiten zunehmend mit chinesischen Partnern zusammen. Programme zur Übernahme chinesischer Reform- und Industrieerfahrungen laufen bereits. Zugleich wächst der kulturelle Austausch. Die Zahl chinesischer Touristen steigt. Neue Automodelle kommen auf den Markt. Außerdem studieren immer mehr Usbeken in China.
Auch Kirgisistan und Tadschikistan vertiefen ihre Beziehungen zu Peking. Kirgisistan positioniert sich als dynamischer Wirtschaftsstandort. Tadschikistan verzeichnet chinesische Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Automobilhandel. Selbst in Turkmenistan, traditionell zurückhaltend, nimmt die Präsenz chinesischer Kooperationen zu.
Die neuen Leitlinien für den Automobilsektor markieren daher mehr als eine technische Marktregulierung. Sie zeigen, dass China nicht nur expandiert. Es beginnt zugleich, seine wirtschaftliche Dominanz in Zentralasien strategisch zu steuern. Das geschieht mit klareren Regeln, wachsendem Einfluss und langfristigem Anspruch.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

