Autor: Klaus Dormann


Seit rund einem Jahr stagniert Russlands gesamtwirtschaftliche Produktion fast. Im November 2025 fiel das reale Bruttoinlandsprodukt laut einer ersten Schätzung des Instituts für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften wieder auf das ein Jahr zuvor erreichte Niveau zurück.

Im Verlauf des Jahres 2025 hat sich aber immerhin die hohe Inflation deutlich abgekühlt. Bis März 2025 hatte sich der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise auf 10,3 Prozent beschleunigt. Dann sank er Monat für Monat. Im Dezember 2025 fiel der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat voraussichtlich knapp unter 6 Prozent (Dezember 2024: +9,5%). Allerdings dürfte die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2025 noch etwas höher gewesen sein als 2024. Anfang Dezember rechneten die von der Zentralbank befragten Analysten mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 8,8 Prozent im Jahresvergleich 2025/2024 (2024/2023: +8,4 Prozent).

Sergey Aleksachenko (Jahrgang 1959), von 1993 bis 1995 stellvertretender Finanzminister Russlands und danach bis 1998 stellvertretender Präsident der russischen Zentralbank, nennt die Senkung des Inflationstempos den „wichtigsten Erfolg“ der russischen Regierung im Jahr 2025. „Dies war das Ergebnis koordinierter Maßnahmen des Finanzministeriums und der Zentralbank Russlands“, lobt der 2014 aus politischen Gründen in die USA ausgewanderte Aleksachenko in einer Analyse für das Londoner „New Eurasian Strategies Centre“ seine Nachfolger in Finanzministerium und Zentralbank.

Wirtschaftsministerium: 2025 wuchs die Wirtschaft nur noch um 1,0 Prozent

Am 26. Dezember veröffentlichte Russlands Statistikamt Rosstat die Konjunkturdaten für November. Das Wirtschaftsministerium schätzte, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in den ersten 11 Monaten 2025 im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 1,0 Prozent gewachsen ist. Eine Abschwächung des Anstiegs der gesamtwirtschaftlichen Produktion von 4,3 Prozent im Jahr 2024 auf nur noch 1,0 Prozent erwartet das Ministerium seit Ende September auch im Gesamtjahr 2025. Das Statistikamt Rosstat wird im Februar – nach der Veröffentlichung der Konjunkturdaten für Dezember –  eine erste Schätzung zum Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2025 vorlegen.

IEF-RAS: Im November sank das BIP gegenüber Oktober um 1,3 Prozent

Die meisten Analysten rechnen damit, dass der Produktionsanstieg der russischen Wirtschaft im letzten Jahr auf 0,5 Prozent bis 1,0 Prozent gesunken sein dürfte. Zu ihnen gehört auch das Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften („Institute of Economic Forecasting of the Russian Academy of Sciences“, IEF-RAS). Mitte Dezember hatte es in seinem „Quarterly Economic Forecast“ seine Prognose für den Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 bereits auf 0,7 Prozent gesenkt.

Zur Ergänzung dieses vierteljährlichen Wirtschaftsausblicks veröffentlicht das IEF jeden Monat auch eine „Analyse der kurzfristigen BIP-Entwicklung“ mit Wachstumsschätzungen. Im November hatte es aufgrund des starken Anstiegs der Produktion im Oktober seine Schätzung für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahresvergleich 2025/2024 noch auf +1,1 Prozent erhöht. Angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung im November nahm es diese Schätzung Ende Dezember aber auf +0,9 Prozent zurück.

In seiner monatlichen „Analyse der kurzfristigen BIP-Entwicklung“ veröffentlicht das IEF auch eine Schätzung der saisonbereinigten Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion. Die schwarze Linie in der folgenden Abbildung zeigt, dass der saisonbereinigte Index des realen Bruttoinlandsprodukts im Oktober gegenüber September noch kräftig gestiegen ist (+1,4 %). Im November fiel die gesamtwirtschaftliche Produktion laut Schätzung des Instituts im Vergleich zum Oktober jedoch wieder fast ebenso stark um 1,3 Prozent zurück. Abgesehen von dem kräftigen Anstieg im Oktober stagnierte das saisonvereinigte BIP im Verlauf des Jahres 2025 fast.

Schätzung des Indexes des realen Bruttoinlandsprodukts
blaue Säulen: Veränderung gegenüber Vorjahresmonat in %
schwarze Linie: Index des realen BIP, Januar 2018=100; saisonbereinigt

IEF-RAS: Analyse der kurzfristigen BIP-Dynamik: Dezember 2025, 30.12.25

Wie die blaue Säulenreihe in der Abbildung zeigt stagnierte das reale Bruttoinlandsprodukt im November 2025 aufgrund des starken Rückgangs gegenüber Oktober damit auf dem im Vorjahresmonat erreichten Niveau. Im Oktober 2025 war es hingegen im Vorjahresvergleich noch um rund 2 Prozent gestiegen.

IEF-RAS: Die Industrieproduktion sank im November im Vorjahresvergleich

Das Konjunkturforschungsinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften hebt zur Entwicklung der Industrie im November unter anderem hervor: Insgesamt fiel die Industrieproduktion im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,7 % (nach einem Anstieg um 3,1 % im Oktober 2025).

Industrieproduktion (Januar 2021 bis November 2025)
Veränderung gegenüber Vorjahresmonat in Prozent

Investing.com: Russia Industrial Production YoY, 26.12.25

Dabei sank im November 2025 die Produktion im „Verarbeitenden Gewerbe“ im Vorjahresvergleich um 1,0 %. Der Industrie-Bereich „Bergbau, Förderung von Rohstoffen“ verzeichnete hingegen ein Wachstum der Produktion (+0,7%).

In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 gab es im Bereich „Bergbau, Förderung von Rohstoffen“ allerdings im Vorjahresvergleich einein Rückgang der Produktion um 1,5 Prozent. Die Produktion des „Verarbeitenden Gewerbes“ stieg gleichzeitig um 2,6 Prozent. Einschließlich weiterer Industriebereiche erreichte das jährliche Wachstum der gesamten Industrieproduktion im Zeitraum Januar bis November 2025 nur noch 0,8 Prozent. 2024 war die Industrieproduktion in den ersten elf Monaten noch um 5,1 Prozent gestiegen.

Produktionsentwicklung in der Industrie
Veränderungen in % gegenüber dem Vorjahr

Quelle: Rosstat, Finam-Berechnungen

Die Rüstungsproduktion ist weiter stark gewachsen

Das jährliche Wachstum der Produktion im „Verarbeitenden Gewerbe“ wurde in den ersten elf Monaten von der Produktion rüstungsnaher Industriezweige getragen. Die Chef-Volkswirtin der Börsenfirma FINAM, Olga Belenkaya, stellt in einer ausführlichen Analyse fest, dass die Industrieproduktion im Vergleich der ersten elf Monate der Jahre 2025 und 2024 in den folgenden drei „rüstungsnahen“ Branchen weiterhin stark gestiegen ist:

  • „Sonstige Transportmittel“; einschließlich Flugzeuge, Schiffe; ohne KFZ: +29,5 %
  • Metallerzeugnisse; ohne Maschinen und Ausrüstungen: +13,9 %
  • Computer, elektronische und optische Produkte: +13,0 %

Die Produktion von Arzneimitteln und Materialien für medizinische Zwecke wuchs um 15,6 Prozent.

Belenkaya weist gleichzeitig aber auf starke Schwankungen der Produktion des „militärisch-industriellen Komplexes“ in den letzten Monaten hin. Nach einem starken Anstieg der Rüstungsproduktion im Oktober, der die gesamte Industrieproduktion im Vorjahresvergleich um 3,1 Prozent steigen ließ, verlangsamte sich ihr jährliches Wachstum im November. Die Produktion von Metallerzeugnissen (ohne Maschinen und Ausrüstungen) sank im November im Jahresvergleich sogar um 1,3 %, nachdem sie im Oktober um 19,4 % gestiegen war. Das Wachstum der Produktion von „Sonstigen Transportmitteln“ (einschließlich Schiffbau, Luft- und Raumfahrt) verlangsamte sich auf 6,4 % nach einem Anstieg um 41 % im Oktober.

Die Produktion in vielen großen „zivilen“ Industriebranchen sank hingegen

Bei zahlreichen Konsumgütern gab es im Zeitraum Januar bis November im Vorjahresvergleich hingegen Produktionsrückgänge (unter anderem bei Nahrungsmitteln, Getränken, Bekleidung, Lederwaren und Möbeln).

Auch die Produktion der chemischen Industrie sank, ebenso die Produktion im Maschinenbau (außerhalb der Rüstungsindustrie). Es wurden weniger Materialien für die Bauwirtschaft hergestellt. Den stärksten Rückgang verzeichnete weiterhin die Produktion von Kraftfahrzeugen und Anhängern (-23,6 %).

Sehr unterschiedliche Entwicklung in weiteren „Kernbereichen“ der Wirtschaft

Im Großhandel verstärkte sich der Rückgang der Produktion im November (-5,6 % gegenüber dem Vorjahr; nach -2,5 % im Oktober und +2 % im September 2025). Belenkaya verweist auf die sinkenden Gasexporte und eine schwache Importdynamik.

Im Bereich des Warentransports beschleunigte sich der Produktionsrückgang im November im Vorjahresvergleich auf 3,0 Prozent. In den ersten elf Monaten war die Transportleistung 0,7 Prozent niedriger als im Vorjahr.

In der Bauwirtschaft wuchs die Produktion in den ersten elf Monaten 2025 zwar noch um 2,7 Prozent. Im November war sie aber nur noch 0,1 Prozent höher als vor einem Jahr. Der starke Rückgang der Produktion wichtiger Baustoffe deutet auf einen beginnenden Abwärtstrend der Bauproduktion hin.

Die Landwirtschaft verzeichnete 2025 weit überdurchschnittliche Wachstumsraten (November: +20% zum Vorjahr, Oktober: +7%). In den ersten elf Monaten stieg ihre Produktion um 5,4 Prozent. Damit wurde der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion im Vorjahr um 3,3 Prozent mehr als ausgeglichen.

Produktionsentwicklung nach Branchen
Veränderungen in % gegenüber dem Vorjahr

Quelle: Rosstat, Finam-Berechnungen

Die Verbrauchernachfrage stützte 2025 das Wirtschaftswachstum

Das IEF-RAS macht darauf aufmerksam, dass das Wirtschaftswachstum im November 2025 vom Anstieg der Verbrauchernachfrage gestützt wurde. Kaufimpulse kamen von der  Erhöhung der Mehrwertsteuer ab Januar und auch von der Änderung der Berechnung der Recyclinggebühren beim Autokauf zum 01. Dezember.

Der reale Einzelhandelsumsatz stieg im November 2025 um 3,3% gegenüber dem Vorjahr, der reale Umsatz im Gastgewerbe um 8,2% und der reale Umsatz mit Dienstleistungen für die Bevölkerung um 3,3%.

Produktionsentwicklung nach Branchen
Veränderungen in % gegenüber dem Vorjahr

Quelle: Rosstat, Finam-Berechnungen

Das IEF-RAS beobachtete, dass sich im Laufe des Jahres 2025 die „Lücken“ zwischen der Entwicklung der Verbrauchernachfrage und der Produktion in den Kernsektoren der Wirtschaft vergrößerten. Beispielsweise stieg der Einzelhandelsumsatz mit Lebensmitteln in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 im Vorjahresvergleich um 2,2 % während die Produktion von Lebensmitteln in Russland gleichzeitig um 0,7 % sank. Im Gastgewerbe stieg der Umsatz in den ersten elf Monaten um 8,7 Prozent während die Getränkeproduktion um 3,6 Prozent sank. Nach Einschätzung des IEF konnten diese Lücken angesichts des relativ starken Rubelkurses durch höhere Importe kompensiert werden.

Die Realeinkommen und Reallöhne sind bisher weiter deutlich gestiegen

Das Wachstum der Konsumnachfrage wird in der aktuellen Situation, so das IEF, primär durch die Einkommensentwicklung und die Sparneigung bestimmt.

Laut Rosstat stieg das reale verfügbare Einkommen im Zeitraum Januar bis September 2025 im Jahresvergleich um 9,2 %. Die Reallöhne wuchsen im Zeitraum Januar bis Oktober 2025 im Jahresvergleich um 4,7 % (im Oktober 2025 um 6,1 % gegenüber dem Vorjahr). In den kommenden Monaten rechnet das IEF mit einem langsameren Reallohnwachstum. Der Wettbewerb unter den Arbeitsuchenden habe zugenommen.

Als ein „Risiko“ für die Konjunkturentwicklung im Jahr 2026 nennt das IEF eine Abschwächung des Wachstums der Einkommen aufgrund der „Normalisierung“ der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Mit schwächer wachsenden Einkommen werde auch das Wachstum der Nachfrage der Verbraucher sinken. Weitere Risiken sind laut IEF ein realer Rückgang der Staatsausgaben und niedrigere Investitionen.

Leichte Entspannung des Arbeitsmarktes trotz rekordniedriger Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote erreichte im November mit 2,1 % einen historischen Tiefstand, nach 2,2 % im Oktober. Die Zahl der Arbeitslosen verharrte mit 1,6 Millionen weiterhin nahe ihrem Tiefststand.

Laut Olga Belenkaya deuten einige Indikatoren jedoch auf eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt hin (bedingt durch das nachlassende Wirtschaftswachstum). So ist die Zahl der offenen Stellen gesunken. Die durchschnittliche Dauer der Stellensuche verlängerte sich im November von 5,5 auf 5,7 Monate (der höchste Wert seit Mai 2024).

Arbeitsmarktstudien lassen einen verstärkten Wettbewerb um Arbeitsplätze erkennen. Die Zahl der Bewerbungen je offene Stelle stieg im November auf 8,1. Sie war fast doppelt so hoch wie vor einem Jahr mit 4,2 Bewerbern pro Stelle.

Die jährliche Inflationsrate sank im Dezember voraussichtlich auf knapp 6 Prozent

Hinsichtlich der aktuellen Entwicklung der Verbraucherpreise hält es auch Olga Belenkaya für sehr wahrscheinlich, dass die jährliche Inflationsrate im Dezember unter 6 Prozent gesunken ist. Dies wäre der niedrigste Wert der letzten fünf Jahre. Der Preisanstieg läge unter der Prognose der Zentralbank vom Oktober (6,5 bis 7 Prozent). Der Rückgang der Inflationsrate gibt der Zentralbank, so Belenkaya, Spielraum für weitere Senkungen des Leitzinses.

 Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat in %

Trading Economics: Russia Annual Inflation Rate

Belenkaya verweist auf die „Nebenwirkungen“ einer langen Beibehaltung einer sehr restriktiven Geldpolitik: Die Produktion der meisten Branchen stagniert oder sinkt, die  Finanzlage der Unternehmen verschlechtert sich, die Investitionen sinken.

Gleichzeitig nennt Belenkaya aber eine ganze Reihe preistreibender Faktoren, die die Zentralbank zur Vorsicht bei der Senkung des Leitzinses zwingen könnten:

  • Die Mehrwertsteuer wurde am Jahresanfang von 20 % auf 22 % erhöht (mit Ausweitung des Kreises der Steuerpflichtigen auf Kleinunternehmen).
  • Die Recyclinggebühr beim KFZ-Kauf wurde erhöht.
  • Die Kosten für die Nutzung von Wohnungen erhöhen sich.

Aleksachenko: Der wichtigste Erfolg war 2025 die Senkung der Inflation

Der in die USA emigrierte russische Ökonom Sergey Aleksachenko, der in den 90ger Jahren Stellvertretender Finanzminister und Stellvertretender Präsident der Zentralbank war, zieht in einem Artikel für das Londoner „New Eurasian Stragegies Centre“ folgende Bilanz der russischen Geld- und Finanzpolitik im letzten Jahr:

„Der wichtigste Erfolg der russischen Regierung im Jahr 2025 war die Senkung der Inflation von 9,5 Prozent auf unter 6 Prozent. Dies war das Ergebnis koordinierter Maßnahmen des Finanzministeriums und der Zentralbank.

In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 hielt sich das Finanzministerium an eine strikte Haushaltsdisziplin und beschränkte die Ausgaben. Der Anstieg des Defizits im  Bundeshaushalt im Vergleich zu den Prognosen vom Vorjahr war hauptsächlich auf einen Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen aufgrund der Rubel-Aufwertung zurückzuführen.

Darüber hinaus traf das Finanzministerium die äußerst unpopuläre Entscheidung, den Mehrwertsteuersatz ab dem 1. Januar 2026 anzuheben. Diese Maßnahme wird die Staatseinnahmen erhöhen, die private Nachfrage verringern und einen zusätzlichen disinflationären Effekt haben.

Die russische Zentralbank hielt ihrerseits den Leitzins bis Juni 2025 auf einem extrem hohen Niveau. Anschließend senkte sie ihn fünfmal, doch die kumulative Reduzierung von 21 Prozent auf 16 Prozent führte nur zu einer sehr moderaten Lockerung der Geldpolitik.“

Aleksachenko erwartet, dass Zinssenkungen der Zentralbank Anfang 2026 nur mit äußerster Vorsicht erfolgen werden. Er schließt weitere Senkungen des Leitzinses jedoch nicht aus. Eine Senkung des Leitzinses auf 12 bis 13 Prozent könne beim aktuellen Inflationsniveau als teilweiser Ausgleich für die bereits erreichte Inflationsabschwächung gesehen werden.

Zur Prognose der Zentralbank, ihr Inflationsziel von 4 Prozent bis Mitte 2026 zu erreichen, äußert sich Aleksachenko skeptisch. Zum einen herrsche Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Finanzpolitik. Es sei offen, wie mögliche künftige Rückgänge der Öl- und Gaseinnahmen kompensiert werden sollten. Zum anderen werde zunehmend mit einer Abwertung des überbewerteten Rubels gerechnet, gefolgt von einer erneuten Beschleunigung der Inflation. Ein zusätzliches Risiko für die Preisentwicklung seien die in den letzten Monaten leicht gestiegenen Inflationserwartungen von Verbrauchern und Unternehmen.

Die Regierung opferte das Wachstum für stabilere Preise

Aleksachenko stellt im Rückblick auf 2025 fest, dass Russlands Wirtschaft stagniert. Die russische Regierung habe 2025 aber „rational“ gehandelt. Sie habe das Wachstum „geopfert“, um die Inflation einzudämmen.

Als Ursachen für die wirtschaftliche Abschwächung im Jahr 2025 nennt Aleksachenko:

  • Die erhöhte Steuerbelastung
  • Kürzungen der nicht-militärischen Haushaltsausgaben
  • Hohe Zinssätze, die die Kreditaufnahme für Unternehmen stark verteuerten

Zur Entwicklung des Staatshaushalts meint Aleksachenko:

Die Aufwertung des Rubels und die Sanktionen haben zu einem Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen um mehr als 25 Prozent und zu einem Rückgang der Einfuhrsteuereinnahmen geführt, was die Einnahmenseite des Haushalts auch im Jahr 2026 noch belasten könnte. Wegen der steigenden Militärausgaben und der sinkenden Öl- und Gaseinnahmen ist der russische Staatshaushalt „anfällig“ für die Entstehung hoher Haushaltsdefizite.

Perspektiven: „Nachhaltiges Wachstum“ ist unwahrscheinlich

Zu Beginn des neuen Jahres sieht Aleksachenko die russische Wirtschaft unter dem Druck dreier Faktoren.

„Erstens bindet der Krieg weiterhin finanzielle, materielle und personelle Ressourcen.

Zweitens erfordern die Bemühungen um die Wahrung der makroökonomischen Stabilität die Fortsetzung einer restriktiven Geldpolitik und weitere Kürzungen der zivilen Haushaltsausgaben.

Drittens beschleunigen die Sanktionen die technologische Alterung der Investitionsgüter.“

Aleksachenko hält deswegen ein „nachhaltiges Wachstum“ der russischen Wirtschaft für unwahrscheinlich.

Ein mögliches Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine könnte nach seiner Einschätzung darüber hinaus kurzfristig die Rezessionsrisiken erhöhen. Die Produktion der Rüstungsindustrie könnte dann sinken und die Einkommen der Haushalte könnten abnehmen.


Lesetipps:

Rückblick 2025, Ausblick 2026

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