Autor: Jonas Prien


Wie Polen vom europäischen Tourismusboom profitiert

Während sich der europäische Reiseverkehr nach den Corona-Jahren und wirtschaftlicher Stagnation der vergangenen Jahre weiter stabilisiert, hat sich Polen 2025 als einer der dynamischsten Wachstumsmärkte etabliert. Mit einem Plus von rund sieben Prozent bei den Übernachtungen in touristischen Unterkünften erzielte das Land eines der besten Ergebnisse innerhalb der Europäischen Union, lediglich übertroffen lediglich von Malta. Der Aufschwung ist dabei nicht nur eine statistische Momentaufnahme, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels im polnischen Tourismussektor.

Europaweit registrierte Eurostat im Jahr 2025 rund 3,08 Milliarden Übernachtungen in Hotels und vergleichbaren Betrieben. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem moderaten, aber stabilen Wachstum von zwei Prozent. Bemerkenswert ist vor allem die Triebkraft hinter dieser Entwicklung: Der internationale Tourismus gewann deutlich an Bedeutung. Ausländische Gäste verbrachten EU-weit über 46 Millionen Nächte mehr als im Jahr zuvor, während der Zuwachs im Inlandstourismus mit gut 15 Millionen zusätzlichen Übernachtungen wesentlich verhaltener ausfiel. Das Verhältnis zwischen einheimischen und ausländischen Reisenden blieb dennoch nahezu ausgeglichen.

Quelle: Eurostat

Polens historische Schätze erkunden

In diesem europäischen Kontext hebt sich Polen deutlich ab. Das Land profitiert von einer Kombination aus wirtschaftlicher Aufholbewegung, verbesserter Infrastruktur und einem wachsenden internationalen Interesse an Mittel- und Osteuropa. Städte wie Warschau, Krakau, Breslau, Danzig oder Posen haben sich in den vergangenen Jahren gezielt als Orte für Geschichte, Kultur und Veranstaltungen positioniert. Sie verbinden ein historisch gewachsenes Stadtbild mit moderner Gastronomie, vergleichsweise niedrigen Preisen und einer guten internationalen Erreichbarkeit.

Doch Polens touristische Attraktivität reicht weit über den Städtetourismus hinaus. Die Ostseeküste erlebt einen neuen Aufstieg als Sommerreiseziel, während die Karpaten und Sudeten sowohl im Winter als auch im Sommer Gäste anziehen. Hinzu kommt eine außergewöhnliche Dichte an weltgeschichtlich bedeutenden Orten, Gedenkstätten und Museen, die zunehmend auch ein internationales Publikum ansprechen. Dazu gehören etwa die Marienburg unweit von Danzig, die Museums- und Gedenkorte in Auschwitz und die ehemaligen Königspaläste in Warschau und Krakau.

Visegrád und Baltikum gewinnen an touristischer Bedeutung

Strukturell spiegelt sich der Boom in einer klassischen, aber stabilen Nachfrageverteilung wider. Wie in der gesamten EU entfällt auch in Polen der größte Teil der Übernachtungen auf Hotels. Sie stehen für rund zwei Drittel des Marktes. Ferienwohnungen und kurzfristige Vermietungen gewinnen zwar an Bedeutung, bleiben aber klar hinter der klassischen Hotellerie zurück. Camping und naturnahe Unterkünfte ergänzen das Angebot, insbesondere in Küsten- und Bergregionen.

Im Ländervergleich zeigt sich, dass Polen Teil einer kleinen Gruppe von EU-Staaten ist (vor allem die baltischen und Visegrád-Staaten), die 2025 deutlich schneller wuchsen als der Durchschnitt. Neben Malta verzeichnete lediglich Lettland ähnlich starke Zuwächse, während Rückgänge nur in wenigen Ländern wie Irland oder Rumänien zu beobachten waren. Diese Divergenz deutet darauf hin, dass sich der europäische Tourismusmarkt weiter ausdifferenziert: Weg von den klassischen, oft überfüllten Destinationen, hin zu Ländern mit noch ungenutztem Potenzial.

Polen scheint dieses Potenzial erkannt zu haben. Der Tourismus des Jahres 2025 ist dort weniger von kurzfristigen Effekten geprägt als von langfristigen Trends: steigende internationale Sichtbarkeit, wachsende urbane Attraktivität und eine zunehmende Nachfrage nach authentischen, erschwinglichen Reisezielen. Für Europa insgesamt ist das ein Signal, dass der touristische Schwerpunkt sich spürbar verschiebt.

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