Während die weltweiten Direktinvestitionen infolge hoher Zinsen, geopolitischer Spannungen und konjunktureller Unsicherheit zurückgehen, verzeichnet Eurasien einen gegenläufigen Trend. Asiatische Investoren haben in den Jahren 2024 und 2025 rund 20 Milliarden US-Dollar zusätzlich in eurasische Volkswirtschaften investiert. Fast die Hälfte dieses Zuwachses stammt aus den Golfstaaten, wie ein neuer Bericht der Eurasischen Entwicklungsbank (EDB) zeigt.
Insgesamt stieg der Bestand gegenseitiger Investitionen zwischen eurasischen Ländern und asiatischen Partnern auf den Rekordwert von 176 Milliarden US-Dollar. Die wirtschaftlichen Verflechtungen vertiefen sich damit deutlich – trotz eines globalen Umfelds, das Kapitalströme vielerorts bremst.
Die Analyse ist Teil des EDB-Projekts Monitoring of Mutual Investments und erfasst Direktinvestitionen zwischen 13 Ländern in Zentralasien, dem Südkaukasus und Osteuropa sowie wichtigen asiatischen Partnern, darunter China, Indien, die Türkei, Vietnam und die Golfstaaten.
„Wir beobachten ein stetiges Wachstum der Investitionsbeziehungen zwischen den Golfstaaten und der eurasischen Region“, erklärte EDB-Chefökonom Evgeny Vinokurov. Die Dynamik dürfte sich mittelfristig fortsetzen und im Schnitt rund 15 Prozent pro Jahr erreichen. Entscheidend sei dabei nicht nur das Kapital, sondern auch der technologische und industrielle Know-how-Transfer.
Golfstaaten als Wachstumsmotor

Investitionsbestand aus asiatischen Ländern der eurasischen Region (links) und Investitionswachstum nach Investorenland von 2023 bis zur ersten Hälfte des Jahres 2025 (rechts), Mrd. USD. Quelle: EDB.
Bis Mitte 2025 beliefen sich die aus Asien stammenden Direktinvestitionen in Eurasien auf knapp 120 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2023. China bleibt mit einem Anteil von 55 Prozent größter Einzelinvestor, doch die Golfstaaten haben sich zum wichtigsten Wachstumstreiber entwickelt. Rund 45 Prozent des jüngsten Zuwachses entfielen auf sie.
Angeführt werden die Golfstaaten von den Vereinigten Arabischen Emiraten, die mit 16,1 Milliarden US-Dollar fast 70 Prozent der regionalen Investitionen stellen. Saudi-Arabien, Katar und Oman folgen mit deutlichem Abstand. Der geografische Schwerpunkt liegt klar auf Zentralasien, das nahezu 60 Prozent aller asiatischen Investitionen anzieht.

Dynamik des FDI-Bestands aus den Golfstaaten in die eurasische Region, Mrd. USD. Quelle: EDB.
Zentralasien als regionaler Magnet
Seit 2016 haben sich die asiatischen Direktinvestitionen in Zentralasien mehr als verdoppelt. Besonders hervorgetan hat sich Usbekistan: Dort vervierzehnfachte sich der asiatische Investitionsbestand seit 2016 und verdoppelte sich allein zwischen 2024 und 2025 auf 22,6 Milliarden US-Dollar. Die EDB verweist auf Reformen des Investitionsklimas, industrielle Modernisierung und den Umbau des Energiesektors.
Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan vereinen zusammen mehr als 90 Prozent aller asiatischen Investitionen in der Region auf sich – ein Hinweis auf die zunehmende Konzentration auf politisch stabilere und ressourcenreiche Volkswirtschaften.
Energie ersetzt Rohstoffe
Strukturell verschiebt sich der Fokus der Investoren. Zwar dominieren Rohstoffe weiterhin, ihr Anteil sank jedoch deutlich. Gleichzeitig entwickelte sich der Energiesektor – inklusive erneuerbarer Energien – zum wichtigsten Wachstumsfeld. Allein zwischen 2024 und Mitte 2025 floss mehr als die Hälfte der neuen Investitionen in Energieprojekte.
Besonders aktiv sind Investoren aus den Golfstaaten und China. Die EDB sieht darin eine Reaktion auf den rasant steigenden Strombedarf sowie auf die beschleunigte Energiewende in vielen eurasischen Ländern.
Blickrichtung Osten – und zurück
Der Kapitalfluss verläuft nicht einseitig. Auch eurasische Länder investieren zunehmend in Asien. Bis Mitte 2025 erreichten diese Investitionen 56,6 Milliarden US-Dollar. Hauptinvestoren sind Russland und Aserbaidschan, wichtigste Zielländer die Türkei, Indien, Vietnam und China.
Die veränderte Branchenstruktur signalisiert einen tiefergehenden Wandel: Weg von einer rohstoffdominierten Investitionslogik, hin zu stärkerer industrieller Diversifizierung. Nach Einschätzung der EDB wird insbesondere der Energiesektor weiterhin asiatisches Kapital anziehen – während Zentralasien seine Rolle als wirtschaftliches Gravitationszentrum Eurasiens weiter festigt.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

