Autor: Dietrich Schartner

Im Dezember 2025 hat Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan bekanntgegeben, dass der Port of Hamburg – einer der größten Seehäfen Europas – sein Interesse am geplanten Dry-Port-Projekt in Gjumri zum Ausdruck gebracht hat. Dieses Interesse sei „insbesondere im Kontext der regionalen Verkehrs- und Logistikprojekte” spürbar gewachsen, so Paschinjan bei einer Presserunde in Hamburg mit armenischen und internationalen Medienvertretern.
Was ist der Gjumri „Dry Port“?
Das Projekt „Dry Port Gyumri“ sieht den Aufbau eines groß angelegten multimodalen Logistik- und Industrieparks in der Region Shirak vor, angrenzend an den Shirak International Airport, die Bahnlinie und die wichtige Nord-Süd-Verkehrsachse. Geplant ist ein Zentrum, das Logistik, Umschlag, Produktion, Lagerung und Zollkonsolidierung kombiniert und damit Armenien zu einem zentralen logistischen Knotenpunkt für regionale und überregionale Handelsströme entwickeln soll. Die armenische Regierung plant, rund 37 Millionen USD aus eigenen Mitteln in die Kerninfrastruktur zu investieren; größere ausländische Investoren sollen die Anlage betreiben und weiterentwickeln.
Laut Projektkonzept wäre der Dry Port an Straße, Schiene und Luftverkehr angebunden, was ihn zu einem integralen Bestandteil der armenischen Verkehrsstrategie macht – etwa im Rahmen der übergeordneten Initiative „Crossroads of Peace“. Neben Logistikflächen sollen Wirtschafts- und Gewerbeflächen, Lagerkapazitäten und eine Freihandelszone entstehen, die mittel- und langfristig auch industrielle Aktivitäten und Wertschöpfung vor Ort fördern sollen.
Warum interessiert sich der Hamburger Hafen?
Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) ist ein global aktiver Logistik- und Hafenbetreiber mit Schwerpunkten in Hafenumschlag, intermodaler Schienentransportlogistik und Verbindungen zwischen See- und Landwegen. HHLA betreibt Containerterminals und Schienennetzwerke in mehreren europäischen Ländern und hat darüber hinaus Erfahrung im Transitverkehr nach Zentralasien und Südkaukasus-Regionen.
Nach Aussagen des Premiers bestätigten Vertreter der Hamburger Hafenverwaltung, dass ihr Interesse am Projekt nicht nur grundsätzlich bestehe, sondern im Zuge der jüngsten Gespräche in Hamburg konkreter und aktiver geworden sei. Demnach hätten sich bei den Treffen zwischen armenischer Delegation und Hamburger Geschäftsleuten „sehr substanzielle Diskussionen” ergeben, und es sei eine Agenda für mögliche weitere Schritte vereinbart worden.
Trotz der wachsenden internationalen Aufmerksamkeit befindet sich der Dry Port noch im Vorbereitungs- und Verhandlungsstadium. Tatsächlich konnte mit dem Bau lange nicht begonnen werden, obwohl bereits 2023 eine Machbarkeitsstudie erstellt wurde und Investitionspläne vorliegen. Bislang fehlen sowohl verbindliche Zeitpläne für den Baubeginn als auch benannte Betreiber für die Projektanlage; Gespräche mit internationalen Institutionen wie der Asian Development Bank und potentiellen Partnern aus dem Nahen Osten werden weiterhin geführt.
Das Interesse des Hamburger Hafens ist somit ein frischer wirtschaftlicher Impuls für das Projekt, der zeigen könnte, dass europäische Logistikakteure bereit sind, über rumänische, bulgarische oder türkische Projekte hinaus auch neue Chancen im Kaukasus in Betracht zu ziehen. In einer Region, in der der Ausbau grenzüberschreitender Verkehrsinfrastruktur seit Jahren ein zentrales wirtschaftspolitisches Thema ist, könnte dies zu einem entscheidenden Schritt hin zu konkreter Umsetzung und international vernetzter Logistik führen.

