Russlands Haushaltsdefizit könnte sich in diesem Jahr nahezu verdreifachen und damit deutlich über den offiziellen Zielmarken liegen. Grund sind rückläufige Energieeinnahmen und steigende Ausgaben, wie aus internen, regierungsnahen Berechnungen hervorgeht, über die Reuters am 4. Februar berichtete.

Demnach rechnen staatliche Analysten für 2026 mit einem Defizit von 3,5 bis 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – weit mehr als die bislang veranschlagten 1,6 Prozent. „Die Haushaltslage verschlechtert sich rapide. Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen“, zitierte Reuters eine mit den Berechnungen vertraute Quelle.

Ölpreisabschläge und starker Rubel belasten Einnahmen

Haupttreiber der Entwicklung ist ein erwarteter Rückgang der Energieeinnahmen um rund 18 Prozent. Ausschlaggebend sind hohe Abschläge auf russisches Rohöl sowie die Aufwertung des Rubels. Insgesamt dürften die Staatseinnahmen etwa sechs Prozent unter den ursprünglichen Planungen liegen und auf rund 37,9 Billionen Rubel sinken, während die Ausgaben je nach Szenario um vier bis acht Prozent steigen könnten.

Bereits im Januar brachen die Energieeinnahmen deutlich ein. Nach Angaben des Finanzministeriums halbierten sie sich gegenüber dem Vorjahr auf 393,3 Milliarden Rubel – den niedrigsten Wert seit dem Sommer 2020.

Westliche Sanktionen zwingen russische Exporteure weiterhin, ihr Öl mit Abschlägen von mehr als 20 Prozent gegenüber internationalen Referenzpreisen zu verkaufen. Hinzu kommt, dass der Rubel im vergangenen Jahr deutlich gegenüber dem Dollar aufwertete, was die in Dollar kalkulierten, aber in Rubel vereinnahmten Ölsteuern zusätzlich schmälert.

Reserven schmelzen – Annahmen gelten als unrealistisch

Zwar verfügt der Staat derzeit noch über Finanzreserven in Höhe von rund 4,1 Billionen Rubel, doch Analysten warnen vor einem raschen Abbau. Sollten die aktuellen Marktbedingungen anhalten, könnte ein Großteil dieser Mittel bereits innerhalb eines Jahres aufgebraucht sein.

„Das ist noch keine akute Krise, aber bei den derzeitigen Zinssätzen schwer nachhaltig zu finanzieren“, sagte die Quelle. Vorgesehene Ausgabenkürzungen seien unter diesen Umständen wirtschaftlich riskant. Auch zentrale Annahmen des Haushaltsplans – etwa eine leichte Reduzierung der Verteidigungsausgaben – gelten intern als kaum realistisch.

Schätzungen von Alfa Investment zufolge könnten dem Staat 2026 Einnahmen von bis zu drei Billionen Rubel entgehen. Das würde den Einsatz von fast drei Vierteln der verfügbaren liquiden Reserven erfordern. Analysten der VTB erwarten, dass im kommenden Jahr weitere 2,5 Billionen Rubel aus den Rücklagen entnommen werden müssten.

Regierung warnt vor fiskalischer Instabilität

Vizepremierminister Alexander Nowak räumte Anfang Februar ein, dass externe Beschränkungen gezielt auf die öffentlichen Finanzen wirken. Ein ausgeglichener Haushalt bleibe eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität, sagte er. „Diese Indikatoren dürfen wir nicht aus dem Gleichgewicht bringen.“

Die internen Prognosen deuten jedoch darauf hin, dass genau dieses Gleichgewicht zunehmend schwerer zu halten ist.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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